Das Denkmal Claus von Amsberg
Das Denkmal Claus von Amsberg

Dann stehen wir vor dem Denkmal eines großen Sohnes der Stadt. Eigentlich ist das Denkmal eher eine Büste. Die von Prins Claus der Niederlande, Jonkherr von Amsberg. Er wurde am 6. September 1926 auf Gut Dötzingen ganz in der Nähe von Hitzacker geboren. Aus diesem Grund ist die Stadt an der Elbe ein Erlebnispunkt der Oranier-Route, die Städte und Regionen mit engen Beziehungen zum niederländischen Königshaus verbindet. „Kleine Stadt mit großem Charme“ nannte Prins Claus der Niederlande seinen Geburtsort.

Wir passieren das Alte Zollhaus. Seit 1986 ein Heimatmuseum mit modernem multimedialen Outfit. Das Gebäude wurde 1589 erbaut. Damals als Zollstätte für landwirtschaftliche Güter, die auf Segel- und Treidelschiffen nach Hamburg transportiert wurden. Von Hamburg aus wurde das Wendland und die Altmark mit Gütern wie Eisen, Blei, Gewürzen und Seefisch beliefert. Die Jeetzelstaker transportierten die Ware über die Jeetzel nach Dannenberg, Lüchow und Salzwedel. Ihre Staken waren langstielige Ruderblätter, mit denen sie sich im niedrigen Wasser abstoßen konnten. Im Alten Zollhaus gibt’s heute alles Wissenswertes über das Leben von und mit dem Wasser der Elbe, ihrer Auenlandschaft, über Wiesen und Felder, Wälder und hügelige Geest.

Nicht zu vergessen: An und durch Hitzacker verläuft der Elbefernradweg. Außerdem ist der Ort in der Route „Deutsche Fachwerkstraße“ aufgeführt. Unter dem Motto „Fachwerk verbindet“ haben sich seit 1990 hundert Fachwerkstädte zusammengeschlossen.

Hier wohnt ein Bäcker
Hier wohnt ein Bäcker

Wir erleben einen warmen Sommerabend und eine ebenso warme Sommernacht. Am nächsten Morgen gibt sich das Tagesgestirn schon in der Frühe alle Mühe, die gestrigen Temperaturen noch zu übertreffen. Bevor das Thermometer im Troll die „Gemütlichkeitsgrade’“ übersteigt, machen wir uns auf den Weg Richtung Heimat. Dabei fällt mir beim Verlassen des Platzes auf, dass es auch nur unter den Wohnmobilisten echte Umweltferkel gibt. Steht doch am Anfang des Platzes, unweit von Ver- und Entsorgungsstation, ein großer, blecherner Korb als Abfalleimer. Der ist nicht nur voll, er läuft über. Auch vor und neben ihm häuft sich der Dreck über einige Quadratmeter. Würde eine frische Brise wehen, würde sich der Unrat über den Platz verteilen. Zum Glück ist es windstill.  Verpackungsreste und Flaschen, eigentlich alles, was Zuhause im Mülleimer landet, „verschönt“ hier die Aussicht. Kein Wunder, wenn die Kommune dem einen Riegel mit saftigen Gebühren vorschiebt. Schließlich ist sie es, die – bis jetzt – diesen Abfall zum Nulltarif entsorgt.

Zur Geschichte finde ich auf der Internetseite der Samtgemeinde Elbtalaue Folgendes: „Hitzacker an der Elbe liegt im landschaftlich reizvollen Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue. Zu Hitzacker gehört auch die Göhrde, einer der schönsten zusammenhängenden Mischwälder Norddeutschlands. Ihre Existenz verdankt die Göhrde der Jagdfreudigkeit Lüneburger und Hannoverscher Landesfürsten. Bis auf wenige Ausnahmen war der Wald von 1456 bis 1900 für jeden Unbefugten gesperrt. Heute erstreckt sich die Göhrde als Misch-, Laub- und Nadelwald über 64 Quadratkilometer und ist ein beliebtes Wandergebiet.“

Das Mündungsgebiet der Jeetzel in die Elbe war schon in der Jungsteinzeit und Bronzezeit besiedelt. Diese Siedlungsspuren sind im Archäologischen Zentrum rekonstruiert. Bei Grabungen in den siebziger Jahren wurden Keramiken verschiedener Kulturgruppen gefunden. Die Stadt erhielt ihren Namen einer Sage nach von einem friesischen Ritter namens Hiddo (Hidesaker), der von Heinrich dem Löwen dieses Land geschenkt bekam. Erste Erwähnung um 1162. 1258 erhält die Ansiedlung Stadtrechte, die Kirche wird gebaut und auch der neue Hafen. 1446 legt Otto der Siegreiche die Burg in Trümmer. 1548 fällt der größte Teil der Häuser einem Brand zu Opfer. Aufwärts geht’s wieder mit dem Welfenherzog August d. Jüngeren. Der baut nicht nur ein Schloss, sondern gründet 1614 auch eine Bibliothek und drei Jahre später eine Lateinschule. Negativer Beigeschmack: Während er die Geschicke der Stadt in der Hand hat, findet ein Hexenprozess statt, der 70 Frauen das Leben kostet. Sie sterben auf dem Scheiterhaufen.

Auf dem Stell-/Parkplatz
Auf dem Stell-/Parkplatz

Wirtschaftlich abwärts geht’s mit dem Ort ab 1945. Durch die innerdeutsche Grenze fallen wichtige Handelspartner auf der anderen Elbseite weg. Das erste Jahrhunderthochwasser 2002 mit 7,51 Meter setzt Straßen und Häuser in der Stadt unter Wasser. 2006 wird’s noch schlimmer. Die Hochwassermarke liegt bei 7,63 Meter. Hilfe kommt von der Europäischen Union. Brüssel nimmt Geld in die Hand, finanziert 2008 eine  neue Hochwasserschutzanlage, die dem jüngsten Elbhochwasser im vergangenen Jahr gewachsen ist. Und weil der bisherige große Parkplatz vor der Stadt durch die Überflutung ein Bild der Verwüstung wurde, wurde auch hier geklotzt und nicht gekleckert. Schöner, besser, größer als zuvor können Besucher nun ihre Pkw und Mobilisten ihre Mobile parken. Im Gegenzug darf die Stadt für einige Jahre keine Gebühren für das Abstellen der Autos erheben. Dass sich dies nach Ablauf dieser Frist ändern wird, liegt auf der Hand, zumal die Kommune 2010 die staatliche Anerkennung zum Kneipp-Kurort erhielt.

Wir drei – unser Calle, meine Frau und ich – vermeiden auf der Heimfahrt die Autobahn. Nicht nur wegen der Vollsperrung am Maschener Kreuz. Wir haben ja alle Zeit der Welt, gönnen uns die Ausblicke auf Wiesen und Felder, auf Bäche und Wälder. Land- und Kreisstraßen verleiten mich nicht zum Geschwindigkeitsrekordebrechen. Wir zuckeln durch hübsche Dörfer, durchqueren ohne Eile Städte wie Lüneburg oder Rotenburg. Kurz nach Mittag laufen wir bei sommerblauem Himmel und eben unter 30 Grad im Schatten in unseren Heimathafen ein. Ob der Hitze nimmt unser vierbeiniger Calle sein Territorium mit entschleunigtem Tempo wieder in Besitz. Meine Ingrid und ich lassen es unterdessen mit dem Ausladen des Troll langsam angehen.