Der Stellplatz
Der Stellplatz

Kyritz

Als Kyritz an der Knatter ist die Kleinstadt bekannt. Jedoch fließt nicht die Knatter durch die alte Hansestadt, sondern die Jäglitz. Der liebevoll-spöttische Beiname stammt nach einer Legende von Reisenden, die einst auf dem Postweg Berlin-Hamburg hier Station machten und sich vom Rattern und Knattern hölzerner Mühlenräder gestört fühlten. Bekannt wurde die Stadt im Mittelalter als Lieferant des Bieres „Mord und Totschlag“. Das gibt’s noch heute. Geprägt wird das Stadtbild von der Doppelturmfront der St.-Marien-Kirche und dem Turm des Rathauses. Direkt vor der kleinen Heimatstube am Marktplatz erzählt der Bassewitzbrunnen die Sage von den mutigen Kyritzer Marktfrauen, die vor 600 Jahren den Raubritter Bassewitz mit heißem Hirsebrei übergossen und damit besiegten. Sein Schwert, mit dem er anschließend hingerichtet wurde, und eine alte Kölner Bibel werden im kastellartigen Rathaus aufbewahrt.

Unser Troll bringt uns in flotter Fahrt am Freitagmorgen mit einem kleinen Umweg zum Parkplatz in Sichtweite von Kirch- und Rathausturm. Die direkte Zufahrt ist eine Vollsperrung. Eine Brücke über die Jäglitz wird totalsaniert. Das Flüsschen befindet sich rund 25 Meter hinter dem Platz. Als wir ankommen, stehen dort bereits drei Mobile. Wir suchen uns eine Fläche, von dem auch die Glotze Signale von Astra erhält. Und weil zwischen den Stellplätzen im Pkw-Format und der Jäglitz eine Grünfläche mit viel Rasen und Bäumen ist, haben wir mit unserer Länge kein Problem. Der massive Fahrradträger samt Wagenheck ragt hinten gute zwei Meter in die Wiese, vorn haben wir eine freie Trasse für den Parksuchverkehr.

Hier wird geflaggt
Hier wird geflaggt

Ohne die sonst übliche Teepause geht’s ab in die Stadt. Ein Fußweg von vielleicht drei Minuten, dann haben wir das Tor in der Stadtmauer durchquert. Stehen schon beinahe auf dem Marktplatz. Dort herrscht buntes Treiben. Es ist Wochenmarkt. Wir drehen ein Runde, genehmigen uns an der Feldküche eine Bockwurst und marschieren weiter in (angenommene) Richtung Einkaufsmeile. Gaststätten und Bäckereien haben Tische und Stühle draußen. An Kundschaft mangelt es nicht. Rentner“gangs“ – so wie wir – sitzen bei Kaffee, Kuchen und Bier zusammen und machen „große Politik“.  Dann entdeckt meine Ingrid „Ernstings family“ . . . und muss hinein. Heraus kommt sie um einem weiß-blau-gesprenkelten Pulli reicher. Ich komme schadlos davon und muss ihn nicht bezahlen. Anschließend geht’s nach einer weiteren Runde zurück zum Troll. Unser Wetterfrosch hat inzwischen die höchste Stufe seiner Leiter erklommen und verkriecht sich unter einem Eisschirmchen vor der Sommersonne. Wir machen erst Mittag mit Schaschlik, Fenchel und Kartoffeln, dann Siesta im gemütlich warmen Troll.

Am Marktplatz
Am Marktplatz

Sollen wir am Nachmittag noch einmal die Stadt stürmen? Oder besser nicht? Meine Ingrid entscheidet: Wir stürmen. Also machen wir uns am frühen Nachmittag noch einmal auf den Weg. Umkreisen den Marktplatz und leisten uns ein (recht leckeres) Eis. Mit dem Mal- und Schreibturm von Monster High samt Mini-Mandala-Designer für unsere Enkelin geht’s zurück zum Troll. Dann kommt, was immer Nachmittags kommt: die Tasse Tee. Morgen, Sonnabend, soll’s nach Wittstock gehen. Dort gibt’s keinen Stellplatz. Ich muss mir also einen Parkplatz suchen, auf dem ich unsere rollende Ferienwohnung für ein paar Stunden abstellen kann.

Das Rathaus
Das Rathaus

Wittstock

Wittstock gehört zu den 31 Städten im Land Brandenburg die über einen historischen Stadtkern verfügen. Seit Jahrhunderten Grenzort zum benachbarten Mecklenburg. Umgeben von der einzigen vollständig erhaltenen Backsteinmauer Deutschlands, ganze 2,5 Kilometer lang. Die Stadt galt als uneinnehmbar. Gewässer und drei geflutete Gräben, dazu die neun bis elf Meter hohe Mauer waren ihr Schutz. Die ist heute auf vier bis sieben Meter gestutzt und mit einem Wanderweg rund um die Altstadt versehen. Früher war sie durch drei Tore und ein Nottor unterbrochen. Eines ist erhalten geblieben: das Gröpertor. Zwar wurde 1840 der Abriss beschlossen, doch es blieb durch Zufall erhalten und bekam sogar ein neues Dach. Zu einem der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt gehört die frühere Bischofsburg - heute die „Museen Alte Bischofsburg“. Ein unbedingtes Muss bei einer Besichtigung.