Tiere im Watt und an der Küste
In den Veröffentlichungen der „Schutzstation Wattenmeer“ einer privaten, gemeinnützigen Naturschutz-vereinigung, die 1962 gegründet wurde lese ich:
Würmer sind lang, dünn, glitschig und ringeln sich. Stimmt meistens. Die auffälligste Wurmgruppe im Wattenmeer sind die Borstenwürmer mit der Gruppe der Vielborster (Polychaeta). Sie sind nur entfernt mit dem Regenwurm verwandt und sehen viel spannender aus. Die meisten haben seitliche Paddelfüßchen mit Borsten zum Graben, viele haben Fühler und Punktaugen, manche haben Rückenplatten, und einige besitzen sogar kräftige Kieferzangen, um Beutetiere zu packen. Im Wattenmeer kann man fast 100 Borstenwurmarten finden, in der gesamten Nordsee über 500! Hinzu kommen zahlreiche Arten aus den anderen Wurmgruppen Es gibt räuberische Würmer, es gibt Bodenfresser und es gibt planktonfressende Filtrierer im Watt. Besonders wichtig und bekannt durch seine Spaghettihäufchen ist der Wattwurm, der durch seine Fresstätigkeit die oberen 20 Bodenzentimeter alljährlich einmal umpflügt.
Muscheln Sie haben stets zwei Kalkklappen, die ihren weichen Körper umschließen. Manche Schalen sind stachelig, gerippt oder farbig, andere sind schlicht weiß. Wenn die Schale spiralig gedreht ist, handelt es sich um eine Schnecke, auch wenn oft fälschlich von ,,Seemuscheln“ oder ,,Muschelhörnern“ gesprochen wird! Muscheln fressen Plankton und andere Schwebstoffe, die sie mit ihren Kiemen aus dem Wasser filtern, und sitzen oft im Boden vergraben, wo sie vor Feinden geschützt sind. Im Wattenmeer gibt es etwa sieben Muschelarten, in der Nordsee über 60.
Die Herzmuschel ist die wohl häufigste Muschel im Wattenmeer. Ihren Namen hat sie vom herzförmigen Körperumriss bei seitlicher Betrachtung des Gehäuses. Unverwechselbar ist sie durch die wellige Außenstruktur ihrer Schale. Herzmuscheln sitzen einen Zentimeter tief im Boden und filtrieren Plankton aus dem Wasser. Eine drei Zentimeter große Herzmuschel filtriert stündlich 2,5 Liter Wasser! Falls sie einmal freigespült wird, kann sie sich mit ihrem Grabfuß schnell wieder in Boden vergraben. Die Miesmuschel. Ihr „Vorname“ kommt vom mittelhochdeutschen Wort ,,mies“ = Moos. Dies beruht darauf, dass sie braune Fäden spinnt (Byssusfäden), die wie Moos aussehen. Sie werden von einer am Fuß befindlichen Drüse ausgeschieden und mit der Fußspitze festgeheftet. Mit Hilfe der Fäden kann sie sich gegen Verdriftung schützen und sich aus dem Schlamm herausziehen, den sie durch ihre eigene Filtertätigkeit ansammelt. Diese häufige Muschelart lebt als einzige heimische Muschel oberirdisch. Dies ermöglicht ihr eine enorme Filterleistung zur Nahrungsaufnahme: eine drei Zentimeter lange Miesmuschel filtert bis zu 1 Liter Wasser in der Stunde.
Krebse Die Krebstiere sind im Meer so artenreich, vielfältig und interessant wie keine andere Tiergruppe. Manche sind groß und schmerzhaft, so wie Taschenkrebs und Strandkrabbe. Andere sind klein und scherzhaft, so wie Schlickkrebs und Quallenflohkrebs. Wieder andere sind sesshaft wie die Seepocken, und manche sind nahrhaft wie die Garnelen, die auf dem Krabbenbrötchen locken. Ein Teil des Erfolgsgeheimnisses der Krebstiere sind ihre Beine. Fast jedes Körpersegment kann Beine haben, und jedes Bein kann Seitenäste haben, die im Lauf der Evolution zu Kiemen, Paddeln, Scheren, Fächern oder Panzerplatten umgeformt wurden. Sogar den Düsenantrieb haben Krebse - die Meerasseln - durch Nutzung ihrer Bauchbeine bereits vor Jahrmillionen erfunden.
Die Nordseegarnele Krabben sind rundliche Krebse mit kräftigen Scheren. Was auf einem Krabbenbrötchen liegt, ist aber ganz anders geformt. Es sieht so aus wie das, was in Nordfriesland in der „Porrenpann“ gebraten wird. Und wenn ein ostfriesischer Fischer „Granat“ anbietet, dann verkauft er keine dunkelroten Halbedelsteine, sondern auch wieder diese länglichen Krebse - Nordseegarnelen eben. Nordseegarnelen sind langschwänzige Zehnfußkrebse von bis zu acht Zentimeter Länge. Sie sind sandfarben, haben kleine Scheren und lange Fühler und vergraben sich meist flach im Sand. Mit der Flut wandern sie auf die Wattflächen hinauf, mit der Ebbe zurück in die Priele.

