Die Helgoland-Schiffe fahren in den Sommermonaten, hier sind die Lady von Büsum und die Funny Girl auf der Strecke unterwegs. Der Yachthafen bietet etwa 100 Liegeplätze; 80 davon sind im Normalfall durch Mitglieder des Büsumer Seglervereins belegt, der auch die Verwaltung des Anlegeanlage vornimmt. In Büsum ist der Seenotrettungskreuzer Theodor Storm der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger stationiert. Der Büsumer Hafen ist Mitglied der Hafen-Kooperation Offshore-Häfen Nordsee SH.

Wegen der Bedeutung des Fremdenverkehrs für den Ort bemüht sich dieser, zahlreiche Museen und Ausstellungen zu betreiben. Neben dem künstlich aufgespülten Sandstrand hat Büsum auch ein neu gebautes Meerwasserwellenbad Piratenmeer, einen Museumshafen und das Museum am Meer, das sich vor allem dem Meer und seiner Nutzung durch den Menschen widmet. 2006 wurde am Hafen die Sturmflutenwelt „Blanker Hans“ gebaut. Diese erzählt die Geschichte der Sturmflut 1962 und kostete 7,5 Millionen Euro. Im Hafen sind das Schiff Schleswig-Holstein des deutschen Zolls sowie mehrere Tonnenleger des Wasser- und Schifffahrtsamt des Bundes in Tönning beheimatet. Auch die DGzRS hat hier einen Seenotrettungskreuzer stationiert. Von Dezember 1996 bis Januar 2011 war es die Hans Hackmack, die dann von der Theodor Storm abgelöst wurde.

Seit einigen Jahren ist ein Teil des Hafenbeckens 1 als Museumshafen Büsum ausgewiesen. Wichtigstes Ausstellungsstück ist das Motorrettungsboot Rickmer Bock, das von 1961 bis 1981 für die DGzRS in Büsum stationiert war. Seit Anfang 2008 findet sich dort auch der ehemalige Fischkutter Fahrewohl. Das 1912 in Wewelsfleth für den Büsumer Schiffer G.G. Johannsen gebaute Schiff ist der älteste noch fahrfähige Büsumer Krabbenkutter. Der Kutter befand sich von 1912 bis 1921 in Büsum, wo er 1915 den ersten Motor bekam. Dann kam er nach Kaiser-Wilhelm-Koog, wo er noch im selben Jahr bei schwerem Sturm auf den Deich lief, beim selben Sturm wurde fast die gesamte Flotte des Eigners zerstört. 1923 kam das Schiff nach Cuxhaven, 1929 wieder nach Dithmarschen mit dem Heimathafen Friedrichskoog, wo es bis 1976 Dienst als Fischkutter leistete. Danach gehörte es mehreren Eigentümern, darunter dem Direktor des Museums für Hamburgische Geschichte, bevor es der Museumshafenverein Büsum Ende 2007 erwarb.

In der Sturmflutenwelt „Blanker Hans“ in Büsum werden bis zum Jahresende 2015 Unterhaltung, Information und Geschichte auf eine besondere Weise miteinander verknüpft. In unmittelbarer Hafennähe befindet sich das beeindruckende Gebäude in Form einer Welle. Hier erwartet uns eine Mischung aus Schauspiel, Fahrattraktion und interaktiver Ausstellung. Bürgermeister Hans-Jürgen Lütje: Die Gemeindevertretung der Gemeinde Büsum hat in ihrer Sitzung vom 30. 6. 2015 beschlossen, die Sturmflutenwelt ,,Blanker Hans“ als kommunal betriebene Einrichtung zum 31. 12. 2015 zu schließen. Die jährlichen Verluste von rund 6,5 Millionen Euro waren für eine Gemeinde mit weniger als 5.000 Einwohnern  nicht mehr tragbar. Ein privater Investor wird gesucht.

Bei klarer Sicht ist die Ölplattform von der Promenade aus zu sehen.
Bei klarer Sicht ist die Ölplattform von der Promenade aus zu sehen.

Erdölförderung im Wattenmeer

Wenn ich über die Strandkörbe, über die Wattpedder hinwegsehe, dann kann ich in der Ferne (bei Dunst kaum zu erkennen) eine Bohrinsel sehen. Es ist die einzige im Wattenmeer und wohl eine der sichersten weltweit. Bisher hat sie unfallfrei gearbeitet. Sie ist technisch interessant aber nicht zu besichtigen. Bei einem Ölunfall wäre nicht nur eine der seltensten Lebensraumtypen der Erde betroffen, sondern im Herbst auch Tausende von Brandgänsen, die hier ihr Schwunggefieder erneuern. Die Vögel sind dann vier Wochen lang flugunfähig und sehr schutzbedürftig. Aus Naturschutzsicht ist Erdölförderung in einem Nationalpark nicht akzeptabel, doch diese Plattform förderte schon Öl vor Inkrafttreten des Nationalparks und genießt Bestandsschutz.

Die Small Five des Weltnaturerbes sind übrigens überall im Wattenmeer anzutreffen und kommen zahlreich vor. Der Wattwurm z. B. bewegt wie kein anderes Tier das Watt und hat mehr Leben als eine Katze. Die Herzmuschel macht sich unter den Fußsohlen bemerkbar und kehrt immer wieder gern in den Boden zurück. Die Strandkrabbe sieht gefährlich aus, lässt ihre alten Hemden herumliegen und verrät ihr Geschlecht. Die Wattschnecke ist millionenfach vorhanden und ganz besonders fix. Die Nordsee- oder Sandgarnele kennen die meisten nur als Krabbe in roter Farbe auf dem Teller. Lebend ist sie das Chamäleon des Wattenmeeres.

