Morgen, das habe ich mir fest vorgenommen, kann mich keine noch so freundliche Dame zu einem nicht geplanten Aussteigen veranlassen. Dann geht’s ab Haltestelle Bad im Ortsteil Bad zu Fuß Richtung Strandpromenade, zur 1095 Meter langen Seebrücke und zum Strand, der Schauplatz einer Fernsehserie war, als Surfer, Strandsegler und Kitebuggyfahrer den Bildschirm beherrschten. St. Peter-Ording war Drehort mehrerer Film- und Fernsehproduktionen, unter anderem für Jan Delay - ,,Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann", ,,Scooter – One" (Always Hardcore), ,,Gegen den Wind", ,,Die Jagd nach dem Bernsteinzimmer" und ,,Jetzt oder Nie". 2011 wurden an der Seebrücke Außenaufnahmen für den Film ,,Rubbeldiekatz" gedreht. Damals kamen rund 200 Komparsen zum Einsatz.

Sankt Peter-Ording ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Sie hat als einziges deutsches Seebad eine eigene Schwefelquelle und trägt daher die Bezeichnung „Nordseeheil- und Schwefelbad“. Nach den Übernachtungszahlen ist Sankt Peter-Ording in Schleswig-Holstein das führende Seebad.

Auf der Homepage wirbt der Ferienort: ,,St. Peter-Ording ist viel mehr als Strand, Weite und Meer. Die gesunde Mischung aus süßem Nichtstun und Aktivurlaub – das ist gute Erholung und St. Peter-Ording ist der perfekte Ausgangspunkt für sportliche Aktivitäten, Ausflüge, kulturelle oder kulinarische Entdeckungen. Bei unseren Veranstaltungen genießen Sie das Wertvollste, was wir haben: Zeit für uns selbst. Und in der Dünen-Therme haben Sie alles unter einem Dach: das Wellness- und Gesundheitszentrum, das einmalige Freizeit- und Erlebnisbad mit großer Saunalandschaft und drei hochmodernen Rutschenanlagen."

Als 1838 der erste Gast für eine Übernachtung bezahlte, konnten es die Einwohner von St. Peter kaum fassen: „Was, dafür zahlt der auch noch?“ Heute sind aus dem einen Gast jedes Jahr mehr als 200.000 geworden und aus den Stranddörfern hat sich einer der attraktivsten Ferienorte Deutschlands entwickelt. Der Strand ist feinsandig, rund zwölf Kilometer lang und bis zu zwei Kilometer breit. Auf ganzer Länge hat er fünf Teilbereiche, die sich parallel zum Deich und zu den Ortschaften erstrecken. Jeder Abschnitt hat einen eigenen Landschafts-Charakter und unterschiedliche Angebote. Zu Fuß, per Fahrrad und mit dem Bus, der für Gästekarteninhaber im Ort kostenlos ist, sind alle fünf Badestellen gut zu erreichen. In Ording und Böhl sind außerdem großzügige Strandparkplätze verfügbar. Für Freunde des Kitebuggyfahrens und des Strandsegeln ist der feste und glatte Sand die perfekte Basis, auf dem bis zu 130 Stundenkilometer erreicht werden können.

Doch der Sandstrand ist nur ein Teil. Der andere ist das Watt. Bei einer Wanderung versinkt man mit den Füßen darin. Kinder bewerfen sich damit, Forscher untersuchen die Bestandteile, Kranke und solche, die nicht krank werden wollen, beschmieren sich damit. Durch seine Zusammensetzung hat das salzhaltige Watt, der Schlick, eine heilsame Wirkung. Schlick speichert die Wärme besser als Wasser. Auf 50 Grad erhitzt, wird er für Wärmebehandlungen verwendet. Das ist gut bei Stoffwechsel- und rheumatischen Erkrankungen. Er wird in Cremes, Masken und Körperlotionen verarbeitet, für Schlickmassagen, Schlickpeelings und Schlickbäder verwendet. In Extrakten werden seine Mineralien wie Magnesium, Kalium und Eisen isoliert. Wir, meine Ingrid, Calle und ich halten uns jedoch zurück. Wir stapfen nicht durch den Schlick, auch wenn es noch so gesund ist. Wenn wir gehen, geht auch Calle. Und den würden wir drei Tage lang waschen müssen, um die Bestandteile des Meeresbodens wieder aus seinen Haaren herauszuspülen.

