Amerika Auch der Name der ehemaligen Kolonie ,,Amerika" in dem Ortsteil Heselerfeld hat seine eigene Geschichte. Dieses Gebiet war im 19. Jahrhundert noch nicht erschlossen und konnte nur durch erhebliche Anstrengungen der Kolonisten urbar gemacht werden. Während viele zu der Zeit nach Amerika auswandern mussten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, hatten die hier wohnenden Siedler ihr ,,Amerika" in Heselerfeld. Sehenswert ist der Amerikaplatz mit dem Totempfahl, der Grillhütte und dem Rastplatz. Der Name ist angeblich eine scherzhafte Anspielung auf die Auswanderung, denn die Geschichte beginnt Ende des 18. Jahrhunderts, als sich erstmals Kolonisten in der dortigen Wildnis ansiedelten. Die kleinen Landstellen boten den Siedlern jedoch keine ausreichende Existenzgrundlage und viele verließen, wie zahlreiche ihrer ostfriesischen Landsleute, daher ihre Heimat, um tatsächlich nach Amerika auszuwandern. Das Interessanteste an der Ortschaft ist allerdings, ehrlich gesagt, das Ortsschild.

Aus Wikipedia: ,,Der etwas kurios anmutende Name ,Amerika’ für eine nach 1765 gegründete kleine Kolonie westlich des Dorfkerns von Hesel geht wahrscheinlich auf eine ironische Bezeichnung der Heseler für die ,Neue Welt’ der armen Bevölkerung zurück, die aus dem Dorf in die neue Siedlung zogen. Mit der Auswanderungswelle von Ostfriesland nach Amerika hat der Name nichts zu tun, die setzte erst später ein. Das Gründungsdatum des Orts ist nicht bekannt, wahrscheinlich entstanden erste Siedlungen im 11. Jahrhundert.“

Nur wenige Kilometer nordwestlich davon, in Hovel bei Friedeburg, ist der Flurname ,,Closter Amerika" oder ,,Kolonie Amerika" bekannt, überliefert seit der Hannoverschen Grundsteuervermessung von 1830. Dort liegen am ,,Amerikaweg" zwei oder drei Gehöfte. Orte und Siedlungen mit dem Namen ,Amerika" gibt es außerdem in der Gemeinde Garrel (Landkreis Cloppenburg), in Noordveld (niederländische Provinz Drenthe) sowie viermal in Tschechien (Votice, Kyrice, Velké Mezirící und Pametice) und an der schwedischen Ostseeküste (Oskarshamn). Doch bevor wir uns auf die Russland-/Amerikatour machen, wollen wir die Firma Blume besuchen.

Porzellanmanufaktur Blume Haben wir Lust auf eine Teetied? Ich lese in der in der ,,Lektüre für Interessierte“ etwas über die Geschichte der Teekultur, die in Ostfriesland zelebriert wird. Mit Vorführung zum besseren „Verinnerlichen“. Während dieser Teezeremonie reichen uns die Gastgeber drei Tassen Ostfriesentee, ein Stück Kuchen sowie einen Friesengeist.

Die Geschichte der Heiko-Blume-Firmengruppe in Friedeburg/Ostfriesland begann im Jahre 1950, als der Vater des jetzigen Inhabers, Karl Blume, die Ostfriesischen Markenspirituosen gründete. Die Spirituosen nehmen nach wie vor eine herausragende Stellung im Unternehmen ein. Mehr als 70 Spezialitäten werden heute bundesweit über den Lebensmitteleinzelhandel und über den Discount vertrieben. Sanddorn liegt absolut im Trend. Das „Gold der Nordsee“ ist sehr gesund und es lassen sich tolle Produkte daraus herstellen. Der Vitamin-C-Gehalt der Sanddornbeeren übersteigt den von Zitronen und Orangen bei weitem.

