Nach Jahren des Aufschwungs und der Entwicklung begann Mitte des 16. Jahrhunderts Pritzwalks Niedergang. Grund war der Zerfall der Hanse und damit der Verlust wirtschaftlicher Beziehungen. Pestjahre und der Dreißigjährige Krieg ruinierten die Stadt vollends. Pritzwalk brauchte mehr als 100 Jahre, um sich von diesen Zeiten zu erholen und erfuhr vor allem durch die Tuchindustrie zur Zeit der Preußenkönige im 18. Jahrhundert spürbaren Aufschwung.

Der Siebenjährige Krieg, die Besatzungszeit Napoleons in Brandenburg/Preußen und der Stadtbrand von 1821 brachen die begonnene wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung wieder ab. Aus dieser Zeit vor 1821 ist daher in Pritzwalk wenig zu sehen: Lediglich das Schiff der Nikolaikirche, die Reste der Stadtmauer mit einem Wehrturm und der Verlauf alter Straßenzüge lassen das Aussehen der einstigen mittelalterlichen Stadt erahnen. Das Rathaus (nach 1821) und die Nikolaikirche (Turm erst 1882 fertiggestellt) gehören mit zu den ältesten historischen Bauwerken.

Was dem Oldenburger der Grünkohl, dem Bremer der Braunkohl, das ist dem Pritzwalker der Knieperkohl oder Sur’n Hansen. Das „Nationalgericht“, das vor allem von November bis März in der  Region serviert wird. Das deftige Essen besteht anders als Braun- oder Grünkohl aus verschiedenen Kohlsorten. Der Knieper hat übrigens seinen Namen vom Bauchkneifen. Doch Bauchschmerzen bekommt nur der, der zuviel in sich hineinschlingt.

Das Rezept für den Knieper: 4 Teile Weißkohl, 2 Teile Stangenkohl, 1 Teil Grünkohl werden geschnitten, gebrüht, mit Salz fest eingestampft und im Keller kühl aufbewahrt. Im Winter werden große Portionen mit fettem Schweinefleisch gekocht, anschließend mit ausgebratenem Speckfett einschließlich der Grieben übergossen und in den Ofen geschoben. Hier brutzelt der Knieper durch und durch bis zum Verzehr mit Pellkartoffeln oder Hafergrütze. Dazu ein Stück Kassler und ein paar Mettenden. Je öfter der Knieper aufgewärmt wird, desto kräftiger und besser schmeckt er.

Der Perleberger Roland
Der Perleberger Roland

Perleberg

Am nächsten Vormittag geht’s nach Perleberg. Perleberg, das sind sanierte Fachwerkhäuser, krumme Straßen, bunt gepflasterte Plätze, Kirchen, historische öffentliche Gebäude und Bürgerhäuser auf engstem Raum. Perleberg hat eine bewegte Geschichte und einen sehenswerten historischen Stadtkern. Dazu eine Innenstadt, die eine Insel ist, von zwei Armen der Stepenitz umschlossen. Wie die Hansestadt Bremen oder auch Bederkesa/Niedersachsen hat Perleberg einen Roland aus dem 16. Jahrhundert als Sinnbild für besondere städtische Rechte. Wie in Bremen steht er in Sichtweite des Rathauses und der Kirche. Genau 4,26 Meter groß, auf einem stark verwitterten Sockel mit Abbildungen aus der Herkulessage. Sein Schwert büßte er mehrfach ein. 1871 sogar seine Nase. Der Ulan Feldmann hatte sie voll des süßen Weines amputiert. Das brachte ihm anschließend sieben Tage Mittelarrest bei Wasser und Brot und den Ersatz des Schadens ein.  Und in diesem Jahr ist es genau 775 Jahre her, dass Perleberg Stadtrechte erhielt. Aus diesem Grund gab’s vom 26. bis zum 29. Juni ein großes Geburtstagsfest mit vollem Rahmenprogramm. Den Trubel müssen wir allerdings nicht mitmachen. Wir sind erst drei Tage nach dem großen Fest in der Stadt. Letzte Glassplitter im Pflaster des Marktplatzes und den angrenzenden Straßen sind Zeugen, dass es recht lustig hergegangen sein muss.

Blick in den Brunnenschacht
Blick in den Brunnenschacht

Beim zweiten Anlauf finden wir den großen Parkplatz. Die Einfahrt ist leicht zu übersehen. Doch fragen hilft. Uns hilft ein netter Bürger der Stadt. „Sie müssen zurück. Bis ans Ende der Mauer. Dann rechts. Und dann sind Sie da.“ Zwei Mobile dürfen sich hier ausruhen. Am Ende des Parkstreifens ruht sich ein Wohnanhänger aus. Offensichtlich schon länger. Mit PR-Kennzeichen. Also von hier. Wir stellen uns daneben. Null Euro Gebühr, aber auch kein Service. Machen noch vor Mittag die erste Runde durch die Stadt. Am Nachmittag die zweite. Weil – wieder einmal – genau im Süden ein großer Baum seine Äste gen Himmel reckt, wird’s nichts mit Fernsehen. Doch dem kann hier abgeholfen werden. Ich stelle beim zweiten „Heimkommen“ den Wagen um. Auf die andere Seite der Parkstraße. Da die Flächen nicht ausdrücklich für Pkw reserviert sind, ist das kein Problem. Und schon haben wir Bild und Ton. Wettermäßig haben wir heute auch alles, was der Himmel in dieser Jahreszeit hergibt. Jede Menge Sonne, dazwischen ein paar Schauer, eine Temperatur eben über zwanzig Grad und eine frische Brise.