Der Sielhof Nicht weit vom Hafen entfernt liegt der Sielhof, ein ehemaliger Herrensitz aus dem 18. Jahrhundert. Er wurde auf einer Warf gebaut und in den 90-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit viel Liebe zum Detail restauriert und umgebaut. Es gibt in den Fischerdörfern entlang der ostfriesischen Nordseeküste kein vergleichbares Pendant. Bereits im Jahre 1684 bezeichnete Balthasar Arend in seiner „Landbeschreibung vom Harlingerland“ einen Platz als „Warfe“, der heute als der Platz des späteren Sielhofes angesehen werden kann.

Im Jahr 1755 begann Siebelt Frerichs Eymen die Warfe zu befestigen und ein Steinhaus darauf zu errichten. Der zweistöckige Bau bildet den Kern des heutigen Sielhof-Gebäudes. Zwischen 1899 und 1906 wurden bauliche Veränderungen vorgenommen. Das Gebäude erhielt einen Vorbau an der östlichen Ecke. Um an der westlichen Seite ein architektonisches Gegenstück zu erhalten, wurde ein Kapellenanbau erstellt. Gleichzeitig erhielt der Sielhof einen turmartigen Aufbau in der Mitte des Kernbaus. Im Jahr 1907 wurde der Sielhof zum Herrensitz der Familie von Eucken und des Rittergutes Addenhausen. Bis 1967 blieb er der Sitz der Familie, bevor die Räumlichkeiten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

Harmonisch fügt sich das ,,Haus des Gastes" in das Restaurant ,,Sielhof“ ein. Kulturelle Veranstaltungen wie Vorträge, Lesungen, Musik und Comedy beleben heute die ,,herrschaftlichen" Räume, in denen damals Adlige zu Hause waren. Hier finden auch die legendären Teeseminare statt. Die Fliesenwand des Sielhofes, Wahrzeichen von Neuharlingersiel, stellt mit 870 Fliesen die größte geschlossene Einheit von Bibelfliesen in Ostfriesland dar. Die kleinen Kunstwerke sind in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Westfriesland gefertigt worden und wahrscheinlich mit dem Bau des Anwesens im Jahr 1755 in das Herrenhaus gelangt. Auf den Fliesen sind Szenen aus der Bibel dargestellt. Die ca. 250 Jahre alten Fliesen, die sich im Sielhof-Restaurant befinden, wiesen zunehmend Schäden auf. Die aggressiven Mauersalze hatten im Laufe der Zeit das Material angegriffen. Im Jahr 2010 wurden die Fliesen in den Niederlanden restauriert und im November 2010 im Sielhof wieder angebracht.

 

Ebbe und Flut „Ebbe und Flut sind das Atmen der Erde.“ So sagte man früher, als man noch nicht wusste, wie die Gezeiten – Ebbe und Flut – zustande kommen. Ebbe und Flut machen den besonderen Reiz der Nordsee aus. Um bis zu vier Meter sinkt und steigt der Meeresspiegel bei Ebbe und Flut. Das Kommen und Gehen des Meeres, beeinflusst durch das Spiel von Anziehungs- und Fliehkräften zwischen Erde und Mond, ist für viele Menschen eines der faszinierendsten Naturschauspiele. Nicht nur die Natur im Nationalpark Wattenmeer stellt sich auf den ständigen Wechsel ein, auch viele Aktivitäten im Dornumerland richten sich nach den Gezeiten.

Der erste Tag Wir starten in Richtung Neuharlingersiel in den frühen Morgenstunden, kaum dass sich die Dämmerung verzogen hat. In der Nacht hat es geregnet. Die dicken Tropfen haben nun einem feinen Niesel Platz gemacht. Der Himmel zeigt sich Grau in Grau. Eigentlich ein Wetter, bei dem ich mir die Bettdecke ein paar Zentimeter höher ziehen und den Tag verschlafen möchte. Doch was uns nicht tötet, macht uns hart, habe ich mal gehört und verinnerlicht. Werde ich also hart. Den Troll haben wir schon am Tag zuvor beladen. Bis auf ein paar Kleinigkeiten. Die werden erst am Abfahrtsmorgen verstaut. Dann geht’s los. Ab zur Tankstelle. Ganz wichtig: Den linken Vorderreifen prüfen, 5,5 bar muss er haben. Bei der vorigen Fahrt verlor er Luft, obwohl der Reifen neu war. Dann auftanken und ab Richtung Bremerhaven. Einige Kilometer vorher geht’s in Stotel zum Tunnel unter der Weser hindurch ins Oldenburger Land. Er hat eine Länge von 1.646 Metern und verbindet als Teil der Bundesstraße 437 die niedersächsischen Landkreise Wesermarsch und Cuxhaven. Nach fast sechsjähriger Bauzeit erfolgte am 20. Januar 2004 die Freigabe. Die gegenwärtige Planung der Küstenautobahn A 20 bezieht auch den Wesertunnel mit ein. Es ist vorgesehen, die B 437 im Tunnelbereich zur Autobahn umzuwidmen.