Die Strandkrabbe Die Strandkrabbe ist nicht nur der prominenteste Krebs im Watt, sondern auch eine ökologische Schlüsselart, denn sie tritt häufig auf, ist eine wichtige Beute für Vögel und Fische und frisst selbst alljährlich 10 Prozent der Biomasse im Watt auf. Würmer, Muscheln, Schnecken, Aas und Algen sind die Nahrung der Krabbe. Jungkrabben müssen sich vor Fischen und Seevögeln fürchten und vor kannibalischen Verwandten, besonders wenn sie sich frisch gehäutet haben. Größere Exemplare werden von Brachvögeln und Möwen zerstückelt und verschluckt. Auch tauchende Eiderenten befördern Krabben erst ans Licht und dann in ihren Magen.
Der Seehund An den Küsten des Nordatlantiks sowie in Nord- und Ostsee ist der Seehund anzutreffen. Er kann sowohl an Felsküsten als auch auf den Sandbänken des Wattenmeeres leben. Als Fischfresser geht er bei Flut in den Wattströmen auf die Jagd. Seine Tastborsten an Maul und Augenbrauen helfen ihm, im trüben Wasser die Beute zu finden. Bei Ebbe lässt er sich auf Sandbänken trockenfallen. Sonnenbestrahlung ist für seinen Stoffwechsel wichtig (Vitamin D).

Auch die Pflanzen der Küstendünen sind klein, allerdings überwiegend aus Nährsalz- und Wassermangel. Die Kuppen der Dünen werden von der artenarmen Dünenheide besiedelt. Feuchte Dünentäler, die im Winter von Regenwasser überflutet werden, sind sehr viel abwechslungsreicher. Sie ähneln mit Wollgras, Sonnentau und Lungenenzian den Mooren. Ein Sonderfall sind die strandnahen Spülsäume, die eine stark abweichende Pflanzenwelt behergen.

Die Nacht war heiß. Für mich viel zu warm. Viel zu warm auch der Morgen mit strahlendem Tagesgestirn und Temperaturen, die einen Wetterfrosch von seiner Leiter ins Wasser getrieben hätten. Mich plagt die COPD, die chronic obstructive pulmonary disease. Eine chronische Erkrankung der Lunge, die auf entzündeten und dauerhaft verengten Atemwegen beruht. Typische COPD-Symptome sind Husten mit Auswurf und Atemnot bei Belastung. Und Belastung heißt bei diesen Temperaturen und der aufkommenden Gewitterneigung bereits das Gehen in langsamster Gangart.

Ich breche unsere Reise ab. Nix mehr mit Wilhelmshaven, kein Besuch im Butjadinger Land. Das muss verschoben werden. Nach dem Frühstück gibt’s also heute nur noch einen Kurzausflug mit dem Sauerstoffkonzentrator über der Schulter von wenigen hundert Metern durch die an den Stellplatz angrenzenden Salzwiesen Richtung Watt. Dann macht mir meine Ingrid den Troll reisefertig, klemmt die Stromleitung ab und verstaut sie im Wagen. Ich habe unterdessen hinter dem Lenker Platz genommen. Wohnmobilfahren: Kein Problem. Strengt mich nicht an, bringt mich nicht in Atemnot und macht mir zudem viel Freude.
Dann starte ich durch. Es geht nach Hause. Nun lernen wir die bunte Mischung aus Technik- und Produktwerbung eben nicht mehr kennen. Und ob die Veranstalter nun sehr traurig sind, dass wir den Event in den späten Nachmittags- bzw. frühen Abendstunden nicht besuchen werden, kann ich mir nicht vorstellen. Weil die Nordseeküste, Ostfriesland und das Wangerland für uns ja beinahe „vor der Haustür“ liegen, dauert es auch nur rund zwei Stunden, bis wir unseren Heimathafen in Steden anlaufen. Selbst eine Umleitung bei Wilhelmshaven sind in dieser Zeit noch drin.
Eines ist aber ganz sicher: Morgen früh werde ich bei meinem Lufa (Lungenfacharzt) das Telefon klingeln lassen. Es ist höchste Zeit für einen Besuchstermin. Bringt er mich schnell wieder auf die Beine, gibt’s bald wieder einen Start mit dem Troll. Ich habe in den vergangenen Wintermonaten noch eine interessante Tour mitten ins Herz Ostfrieslands vorbereitet.