Der fünfte Tag Heimfahrt ist angesagt. In der Nacht hat’s wieder kräftig geweht. Der Troll schaukelt mich förmlich in den Schlaf und hat mich an alte Zeiten erinnert. An die Zeit, als ich noch mit meinem Boot auf Nord- und Ostsee unterwegs war. Wenn der Sturm das Wasser peitschte, schaukelte mein Segler wie heute der Troll. Dazu klatschten die Fallen (Taue zum setzen der Segel) fürs Großsegel, den Spinnaker und für die Fock mehr oder weniger rhythmisch an den Mast. Da der Troll ja keinen Mast hat, klatscht hier auch nichts und macht zusätzlichen Lärm. „Kann unser Wagen bei dem Wind auch umkippen“, will meine Ingrid wissen. „Nie“, ist mein kurzer Kommentar. Dann schlafe ich ein.

Der Morgen bringt das, was die meisten Novembermorgen vor ihm auch brachten. Erst Sonne am Horizont, dann dunkle Wolkenbänke, recht frischen Wind mit Sturmböen und immer wieder Regenschauer. Wir lassen uns Zeit. Leeren vor der Abfahrt den Grauwassertank und die Toilettenkassette. Dann geht’s über Land- und Bundesstraßen und ein Stückchen Autobahn quer durch Ostfriesland, das Ammerland und Stedingerland und anschließend durch den Tunnel unter der Weser hinüber in den Landkreis Cuxhaven und danach ins heimatliche Osterholz. Alles in allem um die 150 Kilometer. Als krönenden Abschluss der Fünf-Tage-Tour gibt’s ein üppiges Mittagessen beim Chinesen in Hagen. Nach gut vier Stunden machen wir im Heimathafen in Steden fest.

Damit geht die diesjährige Saison zu Ende. Von Dezember bis Ende Februar geht unser Troll ins Winterlager am Haus. Bis zum kommenden Frühjahr. Bis dahin habe ich dann Zeit, neue Touren zu planen. Und so Gott will, spielt auch meine Gesundheit wieder mit. Bei beiden Fahrten in diesem Jahr haben mir meine Pülverchen und das Sauerstoffgerät über die Runden geholfen. Ich gehe mal davon aus, dass sie mir auch 2016 zur Seite stehen werden.

 

Bleibt am Ende mit Wilhelm Busch festzuhalten:

Eins, zwei, drei im Sauseschritt läuft die Zeit, wir laufen mit,
Schaffen, schuften, werden älter, träger, müder und auch kälter.
Bis auf einmal man erkennt, dass das Leben geht zu End!
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur,
Drum Mensch, sei zeitig weise! höchste Zeit ist's: Reise, reise!

Piraterie oder zeitgemäß? 

Kurtaxe nennen sie die einen, Umweltgebühr oder Fremdenverkehrsabgabe die anderen. Eine Sondersteuer, die inzwischen von fast allen Gemeinden mit Fremdenverkehr erhoben wird. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. In der Erläuterung der Kommunen liest sich das so: ,,In allen Fällen handelt es sich um eine Abgabe, die von den Kommunen erhoben wird. Sie ist eine Mischung zwischen Beitrag und Gebühr. Die Kurtaxe wird unabhängig davon erhoben, welche Fremdenverkehrsangebote der Urlauber in Anspruch nimmt. Grundsätzlich wird sie fällig, sobald sich ein Urlauber in dem Ort aufhält. Dies gilt auch, wenn z. B. der Strand für einen Tagesausflug genutzt wird. Die Kommunen setzen mit der Kurtaxe die Angebote des Fremdenverkehrs instand. Zugleich dient die Gebühr der Erhaltung und Sauberkeit der Strände. In den meisten Urlaubsorten wird streng kontrolliert, ob die Urlauber die Gebühr entrichtet haben. Die Kurtaxe wird jährlich von den Kommunen angepasst. Daher ändern sich die Preise oft von Jahr zu Jahr.“

Soweit der Text. Komisch nur, dass selbst Kommunen ohne Strand – also solche die weit im Binnenland liegen – eine Kurtaxe erheben. Wie zum Beispiel Dornum. Da werden vier Euro fällig, für die absolut nichts geboten oder instand gehalten wird. Wenn man einmal von dem Besuch des historischen Schlosses absieht. Das allerdings nur nach Voranmeldung und an wenigen Stunden besichtigt werden kann. Die zweite Sehenswürdigkeit, die Beningaburg (siehe BIld oben), ist ja seit Jahren ein Hotel. Strand kann Greetsiel auch nicht vorweisen. Dennoch wird eine Kurtaxe von vier Euro für zwei Personen und Tag fällig. Entschuldigend lässt sich vielleicht anführen, dass für das Geld Blumenrabatten gepflegt und Straßen sauber gehalten werden. Doch das leisten viele Städte auch ohne Kurtaxe. In Bremen, Berlin, Dresden und Lüneburg, Dortmund, München oder Köln  heißt die ,,Kurtaxe“ Bettensteuer oder Kulturförderabgabe. Gegenleistung ebenfalls null. In Neuharlingersiel wird bei Fehlen der Kurtageskarte sogar eine Strafe von 40,- Euro angedroht.

Für mich – und darüber kann gern diskutiert werden – ist diese Kurtaxe, Fremdenverkehrsabgabe, Bettensteuer  oder Umweltgebühr die moderne und legalisierte Form der Piraterie (an der Küste) oder des Raubrittertums (im Binnenland).

Hier ein paar Beispiele. Es nehmen: Cuxhaven 2,80 Euro (immer pro Person und Tag), Greetsiel 2,-, Burhave 2,20, Horumersiel, Schillig, Hooksiel 2,90, Büsum 3,-, die Wurster Nordseeküste von 1,30 bis 3,-, Dornum 2,-, Dornumersiel 2,-, Neuharlingersiel 2,40, Duhnen und Döse 2,80, Wangerooge 3,50, Föhr zwischen 1,80 bis 2,50, Boltenhagen 2,10, Rügen 1,50 plus Hund 0,50 usw. usw. Wer also – wie wir – mit dem Wohnmobil einen der Orte anfährt, muss in der Regel die Summe mal zwei nehmen (weil ja meist zwei Personen im Mobil mitfahren). Das sieht dann in Greetsiel z.B. so aus: Stellplatzgebühr 5,- Euro plus Kurtaxe 4,- Euro = 9,- Euro. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.