Warum in die Ferne schweifen?

In Hitzacker an der Elbe finden Wohnmobile allen Service vor

Warum in ferne Welten segeln, wenn nur 178 Kilometer vor der eigenen Haustür die Elbtalauen liegen. Die Biosphärenregion, eine der schönsten und wahrscheinlich auch letzten Flusslandschaften in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa. Mit einer Vielfalt an Natur, mit der Elbe und ihren Altarmen, mit Teichen und Seen und sehenswerten Städten, Städtchen und Dörfern. Für uns bietet sich an, auf der Rückfahrt von einer Reise einen Abstecher in genau diese Landschaft zu machen. Nach Hitzacker, um genau zu sein. Der kleinen, ehemaligen Grenzstadt im geteilten Deutschland, die immer wieder mal von Elbhochwasser heimgesucht wurde. Abhilfe schuf erst die neue Mauer gegen die Fluten, die sich bereits bewährt hat.

Hier gibt's Fahrradvasen
Hier gibt's Fahrradvasen

Das Flüsschen Jeetzel macht Hitzacker zur Insel. Umschlingt förmlich die kleinen Gassen und schmucken Fachwerkhäuser. Schlecht für uns: In der Touristinformation im Rathaus gibt’s wenig über die Geschichte des Ortes. Dafür ausführlich Werbung für den neuesten Hit als Kneipp-Kurort. Gut für uns: Der Stellplatz vor den Toren der Stadt ist (noch) kostenfrei. Ist völlig neu gestaltet, neu gepflastert, neu bepflanzt. Der Service mit Ver- und Entsorgung ist geblieben. Stromanschlüsse sind vorhanden, wenn sie auch in der Hochsaison (und die ist nun mal im Sommer) bei weitem nicht ausreichen. Auch das Wort „Kurtaxe“ ist noch ein Fremdwort. Als wir gegen Mittag ankommen, sagen uns um die zwanzig Mobile „Hallo“. Das werden in den Abendstunden sogar noch erheblich mehr.

Vorm Yachthafen
Vorm Yachthafen

Auch gut für uns: An jeder Ecke, an jeder Hauswand kann man Geschichte erleben. Dort sind kleine Infos angebracht. Über die Bauten und ihre Bewohner. In Text und Bild. Wem das nicht reicht, der marschiert zum archäologischem Zentrum. Das 1990 gegründete Freilichtmuseum der Bronzezeit zeigt in seinen Ausgrabungen, dass die Besiedlung schon vor über 4000 Jahren einsetzte. Auf dem die Stadt überragendem Weinberg können wir nicht ganz soweit in der Geschichte zurückblicken. Spuren einer ehemaligen Befestigung lassen sich nur noch erahnen. Hier stand wohl die älteste Burg in der Elbtalaue. Die erste Bauphase datiert auf das 7. Jahrhundert. Sieben Bauphasen wurden bei einer Grabung freigelegt. Sie werden im Alten Zollhaus dokumentiert. 1296 vertrieb man den Raubritter Riebe. Als Pfandschloss und sichere Einnahmequelle der Lüneburger diente sie noch einige Jahre bis sie Mitte des 15. Jahrhunderts nicht mehr bewohnt wurde und verfiel. Nach Norden blicken wir in die Elbtalaue.

Der Marktplatz
Der Marktplatz

Der Südhang gab dem Berg seinen Namen. Heute reift hier der „Hidesacker Weinbergströpfchen“. Für die Winzer an Rhein und Mosel ist er allerdings keine Konkurrenz. Er ist wohl einer der nördlichsten Weinberge Deutschlands und wahrscheinlich auch der kleinste. Jährlich werden nur rund 120 Liter Traubensaft gekeltert. 1713 vernichtete ein Hagelsturm alle Reben. Erst rund 260 Jahre später wurde wieder Wein in Hitzacker angebaut. 1980 wurden zehn neue Reben gepflanzt und drei Jahre später fand die erste Weinlese seit 1713 statt. Auf dem Weinberg wachsen heute 99 Rebstöcke. Winzers Höhepunkt im Jahresablauf: Im Oktober wird in Hitzacker die Weinlese mit der Weinkönigin gefeiert.

Gemütliche Altstadt
Gemütliche Altstadt

Wir bummeln – nicht zum ersten Male – durch die engen Straßen und Gassen. Wundern uns nicht mehr, dass es in der Innenstadt recht lebendig zugeht. Das kennen wir aus vergangenen Jahren. Und unsere Stippvisiten waren nicht immer im Juli. Auch heute „tanzt der Bär“, sind die Plätze vor den Lokalen besetzt. Was erheblich stört, sind in den schmalen Straßen die vielen Autos. Zahlreich am Straßenrand abgestellt, überall dort, wo es nicht ausdrücklich verboten ist. Dazwischen fließt flott der Verkehr. Und die Fußwege sind teilweise so schmal, dass keine zwei Fußgänger nebeneinander gehen können. Da hilft dann immer nur ein beherzter Sprung zur Seite, um nicht von einer Blechkarosse umgenietet zu werden. Das Tagesgestirn sendet mit aller Macht seine Strahlen zur Erde. Da werden nicht nur die Herzen warm. Uns hilft ein Eiskaffee über die Runden. Macht uns fit für den weiteren Rundgang.

Der große Butt
Der große Butt

Vor Jahren haben wir mit neuen Teetassen den Heimweg angetreten. Heute nehmen wir einen Silberdackel und ein echtes Finnmesser mit nach Hause. Wir passieren wie in den Jahren zuvor den Marktplatz, an dem eigentlich kein Weg vorbeiführt. Freuen uns über den „groden Butt“. Die Bronzeskulptur wurde 1986 eingeweiht. Hintergrund ist eine Sage nach der Heinrich von Braunschweig wegen immer wieder vorkommender Überschwemmungen holländische Deichbauer nach Hitzacker holte, um einen Deich um die Stadtinsel zu bauen. Zu dieser Zeit gab es Nixen und andere Wesen, die durch diesen Deich von der Stadtinsel vertrieben wurden. Dies machte den großen Butt wütend. Er zerstörte den Deich, überflutete das Land, ließ Menschen ertrinken und zerstörte Boote. Um ihn zu versöhnen, brachten ihm die Menschen Opfer.