Schillig ist ein Badeort in der Gemeinde Wangerland im niedersächsischen Landkreis Friesland, finde ich bei Wikipedia. Mit über sechs Kilometern Strand, zum Teil Rasen, zum Teil Sand. Er ist Teil des Ortsteils Horumersiel-Schillig und liegt an der äußersten Nordost-Spitze der ostfriesischen Halbinsel, jedoch im Oldenburger Teil. Der Name leitet sich vom Begriff Schill (wie Schale, wortverwandt mit dem englischen shell) für Muscheln ab. Die ausgedehnten Vorkommen lagerten Meeresströmung und Brandung hier ab. Früher wurden sie für die Herstellung von Kalk abgebaut. Auf die besondere Bedeutung von Muscheln weist am zentralen Platz am Ortseingang eine weiße Muschel-Skulptur hin. Durch seine exponierte Lage in der nord-östlichen Ecke der ostfriesischen Halbinsel war Schillig bei Sturmfluten immer besonders gefährdet. Seit dem 15. Jahrhundert gingen dadurch in Richtung Horumersiel mehrere Deiche und Ländereien verloren, die später wieder zurückgewonnen wurden. Die Weihnachtsflut 1717 riss in den Seedeich zwischen Schillig und Horumersiel einen Kolk von 82 Meter Breite und sieben Meter Tiefe, der heute in die Kuranlagen einbezogen ist.

,,Nordsee Camping Schillig“ ist die Wohnmobil-Idylle im Grünen, heißt es in der Eigenwerbung. Die Stellplätze verteilen sich auf einer befestigten Wiese. Die Lage ist beschaulich und familiär. In direkter Nachbarschaft erstreckt sich einer der schönsten Sandstrände. Einkaufsmöglichkeiten, Freizeitangebote und Service-Einrichtungen sind in unmittelbarer Nähe. Von hier gibt’s angeblich den fantastischen Blick auf die Inseln Mellum und Minsener Oog.

Wir blicken eigentlich nur auf einen riesigen Campingplatz mit passablen Schranken für die Ein- und Ausfahrt. Davor die Stellflächen für Wohnmobile. Mitten im Grünen. Bei genauer Betrachtung eigentlich Abstellplätze für Mobilisten, die keine großen Ansprüche ans Umfeld stellen. Und in der Ferne, kaum zu erkennen die Nordsee. Ob nun Niedrigwasser– also Ebbe – oder Hochwasser – also Flut – gerade das Bild beherrschen, könnte ich vielleicht mit meinem Fernglas ausmachen.
Ich drehe also um, verzichte auf Schillig und die Wohnmobil-Idylle im Grünen. Weiter geht’s an diesem echten Hochsommertag Richtung Horumersiel.

Horumersiel Direkt am südlichen Ortsrand von Schillig beginnt das Nordseeheilbad Horumersiel – im Wangerland an der Nordsee. Das macht das seit 1985 anerkannte Nordseeheilbad zu einem besonders interessanten Logenplatz, von dem aus man all die Ozeanriesen, Fischkutter und vielen Segelboote im Blick hat. Der kilometerlange Rasenstrand direkt an der Nordsee ist besonders beliebt bei Menschen, die etwas sandempfindlich sind. Hier kann man wunderbar auf einer gepflegten Wiese entspannen und aufs Meer gucken ohne vom Sand paniert zu werden. Selbstverständlich gibt es hier auch einen ausgewiesenen Hundestrand und zahlreiche sanitäre Einrichtungen.
Horumersiel-Schillig gehört mit jährlich ca. 1,2 Millionen Gästeübernachtungen zu den beliebtesten Urlaubsorten Deutschlands. Schon 1860, als in anderen Regionen Deutschlands vom Tourismus noch keine Rede war, wurde hier das erste offizielle Strandbad eröffnet. Dieser Tradition fühlt man sich auch heute noch verpflichtet. Die typische friesische Gastlichkeit, gepaart mit modernsten Einrichtungen, ca. 6.000 Gästebetten aller Kategorien und einem der größten Campingplätze Deutschlands machen den Ort so beliebt, steht in der Eigenwerbung. Gerade Familien mit Kindern gehören in Horumersiel- Schillig, das mehrfach im Bundeswettbewerb für Familienferien ausgezeichnet wurde, zu den Stammgästen. Das alles lese ich in dort. Und der Daus, das meiste stimmt sogar. Dass man den Rasenstrand nur gegen Gebühr betreten darf, wird natürlich nicht erwähnt. Und auch nicht, dass am Eingang desselben ein aufmerksamer Posten im Kassenhäuschen darüber wacht, dass der Gemeinde kein vorbeiflitzender Gast entgeht. Mich stört’s wenig. Wir stehen auf der gegenüberliegenden Hafenseite. Mit dem Watt vor der Haustür und dem Blick auf das in Dunst liegende Wilhelmshaven.

Inzwischen hat sich der Himmel bezogen. Der Wind hat etwas aufgefrischt und die Sonne legt immer wieder mal eine kürzere oder längere Pause ein. Doch den gestrigen Wetterbericht – Bewölkung, Sonne, Regenschauer – straft sie immer noch Lügen. Meine Ingrid und ich machen es uns vor dem Troll bequem und beobachten die Mobile, die am späten Nachmittag noch ein Plätzchen zum Ausruhen suchen. Nach einer vergeblichen Runde verschwinden sie wieder über die lange Anfahrt auf dem Deich. Statt der 22 vorgesehen Mobile haben sich mindestens 50 häuslich eingerichtet. Hier geht nichts mehr. Dann – Glockenschlag 17.30 Uhr – kommt einer der am Abend zuvor angekündigten Schauer. Kurz und heftig. Und nachdem ich unsere Stühle gerade im Wagen verstaut habe, ist es auch schon wieder vorbei. Die Sonne strahlt vom Firmament, als wenn nichts gewesen wäre. Nur Wilhelmshaven ist noch als grauer Schemen am Horizont zu erkennen.