Für den Ostfriesen ist Tee ein Grundnahrungsmittel. Tee ist wesentlicher Bestandteil der Lebenskultur. Mit großer Hingabe wendet sich die Manufaktur Blume diesen sinnlichen Produkten zu. Ihre feinen Schwarztee-, Kräuter-, Früchte- und Rotbuschteesorten genießen höchste Anerkennung, heißt es in der Firmendarstellung. Denn neben dem besonderen Geschmackserlebnis werde auch hier die Qualität und die Produktsicherheit groß geschrieben. Feinstes Porzellan ist seit Jahrhunderten Inbegriff für Luxus und Lebensqualität. Das Bemalen, Dekorieren und Brennen des „weißen Goldes“ ist hohe Handwerkskunst, die im Hause Blume in filigranster Weise gepflegt wird. Die traditionsreiche Prozedur der Porzellankunst kann dort besichtigt werden.

,,Lieber Besucher, wir bieten allen Urlaubern und Einheimischen ein unvergessliches Erlebnis in unserem Hause“, werden wir eingeladen. Wer kann da widerstehen? Und weiter: ,,Besichtigen Sie die einzige Porzellanmanufaktur in Ostfriesland. In Friedeburg können Sie bei einer Werksführung die Handwerkskunst des Bemalens, Dekorierens und Brennens des ,weißen Goldes’ erleben. Besichtigen Sie die Werkstatt und besuchen den Fabrikverkauf, in dem Sie viele regionale Spezialitäten finden können.“ Ob das auch mit Hund geht?

Ohne langes Suchen stehen wir gute zwei Stunden später in der Rußlandstraße 16. Haben Mühe einen Parkplatz zu finden. Auf dem firmeneigenem gegenüber dem Gebäude ist es verboten (nur für Werksangehörige!). Auf der einen Straßenseite ist Halteverbot. Also versuche ich es auf der Seite vor Blumes Haus. Geht auch nicht. Dann ein Grundstück davor. Dort fegt eine Frau in den mittleren Jahren gerade ihre Einfahrt. „Sie wollen hier parken. Das geht überhaupt nicht.“ ,,Warum? Hier steht kein Schild.“ ,,Hier stand ein Schild. Aber das ist ungefahren worden. Außerdem ist hier nur das Lager von Blume. Wenn Sie Werksbesichtigung machen wollen müssen Sie zurück. Ins Zentrum von Friedeburg. Vor der Kreuzung ist das Haus. Das sehen Sie dann schon.“

Ich drehe also um und fahre zurück. Und tatsächlich. Im leicht überschaubarem Zentrum sehen wir das Haus. Ist eigentlich auch nicht zu übersehen. Es hat einen großen Parkplatz. Rund ums Haus. Also nichts wie eingeparkt. Direkt hinter einem Bus aus dem Erzgebirge. Dessen Fahrgäste sind wohl gerade bei der Werksbesichtigung. Ich also nichts wie hin zum Eingang. Nichts wie hin zum Empfang. ,,Meine Gruppe besteht aus nur zwei Personen – meiner Frau und mir – können wir trotzdem eine Werksbesichtigung machen? Mit Über-die-Schulter-gucken beim Entstehen eines echten ostfriesischen Teeservice. Beim Bemalen desselben und beim Brennen? Wir freuen uns schon lange auf eine echte Teestunde in Ihrem Haus. So wie es in Ihrer Homepage steht.“

Und dann kommt’s von der eigentlich so freundlichen Angestellten wie eine kalte Dusche mitten im frostigen Dezember. ,,Werksbesichtigungen machen wir nicht mehr. Ein ostfriesisches Teeservice stellen wir auch nicht mehr her. Das verkaufen wir nur noch. Aber eine Teestunde bieten wir noch an mit anschließendem Besuch unserer Verkaufsausstellung. Aber nur noch für größere Gruppen. Für eine Zwei-Mann-Gruppe schon lange nicht mehr. Und mit Hund geht eigentlich auch nicht, weil wir ja ein Betrieb sind, der auch Lebensmittel (Tee, Getränke mit und ohne Alkohol) anbietet.“ Am Ende macht die Gute eine Ausnahme: ,,Wenn Sie den Hund auf den Arm nehmen, geht das. Dann dürfen Sie in den Verkaufsraum. Muss aber schnell gehen, denn bald kommt eine große Gruppe.“