Neuharlingersiel Von oben kommt’s immer noch nass herunter. Neblig trüb liegt die brettebene Landschaft vor uns. Vor und hinter uns jede Menge Lkw. Feine Schleierwolken von Dreck hinter sich herziehend. Auf der Autobahn Richtung Küste lassen wir Wilhelmshaven links liegen. Erst geht’s weiter nach Norden, dann nach Westen. Nicht lange und Neuharlingersiel ist erreicht. Obwohl bereits November ist, stehen dort in Reih und Glied etliche Wohnmobile. Viel mehr, als ich in dieser Jahreszeit und bei dem bescheidenem Wetter vermutet hatte. Glück für mich, dass in der ersten Reihe, direkt am Sommerdeich, noch ein Platz frei ist. Fix eingeparkt. Wir stehen mit Ausblick aufs . . . Watt. Wie meist, wenn ich an die Nordsee komme, ist das Wasser weg. Am Abend soll Hochwasser sein. Am späten Abend. Dann habe ich nichts mehr davon. Dann ist es dunkel.

Nicht dunkel aber auch nicht richtig hell ist es, als wir drei uns eine halbe Stunde später auf die Socken in Richtung Hafen und Städtchen machen. Von oben kommt’s erst noch tröpfenchenweise, dann hört es auf zu nieseln. Nur der Himmel bleibt Grau in Grau. Bis hin zum Horizont. Nicht ein helles Flecken, nicht ein bisschen Blau. Wir drehen eine Runde um den Hafen. Begucken die Krabbenkutter von oben, die ein paar Meter tiefer an der Pier liegen. Dabei stelle ich fest, dass die hiesigen Krabbenfischer - nicht alle aber einige  – und ich verwandt sein müssen. Zumindest was den Sinn für Ordnung angeht. In meinem häuslichen Büro und im Schuppen müsste ich hin und wieder aufräumen (wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen), und hier auf den Decks etlicher Kutter liegt ebenfalls alles wie Kraut und Rüben durcheinander. Das macht mir die Schiffseigner irgendwie sympathisch. Ins Auge fallen mir zwei große Stockanker am Hafen. Dreitausend Jahre wurde er auf den Segelschiffen in der Nordsee eingesetzt. 2003 barg der Kapitän des Kutters ,,Polaris“, Uwe Abken, in der Otzumer Balje zwischen Langeoog und Spiekeroog das große Exemplar samt noch erhaltenem Stock aus dem 16. Jahrhundert. Er gehörte zur Ausrüstung eines etwas 65 Meter langen Schiffes. An der gleichen Stelle fand in den 80-er Jahren Wilhelm Jacobs, Kapitän des Fischkutters ,,Gorch Fock“, den kleinen Anker.

Nach einem Pott Kaffee für mich und Tee samt Windbeutel für Ingrid machen wir uns auf den Rückweg. Und der Daus, wir sind nicht allein auf weiter Flur. Selbst in dieser Jahreszeit schlendern immer noch Touristen durch die wenigen attraktiven Straßen und das Gelände am Hafen. „Die Saison ist vorbei. Es hat stark nachgelassen“, bekennt der Kellner im Hafencafé. Im Troll wartet ein leckeres Schalottensüppchen auf uns. Danach ist Mittagspause angesagt. Der neue Start zum zweiten Rundkurs an den Hafen und die angrenzenden Häuser folgt am Nachmittag. Bei trockenem aber immer noch verhangenen Himmel. Der Tag klingt aus bei, wie könnte es anders bei uns sein, mit Keksen und Tee. Und natürlich dem Blick auf den Wetterbericht im Ersten. Schließlich will ich wissen, ob morgen noch einmal ein Tag mit Schietwetter auf uns wartet.