Das Nabu-Zentrum
Das Nabu-Zentrum

Zwischen April und August zählt Rühstädt rund 15.000 Besucher, die das Spektakel miterleben wollen. Ende August ist dann alles vorbei. Die Störche reisen gen Süden. In die Wärme Afrikas am Kap der Guten Hoffnung. Zuvor jedoch, im Juli, gibt’s immer das Storchenfest. Wahrzeichen des Ortes wurde der Wasserturm im Schlosspark. Auf ihm brüten seit 1952 Störche. Wissenswertes über den Weißstorch gibt’s im Besucherzentrum des NABU, in Sichtweite des Stellplatzes. Mit Live-Schau ins Nest auf dem Backsteinbau. Doch Rühstädt hat mehr zu bieten als die Störche. Zum Beispiel das spätbarocke Schloss derer von Jagow mit schöner Parkanlage und 300 Jahre altem Obelisken. Heute als Wellnesshotel genutzt. Oder die Kirche aus dem 15. Jahrhundert mit spätgotischem Schnitzaltar und einer restaurierten Wagner-Orgel.

Nachdem wir unsere Runde durch den Ort und das NABU-Zentrum beendet haben, starten wir wieder durch. Richtung Havelberg.

Hafen in Havelberg
Hafen in Havelberg

Havelberg

„Insel- und Domstadt im Grünen“ nennt sich die kleine Stadt am Zusammenfluss von Havel und Elbe. 948 wurde das Bistum Havelberg erstmalig urkundlich erwähnt. Es war die Zeit der deutschen Ostexpansion. Durch den Slawenaufstand 983 wurden die Deutschen jedoch wieder vertrieben. Erst im 12. Jahrhundert eroberten sie den Bischofssitz zurück. In dieser Zeit wurde auch der Dom mit dem dazugehörigen Kloster erbaut.

Wir machen nur eine Stippvisite am Hafen. Meine Ingrid besorgt Einkäufe, ich warte im Troll. Genau gegenüber liegt die Campinginsel. Dort, vor dem Tor des Platzes ist Gelegenheit zu übernachten. Weil die Stadt jedoch außer dem Dom mit seinem Museum und der St.-Annen-Kapelle wenig zu bieten hat, wollen wir weiter. Von der Kurfürstlichen Schiffswerft, in der um 1690 seegängige Schiffe gebaut wurden gibt’s dort etwas zu sehen. Und vom Treffen des russischen Zaren Peter I. mit dem „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. Preußen schenkte damals dem Zaren das Bernsteinzimmer und erhielt dafür die „Langen Kerls“. Wir halten uns nicht lange auf. Geben nach kurzer Zeit wieder unserem Troll die Sporen und rollen gen Südosten, nach Wusterhausen.

Überall in der Elbtalaue Störche
Überall in der Elbtalaue Störche

Wusterhausen

Wusterhausen gehört zu den ältesten Teilen des Ruppiner Landes. Als Wahrzeichen von Wusterhausen überragt die gotische Stadtkirche St. Peter und Paul das Stadtbild. Das bereits 1250 erwähnte Gotteshaus ist ein dreischiffiger, gotischer Hallenbau und beherbergt neben wertvollen Schätzen auch eine seltene Wagnerorgel. Der historische Stadtkern mit Resten der alten Stadtmauer und zahlreichen, aufwändig sanierten Fachwerkhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert zeugen von einer langen und wechselvollen Geschichte.

Wir erreichen den Stellplatz vor der Dossehalle in stadtnaher und trotzdem ruhiger Lage kurz nach Mittag. Ein Berliner Ehepaar steht bereits auf dem Betonpflaster. Drei Mobile sollen hier Platz finden. Und wenn nebenan einer auf dem Rasen übernachtet, wird auch nicht gemeckert, höre ich. Nach dem Info im Stellplatzführer soll ich drei Euronen zahlen. Das ist überholt. Inzwischen ist die Übernachtung zum Nulltarif zu haben. Ein Lob an die Stadtverwaltung. Strom kostet ein Euro für acht Stunden und Wasser ein Euro für 40 Liter. Für diesen hohen Preis gibt’s „Tassenfüllungen“ Frischwasser aber gebührenfrei. Rundherum ist Grün. Grüner Rasen, grüne Gärten, grüne Spielplatzflächen und grüne Bäume. Einer steht hinter uns, genau im Süden. Fernsehen ist daher nicht möglich, auch wenn uns dabei das Fußballspiel Deutschland-USA durch die Latten geht. Dafür gibt’s immerhin den ganzen Tag Sommersonnenschein und sommerliche Temperaturen. Am Abend gesellt sich noch ein Schwede dazu. Damit ist der Stellplatz voll ausgelastet.

Der Stellplatz
Der Stellplatz

Nach Mittagessen und -pause geht’s ins Zentrum. Vor langer Zeit durch eine Stadtmauer, durch die Dosse und ihre verschiedenen Arme geschützt und nur durch drei Tore zugänglich. Heute ist die Mauer nur noch in wenigen Resten vorhanden, die meisten Gräben zugeschüttet. Wohlhabend wird die Stadt im späten Mittelalter durch den Salzhandel. Erst das kurfürstliche Verbot der Salzeinfuhr 1560 beendet diese Blütezeit. Im Dreißigjährigen Krieg wird die halbe Stadt in Schutt und Asche gelegt. Ende des 18. Jahrhundert heißt Wusterhausen im Volksmund „Schusterhausen“. Der Grund: 55 Schuhmacher gibt’s in der Stadt. Aufschwung erhalten auch Leineweber und Tuchmacher, als Militär in die Stadt verlegt wird. Zumindest bis 1875. Mit dem Abzug der Regimenter ist es mit dem Boom vorbei. Wusterhausen wird ab 1900 Sommerfrische der Berliner.

Wir erleben das Feriendomizil der Bürger aus der Hauptstadt eher ruhig. Leben und Treiben einer ländlichen Kleinstadt. Ohne Hast und Hektik und ohne Druck des Terminkalenders. Schauen uns in aller Ruhe die große Stadtkirche an. Gönnen uns im Sonnenschein am Marktplatz einen Pott Kaffee und wundern uns, dass lediglich zwei Bäckereien ein paar Tische und Stühle vor ihren Geschäften aufgestellt haben. Ansonsten Fehlanzeige. Holen uns vom „Netto“ Lebensmittel für die nächsten Tage und kehren „schwer beladen“ am späten Nachmittag zum Troll zurück. Der Tag klingt im hellen Sonnenschein vor unserem Ferienmobil aus. Heute Abend für mich mit einem Glas Roten, für meine Ingrid mit Tee. Mit grünem Tee, der nicht aus Ostfriesland, sondern aus Berlin kommt. Morgen soll es nach Norden, nach Kyritz gehen.