Wir aber wandern nicht ab, sondern weiter zum Archäologischen Park. Dort wird das Freyenstein des 13. Jahrhunderts ausgegraben. Stückchen für Stückchen. Jedes Jahr ein bisschen mehr. Entdecken Gebäudereste aus dem Mittelalter, Fundstücke wie Töpferwaren, Waffen und Werkzeuge. Das erste Freyenstein wurde 1287 aufgegeben und an der heutigen Stelle neu gegründet. Nun soll die archäologische Geschichte auf einem Freigelände wieder erlebbar werden. Wir sehen Grundrisse von Häusern, Straßenachsen und Hausplätzen. Sogar Spuren einer bisher unbekannten Burg. Dann geht’s zum Troll zurück. Morgen werden wir ihn nach Putlitz lenken.

In der Innenstadt
In der Innenstadt

Putlitz

Die Sonne lacht uns ins Gesicht, als wir aufwachen. Ich entsorge nach dem Frühstück unsere Kassette und begleiche unsere Rechnung. Anschließend muss das Gaspedal das tun, wofür es da ist: Gas geben. Putlitz ist nicht weit weg. Wir lassen es ruhig angehen und sind eine knappe Stunde später vor Ort. Am „Jungfernstieg“ liegt der Platz. Er machte auf dem Foto im Flyer einen „Hinterhofeindruck“, sieht aber in der Realität wirklich gut aus. Neben einem öffentlichen Parkplatz, einer großen Grünfläche und mitten in der Stadt. Das Rathaus ist montags geschlossen. Damit gibt’s leider keinen Schlüssel für den Elektrokasten, keinen Schlüssel für die WC-Anlage und auch keine Tourist-Informationen. Was mir hier wieder auffällt, sind die vielen verlassenen und langsam verfallenden Häuser. Ähnlich wie in ehemaligen Goldgräberstädten in den USA.

Das Rathaus
Das Rathaus

Wir beginnen den Rundgang mit dem bei uns üblichen Procedere: Erst eine Tasse Tee und dann los. Nach ein paar Schritten sind wir am Marktplatz, wandern weiter durch ein einige Straßen, dann zur mächtigen Kirche aus Feld- und Backstein (leider verschlossen und ohne Hinweis auf die Konfession) und hinüber zur Burgruine, die nur wenige Meter vom Stellplatz entfernt ist. Mit einem Rest der ehemaligen Mauer und einem bestens erhaltenem Burgfried (leider auch verschlossen). Dann geht’s zurück zum Troll. Erst als wir unseren Mittagstisch beendet haben, die Stühle draußen stehen, bezieht sich der Himmel. Es naht eine Regenfront, wechselt sich mit der Sonne ab, bis sich der Himmel wieder verdunkelt und der nächste Schauer niedergeht. Unsere Markise hält den nassen Segen von oben ab. Unser Blick geht durch die enge Gasse, durch die wir gekommen sind geradeaus auf die Löwen-Apotheke. Die Eingangstür liegt am oberen Ende einer kleinen Treppe. Zwangsläufig sehen wir den Besucherverkehr. „Das kann hier keine gesunde Gegend sein“, geht’s mit durch den Kopf. Tür auf, Tür zu, Tür auf, Tür zu. Den ganzen Nachmittag bis zum Ladenschluss. Dieser Kundenandrang hätte jedem Supermarkt Freude gemacht. Wir sind uns einig: Morgen werden wir weiterziehen. Richtung Pritzwalk.

Stellplatz vom Feinsten
Stellplatz vom Feinsten

Pritzwalk

Bei Sonnenschein geht’s los. Eben über zwanzig Kilometer. Ein Klacks für unseren Troll. Sechs ausgewiesene Plätze an einem öffentlichen Parkplatz erwarten uns. Im Rondell angelegt, aus rotem Betonpflaster und komplett leer. Zehn Euro für die Übernachtung, ein Euro für zehn Minuten Wasser (Kaffeetassenfüllungen kostenlos), Entsorgen frei und Strom für 1 Euro acht Stunden lang. Unsere Bordbatterien sind voll. Daher kein Strom. Erst heute Abend wird mit 230-Volt-Anschluss Fernsehen geguckt.

Der Gang in die Stadt zeigt uns auch hier viele leere Schaufenster. Dazwischen immer wieder mal ein leeres Wohnhaus. Nicht ganz so viele wie in Tutlitz, aber auch hier sind die Leerstände nicht zu übersehen. Besichtigung der Nikolaikirche leider unmöglich, weil abgeschlossen. Ich rüttle an der Kirchentür, doch vergebens, sie öffnet sich nicht. Statt dessen ein Aushang mit der Bitte um Spenden (siehe Foto). Wir drehen eine Runde in der hübschen Fußgängerzone. Großzügig angelegt, mit Bäumen und Rosen beidseitig der Fahrbahn. Mittendrin das spätklassizistische Rathaus. Ich kurbele das Geschäft des Bäckers mit dem Kauf von zehn Brötchen an und wir machen uns in den Mittagsstunden auf den Rückweg zum Troll. Ein Rest der Stadtmauer aus Feldsteinen steht nur wenige Meter vom Stellplatz entfernt. Früher gab’s drei Tore, die Besucher und Händler einließen. 1737 bis 1739 wurden Mauer und Tore dem Erdboden gleich gemacht. Doch noch heute lässt sich der Verlauf am Grüngürtel der Stadt nachvollziehen.