Bad Ems

Als vorletztes Ziel steht Bad Ems auf meiner Liste. Das Kaiserbad und weltbekannter Kurort mit einzigartiger Bäderarchitektur. Kaiser, Zare und Könige kurten hier. Hier findet sich die älteste deutsche Spielbank, ein Kursaalgebäude mit Marmorsaal und Kurtheater, die russisch-orthodoxe Kirche und ein barockes Badeschloss. Vor solcher Kulisse finden übers ganze Jahr hochkarätige Veranstaltungen (Musikfestivals, Theater, Ausstellungen) statt und natürlich Deutschlands größter Blumenkorso. Beinahe hätte ich es vergessen: Hier gibt es die Kurwaldbahn, eine der steilsten Standseilbahnen der Welt.

Der Stellplatz
Der Stellplatz

Es sind nur wenige Kilometer, die wir nach Bad Ems zurücklegen müssen. Machen einen Zwischenstopp in Dausenau. Betrachten die malerische Kulisse der Häuserfronten am Fluss, und sind schon nach einer Viertelstunde wieder unterwegs. Schon weit vor Mittag laufen wir in der Marina von Hella und Manfred Kutscher ein. Laut vierfarbiger Eigenwerbung mitten in Deutschland, in der charmanten Kurstadt Bad Ems und in ruhiger Lange direkt an der Lahn. Stimmt zwar nicht ganz, denn der Wohnmobil- und Yachthafen liegt in Nievern. Aber immerhin ist Bad Ems fußläufig nach rund eineinhalb Kilometern zu erreichen. Und direkt an der Lahn ist auch weit hergeholt, denn Kutschers Marina liegt an einem Seitenkanal des Flusses. Ganzjährig geöffnet, 16 Plätze, zehn Euro, ab zweitem Tag nur neun aber plus Kurtaxe, Strom mit 50 Cent/KWh und Dusche für einen Euro, Grillplatz und Liegewiese. Ein bisschen eng die Einfahrt, aber mit etwas Ausholen zu schaffen. Der nächste Supermarkt (Aldi) ist nur 400 Meter entfernt. Einparken, Strom anschließen und ab geht’s.

Russisch-orthodoxe Kirche
Russisch-orthodoxe Kirche

Wie schon in den Tagen zuvor hat der Wetterfrosch im Glas die höchsten Stufen seiner Leiter erklommen und sucht unter einem bunten Eisschirmchen Schatten. Den suchen wir auch, wenn auch meist vergebens. Sind leicht enttäuscht, als wir am Stadtzentrum ankommen. Das hatten wir uns anders, mondäner vorgestellt. Die Enttäuschung macht allerdings nach einem knappen weiteren Kilometer Begeisterung Platz. Vor uns liegt das Kurzentrum mit Park und eindrucksvollen Gebäuden der Bäderarchitektur. Früher waren es Kaiser und Zaren, die sich hier wohlfühlten. Heute sind es Fußballmannschaften der Bundesliga, Stars von Mario Barth bis zu Marie-Luise Marjan und natürlich wir, meine Ingrid und ich. Wir sehen uns die Kurwaldbahn an, eine der steilsten Standseilbahnen der Welt. Mit einer Maximalgeschwindigkeit von vier Meter pro Sekunde wird auf einer Streckenlänge von 220 Metern ein Höhenunterschied von 132 Metern überwunden. Das ist sage und schreibe eine 78-prozentige Steigung.

Die Lahn am Kurviertel
Die Lahn am Kurviertel

Von einem Besuch der örtlichen Spielbank sehe ich ab. Ich möchte nicht riskieren, dass statt der Verdoppelung meiner Rente die Euronen durch den Croupé eingesammelt werden und futsch sind. Wir würden auch gern einen Blick in die russisch-orthodoxe Kirche der Heiligen Alexandra werfen. Ihre goldene Kuppel weist uns bereits von Weitem den Weg. Doch die ist erst in den Nachmittagsstunden geöffnet. So lange wollen wir bei der Hitze nicht warten. Statt dessen drehen wir eine Runde im Kurpark. Noch herrscht hier erholsame Ruhe. Doch oft ist hier etwas los, richtig los. Bei Bootsrennen, Konzerten, Kabarett oder Brückenfest. Der sprichwörtliche Bär tanzt alljährlich beim Blumenkorso, Deutschlands größter rollender Blumenschau, heuer am 31. August. Dann sind wir allerdings nicht mehr hier.

Wir kehren nach Mittag leicht abgeschlafft zum Troll zurück. Sehen, dass wir einen Liner als Nachbarn erhalten haben, der uns genau 1,20 Meter Raum zwischen unserer Aufbautür und seiner Seitenwand gelassen hat. Viel enger kann’s nicht mehr werden, dann geht unsere Tür nicht mehr auf. Mit leichtem Groll im Herzen verbringen wir einen Sommersonnen-Nachmittag vor dem Troll am Kanal, einen Gewitterschauer ohne Gewitter am Abend und eine recht warme Nacht im Troll. Am nächsten Morgen wollen wir weiterziehen.

Hier fließt die Lahn in den Rhein
Hier fließt die Lahn in den Rhein

Lahnstein

In der Nacht machen die Regenschauer weiter. Mit Unterbrechungen. Am Morgen fallen dann nur Tröpfchen. Mal ein paar mehr, mal ein paar weniger. Das Thermometer ist um zehn Grad gefallen. Das ist richtig angenehm. Ich mache unseren Troll reisefertig, stecke die zehn Euro Standgebühr in einen Umschlag und deponiere sie im dafür vorgesehenen Briefkasten. Weder am Abend zuvor noch am Morgen kam ein Platzwart zum Kassieren. Es geht ja auch so. Nur wenige Kilometer von Bad Ems entfernt ist die Doppelstadt Lahnstein zu beiden Seiten des Flusses. Hier mündet die Lahn in den Rhein, trifft der Westerwald auf den Taunus und das Obere Mittelrheintal. Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch, lese ich in der „Ferienzeitung lahn/taunus“. Geprägt von schroffen Felsen, steilen Weinbergen, wehrhaften Burgen und romantischen Schlössern, die in sagenhaften Geschichten und Legenden verewigt wurden. Und hier finden sich noch heute Spuren aus römischer Zeit. Anfang des ersten Jahrtausends bauten hier die Eroberer aus dem fernen Italien eine Befestigung, die an den Limes anschloss. Die Geschichte der Stadt Lahnstein reicht bis in die Anfänge der Besiedlung des Rheintales zurück. Die Römer erbauten rechts des Rheins in den Jahren 81-96 eine Sicherungslinie, den Limes. An der Lahnmündung wurde im 3. Jahrhundert zum Schutz der Rheinlinie ein Burgus erbaut, welcher der Stadt auch ihren Namen gab.

Durch die Verleihung der Stadtrechte erhielt Lahnstein 1324 neben Gericht und Marktrecht auch die Grundlage zum Bau einer Stadtbefestigung. Die mit 16 Türmen verstärkte Stadtmauer bildete ein ungefähres Rechteck mit einer Gesamtlänge von etwa 1280 Metern. Vor der acht Meter hohen Stadtmauer mit überdachtem Wehrgang und vorgelagertem Stadtgraben befand sich der Zwinger mit niedriger Vormauer. Durch sechs Tortürme, Zugbrücken und Vortore gelangte man in die Stadt.  Heute sind noch sechs Türme und ca. 350 Meter Mauer erhalten.