Bei unserem Rundgang durch die Straßen, kommen wir natürlich auch dorthin. Sehen nach der Durchquerung des Torbogens den 32 Meter hohen Turm und aufs Bürgermeisterhaus. Und wie so oft, Eintritt ins Museum geht nicht, unser Hund müsste draußen bleiben. Ich halte im Weitergehen vor dem Eingang zur Burg auch das Telschowsche Haus mit der Kamera fest. Seine Geschichte lässt sich bis 1566 zurückverfolgen. Ab 1681 gab’s hier eine Poststation. In 23¾ Stunden erreichte der Reisende mit zwei oder vier PS Berlin.

Uns fallen in der Altstadt immer wieder Kletterrosen an den Hauswänden, Rosenstöcke vor den Türen, Rosenbeete und –rabatten auf. Der Freundeskreis „Verein deutscher Rosenfreunde“ hat diese Pflanzaktion 1879 initiiert. Initiator war Friedrich Schneider II. Im zu Ehren gibt’s seit 1995 Ausstellungen und eine Rosenkönigin. Einmal im Jahr findet der „Sagenhafte Abendspaziergang“ in historischen Kostümen durch die Altstadt statt. Dann sind wir leider nicht mehr da. Alle fünf Jahre das Historienspektakel „Die Schweden kommen“.

Im  vergangenen Jahr wurde der Marktplatz neu gestaltet. Imposantes Gebäude am Rand: das Rathaus. Mit Gerichtslaube und Kellergewölbe aus dem 15. Jahrhundert und Terrakotten von 1533 als Gestaltungselemente am Gebäude. 1954 hat’s innen gebrannt. Dabei wurde etliches Inventar ein Raub der Flammen. Damals soll ein unachtsamer Apotheker in der Adlerapotheke den Brand ausgelöst haben. Er hatte heimlich Branntwein gezapft. Dreiviertel der Häuser in der Altstadt legte er damit in Schutt und Asche.

Während die Heilig-Geist-Kirche „verriegelt und verrammelt“ ist, kann ich in der St.-Marien-Kirche Fotos machen. Der dreischiffige, gotische Sakralbau aus Backstein aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, hat eine wertvolle Innenausstattung mit Kanzel, Taufbecken und Doppelaltar. Den Aufstieg auf den Turm mit 203 Stufen verkneife ich mir allerdings. Das ist mir zu schweißtreibend.

Der morgendliche graue Himmel ist inzwischen einem Firmament mit weißen Wölkchen gewichen. Es ist im Troll mollig warm. Wir stehen inzwischen allein auf dem Walter-Schulz-Platz. Das zweite Mobil setzte kurz nach Mittag seine Reise fort. Langsam wird der Tag zum Abend und der Abend zur Nacht. Wir werden uns morgen Richtung Freyenstein in Bewegung setzen. Dort gibt es Burg und Schloss, einen archäologischen Park und am Stellplatz Hirschhof Hildebrandt Wildgehege, Gastronomie und einen Kneipp-Gesundheitshof.

Reste des alten Schlosses
Reste des alten Schlosses

Freyenstein

Noch bevor wir in die Koje klettern, hat es zu regnen angefangen. Ziemlich heftig. Mal wird’s ein bisschen weniger, mal ein bisschen mehr. So geht’s die ganze Nacht durch. Bis zum Morgen. Erst dann werden die dunklen Wolken heller. Es nieselt nur noch. „Das wird heute ein Regentag.“ Meine bessere Hälfte nickt. Auf der Fahrt nach Freyenstein haben die Scheibenwischer keine Pause. Es ist nur eine kurze Strecke von knapp zwanzig Kilometern. Schon nach den ersten hundert Metern im Ort verfranzen wir uns. Uns Navi lässt uns links abbiegen. Dann stehen wir auf Kopfsteinpflaster vor einer Garagenreihe rechts und einem Teich links. Ich steige aus und spiele Pfadfinder. Dort – wo wir nach Navi weiterfahren sollen – gibt’s eine schmale Kopfsteinpflasterstraße, eine enge Kurve, anschließend eine Straße, die wie die Zufahrt zu irgendeinem Hinterhof aussieht. Kaum Platz für einen Pkw. Da kommen wir nur unter größten Schwierigkeiten durch. Also wenden und zurück. Ich will versuchen, „von hinten herum“ den Platz anzufahren. Und siehe da, ein paar hundert Meter weiter weiß unser Navi einen anderen Weg. Der ist sogar gut befahrbar. Bei der angegebenen Adresse stehen wir vor einer engen und verschlossenen Toreinfahrt. Doch wir sind richtig. Wenig später parken wir hinter einem Gebäude auf einem befestigten Platz. Direkt neben einer Gaststätte. Strom gibt’s auch. Dazu einen freundlichen und auskunftfreudigen Betreiber.

Die Kirche hat keinen Geistlichen mehr
Die Kirche hat keinen Geistlichen mehr

Wir gönnen uns bei Hildebrandts einen Mufflonbraten und verbrennen die Kalorien beim anschließenden Erkunden des Ortes. Freyenstein, nördlich von Wittstock, hat zwei befestigte Anlagen. Die Reste einer Renaissanceburg von 1556 mit terrakottageschmücktem Westflügel (das alte Schloss) und das „Neue Schloss“. Von der ehemaligen Wasserburg von 1332 steht nichts mehr. Auf ihren Grundmauern baute 1556 Konrad von Rohr das dreiflügelige „alte Schloss“. Der mit Terrakotten verzierte Schmuckgiebel des erhalten gebliebenen Teils – Treppenturm und Westflügel - zeigt die einstige Pracht. Das „neue Schloss“ – nach 1620 errichtet – bezieht das südliche Wittstocker Tor als eines von zwei Stadttoren mit ein. Wir schlendern durch den Park und wandern zur Marienkirche weiter. Ein mächtiger Feldsteinbau von 1325, der so alt ist wie die Stadt. Leider verschlossen. Der Ort hat keinen Pfarrer mehr, der sich „kümmert“, erfahre ich im Gespräch. Einige Bürger haben es geschafft, den Geistlichen zum Abwandern zu bringen.