Der Stellplatz in Brösum lässt keine Wünsche offen.
Der Stellplatz in Brösum lässt keine Wünsche offen.

Drei Tage Büsum. Das muss reichen. Drei Tage Menschenmassen in der Fußgängerzone, drei Tage lang eitel Sonnenschein. Den ersten Tag ein bis auf die letzte Fläche ausgebuchter Stellplatz, zwei Tage lang noch ,,jede Menge" Plätze frei. Zu 90 Prozent Rentner, die mit ihrem mobilen Zuhause in Deutschland noch die letzte Herbstsonne genießen und dann im Süden - in Spanien zum Beispiel - überwintern. Wir brechen an der Dr.-Martin-Bahr-Straße zwar auch unsere Zelte ab, doch wir fahren nicht nach Spanien. Unser Ziel ist St. Peter-Ording. Der Stellplatz vor dem Campingplatz der Familie Sass im Ortsteil Brösum. Weit weg von der Küste, aber mit einem Chattlebus fast vor der Haustür. Da wir ohnehin die Gästekarte für fünf Euro pro Nase zahlen müssen, ist damit auch der Fahrpreis entrichtet. Allerdings nimmt uns der unfreundliche, ja mürrische Fahrer 1,10 Euro für unseren kleinen Calle ab, obwohl in der Preisliste für den Bus 1,05 Euro ausgedruckt sind. Jetzt frage ich mich die ganze Zeit: Sind die fünf Cent das Trinkgeld fürs kundenunfreundliche Verhalten? Ich werd's überleben. Genauso wie die Rückfahrt zur Haltestelle Brösum West. Dort sind wir eingestiegen. Der Bus düst dran vorbei. Kein Halt, weil die Haltestelle 50 Meter entfernt von der B 202 liegt. Wir müssen bis Brösum Ort mitfahren. Dort dreht der Bus um und beginnt seine Tour gen Ortsteil Ording, Ortsteil Bad und Ortsteil Dorf von Neuem. Als erste Haltestelle fährt er Brösum West an. Nun erst dürfen wir aussteigen. Dass er dabei zweimal die Einfahrt zum Campingplatz passiert, juckt den Fahrzeuglenker überhaupt nicht. Für uns heißt es dann, den Weg rund 500 Meter zurückzugehen.

Eigentlich habe ich mir vorgenommen, im Ortsteil Bad zu bummeln, über die lange Seebrücke zu flanieren und anschließend bei einem heißen oder kühlen Getränk aufs Meer oder Watt zu schauen, je nach Hochwasserstand. Dass es anders kommt, liegt an der netten Dame im Bus, die uns mit leuchtenden Augen klar macht, dass wir doch an der Haltestelle Markt aussteigen müssten. ,,Dort ist heute Markt und richtig was los." Also steigen wir Haltestelle Markt aus . . . und landen im Ortsteil Dorf. Dort waren wir schon einmal vor Jahren. Recht hübsch anzusehen. Aber eigentlich nicht viel los. Eben ein Dorf. Bis auf ein paar Geschäfte und ein paar Lokale. Und natürlich Häuser. So wie wir sie kennen und so, wie wir sie eben nicht kennen. Haubarge und sich duckende, niedrige Strohdachhäuser. Alles sehr gepflegt. In einer Stunde ,,abgehakt" und dann Richtung ,,Südstrand".

Nach zehn Minuten Fußweg landen wir am Deich. Landen auf einer freien Bank und sehen in der Ferne weit weg, verdammt weit weg, die ,,Häuser auf Pfählen", die ,,Strandhütte", eine Gaststätte samt Badeaufsicht und Strandkorbvermietung. Hin kommen wir aber nur mit einem sicher über einen Kilometer langem Fußmarsch. Auf geteerter Straße quer durch die Salzwiesen des Vorlandes. Vorbei an einem Wächter, der akribisch genau jeden anhält, der in Richtung Badestrand steuert. Sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto. Wer keine Gästekarte dabei hat, muss eine lösen. Drei Euro kostet das. Genau wie in Büsum. Sollten die sich abgesprochen haben? Wir verzichten auf den langen Fußmarsch, und zu meinem großen Erstaunen taucht wenig später auf der Deichkrone ein Bus auf. Durchquert in kurzer Zeit die Strecke Richtung Strand, für die wir wohl zwanzig Minuten benötigt hätten, dreht nach Erreichen der ,,Häuser auf Pfählen" wieder um und kehrt zu uns zurück. Wir nutzen die Minuten und hetzen zum Häuschen des Gästekartenwächters. Dort ist auch eine Bushaltestelle. Und tatsächlich, der Bus hält, als uns der Fahrer sieht. Ich zeige meine Gästekarte und drücke die 1,10 Euro für Calle ab. ,,Wir wollen in Brösum West aussteigen“, mache ich ihm klar. „Falsch eingestiegen. Der Bus kommt gleich“, kommt’s zurück. Und tatsächlich. Wenig später kommt wieder ein Bus. Fährt Richtung Häuser auf Pfählen, dreht und kehrt wieder zurück. Diesmal kommen wir mit. Doch mit dem Aussteigen in Brösum West wird’s nichts. Die Fahrerin düst am Campingplatz vorbei. Die Haltestelle befindet sich an einer Landstraße. Sie fährt Bundesstraße. Wir müssen mit bis Brösum Ort. Dann geht’s zurück. Wieder Richtung Ortsteil Bad und Ortsteil Dorf. Erste Haltestelle ist Brösum West. Endlich können wir den Shuttlebus verlassen. Entern abgeschlafft unseren Troll und verbringen den Rest des Tages im Sonnenschein auf dem Platz.