Auf der Internetseite lese ich: Für mobile Gäste reserviert Horumersiel den Logenplatz am Meer. Unverfälschte Hafenatmosphäre, rundherum der sanfte Wellenschlag der Nordsee sowie eine bequeme, zentrumsnahe Lage - das sind die großen Vorzüge des Wohnmobilplatzes. Die Anlage befindet sich als Teil des großen Hafenparkplatzes direkt am Deich. Das macht das seit 1985 anerkannte Nordseeheilbad ebenfalls zu einem Logenplatz, von dem aus man die Ozeanriesen, Fischkutter und Segelboote im Blick hat.

Wir genießen den Logenplatz bis zum Einsetzen der Dämmerung. Dann ist für den Rest des Tages Fernsehen samt Wetterbericht angesagt. Morgen will ich versuchen, im Hooksiel ein Plätzchen zu erhaschen. Ich drücke mir die Daumen, denn bei einem sonnigen Wochenende könnte es vielleicht schwer werden.
Hooksiel Im historischen Ortskern des Nordseebads befindet sich der unter Denkmalschutz stehende Alte Hafen mit seinen Packhäusern. Er ist ein beliebter Treffpunkt und auch Veranstaltungsort für die viel
besuchten Hafenfeste. Das Muschelmuseum und das Künstlerhaus sowie die vielen kleinen maritimen Geschäfte laden zum Flanieren und Shoppen ein.

In der Eigenwerbung heißt es: Das Land ist so platt wie die Sprache der Menschen – ehrlich und sympathisch. Und das gibt´s nur einmal: Der alte historische Ortskern von Hooksiel mit seinem unter Denkmalschutz stehenden Hafen, den Packhäusern und dem ehemaligen Rathaus mit seinem markanten Zwiebelturm, das heute als Künstlerhaus genutzt wird, erinnert an die Zeiten, als Hooksiel ein wichtiger Umschlaghafen für die Stadt Jever war. In der Hafenanlage von 1603 befindet sich eines der letzten intakten historischen Sielwerke. Wie in einem Freilichtmuseum zur Schifffahrt sind außerdem am Hafenbecken verschiedene Objekte aufgestellt: Anker, Seetonnen, ein Lotsenturm und das einzig erhaltene Mudderboot (von 1837-1950 in Betrieb), das zum Entschlammen der Fahrrinne eingesetzt wurde. Anliegende Speicher von 1827 wurden abwechselnd gefüllt und wieder geleert.
Der Name Hooksiel taucht erstmals auf Urkunden im 15. Jahrhundert auf. Aber noch nicht in seiner heutigen Schreibweise, sondern als Huck, Hueck, Hock, Hoeck und Hook. Es bedeutet ,,Nase“ oder ,,Vorsprung“. Diese sogenannte Landnase entstand durch Deichbauten im 15. und 16. Jahrhundert. Im Hafen werden landestypische Güter umgeschlagen: Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Bohnen, Rapssaat, Käse, Butter, Speck, rohes Leder, Federn, Daunen, Vieh. Mit der Gründung des Deutschen Reiches und dem Ende der oldenburgischen Handelspolitik zur See, geht’s abwärts. Erst der Tourismus bringt ab den 1890-er Jahren wieder Aufschwung. Die herrschaftlichen Badeetablissements
auf der Insel Wangerooge und die Seebadeanstalt in Dangast, beide 1804 gegründet, wirken richtungsweisend. Baden ganz im Zeichen medizinischer Erwägung, in Badekarren, die ins Wasser gezogen werden. Das mehrmalige, kurze Eintauchen ins Nass ist  Auftakt des eigentlichen Vergnügens mit Musik, Spiel und Tanz der adligen und wohlhabenden Gesellschaft.

Für mobile Gäste reserviert Hooksiel die Plätze an Strand und Meer. Der kleine Ort Hooksiel liegt allerdings nicht direkt an der Nordsee, sondern an der Jade und war früher Umschlaghafen für Jever. 1546 beim Bau eines offenen Siels und eines Hafens gegründet. Während der Napoleonischen Kontinentalsperre von 1806 bis 1814 entdeckten die Einwohner eine andere lukrative Tätigkeit: den Schmuggel mit Gütern aus Helgoland, damals britisches Hoheitsgebiet. Danach legten nur noch Fischerkutter an. Die plietschen Einwohner suchten eine andere Erwerbsquelle und gründeten 1911 einen Badeverein. Sand für einen Strand wurde aufgeschüttet und eine sogenannte Giftbude (aus dem englischen gift = Geschenk) gebaut. In der Holzhütte gab es Souvenirs, Lebensmittel und Getränke. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit der Küstenbadeort Hooksiel. In den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts fand eine große Eindeichung statt, die dem Hafen den direkten Zugang zum Meer abschnitt. Es entstand ein neuer, größerer Außenhafen und gleichzeitig ein rund 70 Hektar großer
Binnensee, das Hooksmeer. Der alte Hafen wurde mit diesem verbunden und erhielt damit wieder Zugang zur Nordsee.