Im Schlick wimmelt es von Leben. Manches sehen wir, manches nicht. Im Universum des Meeresbodens gibt es geschätzte 40.000 tierische Kleinstorganismen. Wattwürmer, die ihre markanten Häufchen hinterlassen, Muscheln; Schnecken, Krebse und Krabben. Die können wir sehen, anfassen und auch mitnehmen. Die Mehrzahl der Schlickbewohner sehen wir allerdings nicht.

Schlaraffenland für Vögel Das Watt und die Salzwiesen wurden 1985 zum größten Nationalpark Deutschlands, dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer erklärt. Seit 2009 ist der Nationalpark sogar als Weltnaturerbe der UNESCO anerkannt. Auch an der Ostsee gibt es viele Küstenabschnitte, die als Schutzgebiete ausgewiesen sind. Rund zehn bis zwölf Millionen Zugvögel halten sich im Frühjahr und Herbst an den Küsten und im Nationalpark auf. Tanken Kräfte auf für ihre Reise gen Süden oder Norden. Manche verweilen nur wenige Tage bei uns. Sie müssen sich in dieser Zeit ausreichende Fettpolster anfressen, um den Tausende Kilometer langen Weiterflug in ihre Brut- bzw. Überwinterungsgebiete zu überstehen. Viele besonders geschützte Vogelarten haben auf den Stränden, in Salzwiesen oder Dünen ihre Nester und ziehen hier ihren Nachwuchs auf. Aber auch im Winter leben viele Vögel an unseren Küsten.

Durch den ständigen Sandflug konnte sich in Sankt Peter-Ording nie Fischfang etablieren, da durch die Verwehungen kein Hafen angelegt werden konnte. Auch die Landwirtschaft, von der die damalige Bevölkerung lebte, warf oftmals nicht genug ab, da die Ländereien häufig durch Überflutungen versalzten oder versandeten. In früherer Zeit konnten nach der Flut Strandläufer, die Hitzlöper, beobachtet werden. Diese durchsuchten das Strandgut nach Brauchbarem. Wertvolle Gegenstände wurden wegen der geforderten Abgaben oftmals versteckt.

Insbesondere die Wanderdünen machten den Bewohnern früher zu schaffen. So mussten die Ordinger zweimal ihre Kirche aufgeben, nachdem sie sich zuvor über Jahrzehnte regelmäßig den Weg zum Gottesdienst freigeschaufelt hatten. Die Bepflanzung begann 1860 noch auf Anweisung des dänischen Königs, der bis 1864 über das Gebiet herrschte. Die Grenze war damals die Eider. Ab 1867 gehörte die Gemarkung Sankt Peter zu Preußen. 1877 gab es erste Anfänge als Badeort, als das erste Hotel erbaut wurde. 1913 wurde das erste Sanatorium errichtet. Ein halbes Jahrhundert später wurden weitere Rehabilitationseinrichtungen erbaut, nachdem 1953 eine starke Jodsolequelle gefunden worden war und 1958 die staatliche Anerkennung als Nordseeheil- und Schwefelbad erfolgt war.

Der erste der charakteristischen Pfahlbauten auf dem Strand wurde 1911 errichtet und nannte sich „Giftbude" weil es dort wat gift (etwas gibt). Unter Kennern war insbesondere Cognac damit gemeint. Auch die Verkehrsanbindungen wurden nach und nach verbessert. 1926 entstand die erste Seebrücke am Ordinger Strand, 1932 folgte eine Bahnstrecke nach Husum. Eine bessere Straßenanbindung wurde durch die Errichtung des Eidersperrwerkes ermöglicht.

Eine echte Überraschung brachte auch der zweite Tag in St. Peter-Ording. Der erste Tag machte uns im Busfahren perfekt. Der zweite sollte die Bestätigung für unsere Auffassungsgabe werden. Nun kannten wir uns ja aus. Ich habe mir die richtige Aussteigestelle im Kopf eingebrannt. Nichts kann mehr schief gehen. St. Peter-Ording, Ortsteil Bad, wartet auf uns. Mit Promenade und Seebrücke, mit zahlreichen Geschäften und Lokalen, aber vor allem mit einem Anblick über Salzwiesen und Sand, der das Herz eines jeden St. Peter-Ording-Urlaubers höher schlagen lässt. Ich hole die vier bestellten Brötchen – zwei mit Körnern für Ingrid, zwei einfache für mich. Ich mag es nicht, wenn die Brötchenkörner zwischen den Zähnen klemmen. Dann wird in aller Ruhe gefrühstückt. Um 10.53 Uhr soll der Bus planmäßig fahren.