Padstockspringen Weil es in Ostfriesland mehr Gräben als Straßen gibt, haben sich die Schlauköpfe unter den Bewohnern des Plattdeutschlandes vor vielen Jahren etwas einfallen lassen, um schnell von A nach B zu kommen. Da nur selten eine Brücke zum Überqueren der Entwässerungsgräben zur Verfügung stand, benutzten sie einen langen Stab mit einem kleinen Querholz an der Kopfseite, um über die Gräben zu kommen. Wer sich jedoch beim Absprung verschätzt, landet im Wasser – wenn er Glück hat – oder im Schlick, wenn er Pech hat. Noch heute gibt’s in jedem Jahr in dieser Disziplin unterhaltsame Meisterschaften.

Traditionsessen Grünkohl Ein wahrhaft königliches Vergnügen ist eine Grünkohltour – auch ohne vorheriges Boßeln. Von November bis in den März ist in Norddeutschland Grünkohlsaison. Neben Gerichten mit dem Gemüse finden überall auch die typischen „Kohltouren“ statt. Dass Grünkohl im Norden eine wichtige Rolle spielt, zeigt schon dessen Anbau. Rund ein Drittel der gesamten Ernte wird allein in Niedersachsen eingefahren und zu großen Teilen wahrscheinlich auch dort gegessen. Z. B. bei der so genannten „Schaffermahlzeit“, die seit Jahrhunderten im Bremer Rathaus stattfindet. Dort heißt der Grünkohl allerdings Braunkohl. Oldenburg hält seit etwa 50 Jahren mit dem „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ dagegen. Allerdings findet dieses Essen in Berlin statt – jedoch immer mit vorgekochtem Grünkohl aus der Stadt an der Hunte. Fuhren die reichen Bürger zu Beginn dieser Tradition mit dem Schlitten zum Grünkohlessen, steht heute vor dem gemütlichen Teil zuerst die sportliche Betätigung. Das kann außer der Boßelkugel auch ein überdimensionierter Würfel sein. Wer die Sechs würfelt, darf oder muss einen aus der im Bollerwagen mitgeführten Buddel zu sich nehmen. Entweder aus dem meist am Band um den Hals hängenden Schnapsglas oder eben „eine Daumenbreite“ aus der Flasche.

Das Grünkohlessen bildet den gemütlichen Teil des Ausfluges. Dass das eigentliche Gericht nicht ganz so mager ausfällt, liegt vor allem am „Pinkel“. Bei dieser typischen Wurst, die zum Grünkohl serviert wird, handelt es sich um eine geräucherte, grobkörnige Grützwurst, die in der Regel aus Schweinefleisch, Speck, Salz, Zwiebeln sowie Gewürzen und Hafer- oder Gerstengrütze besteht. Dazu kommen Kassler und Mettenden. Höhepunkt eines jeden Essens ist die Wahl des/der Grünkohlkönigs/in. Diese/r hat die wichtige Aufgabe, im nächsten Jahr eine Kohlfahrt zu organisieren. Wer gekürt wird, entscheidet sich z. B. beim Boßeln. Beliebt ist auch die Variante, das Gewicht der Teilnehmer vor und nach dem Essen festzustellen oder denjenigen auszuwählen, der am meisten/wenigsten oder am längsten isst oder trinkt. Nach dem Essen steigt die Party! Mit viel Bewegung (in Form von Tanzen) klingt der Ausflug allmählich aus. 

Labskaus Und weil wir gerade beim Essen sind: Schon mal `was von Labskaus gehört? Ein weiteres Traditionsgericht, das früher für Matrosen gekocht wurde. Die Zutaten hielten sich gut auf den langen Schiffsreisen. Auf jeden Fall gehören dazu Kartoffelbrei, Corned Beef und Zwiebelstücke. Was noch dazu gehört ist von Familie zu Familie, von Ort zu Ort verschieden. Wird die Rote Beete danebengelegt oder püriert untergemischt? Wird Rollmops oder Bismarckhering an den Rand gelegt? Gibt’s ein Spiegelei dazu oder eine Gewürzgurke? Oder beides?

Aus Wikipedia: Das erstmals 1706 von dem englischen Autor Ned Ward erwähnte Gericht für Seefahrer und Matrosen entstand in der Zeit der Segelschifffahrt und bestand wohl ursprünglich vor allem aus Pökelfleisch. Da auf Segelschiffen für jeden Matrosen Pökelfleisch zur vorgeschriebenen Ration gehörte, die Seeleute aber durch vom Skorbut schmerzende Zähne oft keine feste Nahrung essen konnten, wurde die Portion kleingehackt und püriert. Da zudem die Qualität der Nahrungsmittel mit zunehmender Länge der Reise litt, konnte damit auch minderwertiges Material kaschiert werden. Ein englisch-deutsches Wörterbuch von 1802 beschreibt das Gericht:

„Lobscouse, labskaus, s. ein Matrossengericht von Pöckelfleisch, Biskwitt und Zwiebeln“ – J. C. Fick: Vollständiges Englisch-Deutsches und Deutsch-Englisches Lexicon, 1802. In der deutschen Literatur ist es erstmals 1878 in einem seemännischen Wörterbuch erwähnt. Hier sind bereits Kartoffeln als Breizusatz zum Salzfleisch enthalten. Später ist diese Art der Zubereitung durch den Landgang der Seeleute (mit schlechten Zähnen) an Land übernommen worden. Dort konnte man auch frisches Rindfleisch verwenden.

Das Originalrezept ist nicht bekannt. Es ist daher umstritten, ob Fisch ein Bestandteil von Labskaus ist. Selbst die ursprüngliche geographische Herkunft ist unklar. Manche Quellen besagen, es sei ein Gericht englischen Ursprungs, doch viele vermuten eine norddeutsche oder nordeuropäische Herkunft.

Deftig-leckerer Eintopf  Noch ein Gericht von der Küste. Wer’s deftig und lecker mag, macht sich über den Eintopf ,,Birnen, Bohnen, Speck“ her. In einer Brühe aus Speck und Zwiebeln werden Bohnen und kleine, harte Kochbirnen gegart. Von den Birnen nur die Blütenstände entfernen, die Stiele und die Schale bleiben dran. Oder probiert einmal ,,Buntes Huhn“. Kartoffeln, Speck, weiße und grüne Bohnen Äpfel und Birnen übereinanderschichten und in einem Gusseisentopf garen. Fertig ist das ,,Bunte Huhn“. ,,Weißer Bohneneintopf” oder plattdeutsch ,,Witte Bohn” ist auch ein Name für das gleiche Alltagsgericht. Der Name Löchtebohnen, also lichte, helle Bohnen lässt auf den Hauptinhalt schließen, eben weiße, oder fahle (Pal-)Bohnen. Das sind Bohnensamen, die man trocknen ließ, bis sie weiß waren. Heute kann man sie dosenweise kaufen. Bunt ist der Eintopf, in den statt Federvieh Schweine- oder Rindfleisch gehört, weil er grüne und weiße Bohnen und rote Wurzeln als Hauptbestandteile hat.

Aus Wikipedia: Das Gericht mit dem Namen ,,Birnen, Bohnen und Speck“ bzw. ,,Bohnen, Birnen und Speck“, regional auch mit den plattdeutschem Namen „Beer'n, Bohn un Speck“, „Grööner Hein“, „Grönen Heini“ bezeichnet, ist vor allem im Raum Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg bekannt. Aufgrund der erforderlichen Zutaten lässt sich das Gericht in seiner originalen Form vornehmlich in den Monaten August und September zubereiten.

Es handelt sich um eine Art Eintopf, in dem als Hauptbestandteile Birnen, Bohnen und Speck enthalten sind. Als selbstverständlicher Bestandteil norddeutscher bäuerlicher Küche kommen die nicht im Namen erwähnten Kartoffeln hinzu."

Der dritte Tag Der Morgen begrüßt uns mit strahlend blauem Himmel und einem lachenden Tagesgestirn. Der Sturm hat sich verzogen. Die See ist spiegelglatt. Richtig gelesen: See. Soweit das Auge reicht gibt’s Wasser. Die Flut ist zwar vorbei, doch das ablaufende Wasser noch sehr hoch. Nach ein paar Stunden hat es sich allerdings wie immer wenn ich an der See bin, verzogen. Nun glänzt statt Wasser nur noch Watt. Heute will ich Dornumersiel ansteuern. Dort soll’s am Hafen einen Stellplatz geben. Mit Strom. Wir lassen uns Zeit. Es sind nur wenige Kilometer, die zu fahren sind. Gegen zehn geht’s dann los. Dornumersiel, Schöpfwerkstraße, ist im Navi einzugeben. Gebe ich auch ein. Doch Schöpfwerkstraße kennt mein Navi nicht. Nehme ich also Hafenstraße. Stellplatz am Hafen. Kann nicht verkehrt sein.

Die Straßen sind trotz Sonntagsverkehr und Superwetter nicht sonderlich voll. Bald sind wir in Dornumersiel. Biegen Richtung Deich und Campingplatz ab. Und . . . finden an dieser Straße den gesuchten Stellplatz. Ein großer Parkplatz für Pkw und 30 Wohnmobile. Unweit des Mahlbusen, dem kleinen Speichersee am Rande des Sielortes. Baumbestanden und durch dichtes Grün vor dem Seewind geschützt. Ein Mobil und ein Wohnwagen stehen dort. Scheinen schon länger zu stehen. Doch der Deich und damit auch der Hafen sind weit weg.

Dornumersiel ist ein Ortsteil der Gemeinde Dornum. Der Sielort ist einer der ältesten Häfen an der ostfriesischen Küste. Die Besiedelung begann wahrscheinlich im 15. Jahrhundert. Nachdem in der St.-Peters-Flut am 22. Februar 1651 ein an der Küste gelegener Sielort, das später so genannte Altensiel, zerstört wurde, wurden 1653 unmittelbar nebeneinander das Dornumer und das Westeraccumer Siel angelegt. Einst trennte hier die Grenze Ostfriesland und das Harlingerland. Die beiden Orte Dornumersiel und Westeraccumersiel konnten erst nach Eindeichung der Polder entstehen. Eine erste urkundliche Erwähnung des Dorfes datiert auf das Jahr 1684. Heute ist Dornumersiel ein Küstenseebad. Am Strand gibt es einen Campingplatz sowie ein beheiztes Meerwasser-Freibad.