Mein Einwand, dass nun auf der Homepage der Firma Blume von der Adresse bis zum Angebot von Betriebsbesichtigungen einiges bös im Argen liegt, zieht nicht. „Das habe ich unserem Chef auch schon gesagt, aber da ändert sich nichts.“ Was sich allerdings geändert hat, sind die Preise für das Service mit der Ostfriesenrose. Statt rund 130 Euro wie in Greetsiel, soll das überaus hübsche Service mit sechs Tassen, sechs Untertassen, sechs Kuchentellern, mit Teekanne und Stövchen 59 Euro und ein paar Zerquetschte kosten. ,,Das sind hier die letzten Stücke. Danach ist das bei uns ausgelaufen. Das gibt’s dann nicht mehr nach.“ Da kann ich nun nicht widerstehen. Trotz ausgefallener Werksbesichtigung, trotz entgangener Teestunde, trotz erheblicher Missstimmung im Bauch geh’ ich mit einem Teeservice mit der echten Ostfriesenrose unterm Arm aus dem Verkaufsraum.

Danach besuchen wir drei die Touristeninformation. Die nette Dame hinterm Tresen hilft uns mit einem Stadtplan bei der Suche nach Russland und Amerika weiter. Endlich klappt mal was wie’s soll. Nach einer halben Stunde und einer ,,Rundfahrt“ durch die Außenbezirke Friedeburgs haben wir die Ortsschilder ,,im Kasten“, samt Totempfahl und Blockhaus. Nun ist Zeit, den Troll gen Wiesmoor zu steuern.

Wiesmoor

Die Geschichte der ,,Blüte in Ostfriesland“ liest sich in der Selbstdarstellung des kurbeitrags-freien Luftkurortes so: Als im Jahre 1633 vier Emder Bürger damit begannen, ein endloses Moorgebiet durch Abtorfung urbar zu machen, entstand das Timmelerfehn, heute Kern der Nachbargemeinde Großefehn. Aber fast zwei Jahrhunderte sollte das Moorgebiet um Wiesmoor noch in seinem ,,Dornröschenschlaf" ausharren, bis Anfang des 19. Jahrhunderts der preußische Staat das zwischen Aurich und Wilhelmshaven gelegene 12.000 Hektar große unbewohnte Hochmoorgebiet - das Wiesmoor - zum Abtorfen und zur Besiedelung freigab. Als ,,umweltfreundlichen Energiekreislauf" würde man heute das Konzept der ersten Stunde bezeichnen: Aus Torf wurde Energie gewonnen im Torfkraftwerk Wiesmoor, das 1909 als eines der ersten, Dampfturbinen zur Stromerzeugung einsetzte. Schon 1925 kam man auf die Idee, riesige Gewächshausanlagen zum Anbau von Gurken und Tomaten zu bauen, die mit dem überschüssigen Dampf des Kraftwerkes beheizt wurden. Über viele Jahrzehnte bildeten die Torfgewinnung, das Kraftwerk, die Gärtnerei und die Landwirtschaft auf neu gewonnenen Böden die Lebensgrundlage für Wiesmoor. Heute ist die Torfgewinnung zum großen Teil eingestellt und Wiesmoor setzt auf den sanften Tourismus, den Gartenbau und die Landwirtschaft. Anstelle der Treibhäuser und Gemüsegärtnerei entstand eine Großgärtnerei zur Aufzucht von Pflanzen, Sträuchern und Topfblumen.

Wikipedia schreibt dazu: ,,Bis ins späte 18. Jahrhundert war das heutige Stadtgebiet völlig unbewohnt, da es einen Teil des ostfriesischen Zentralhochmoors bildete und somit über Jahrhunderte eher Barriere zwischen den historischen Gauen Auricherland und Östringen war. Bislang ließen sich nur wenige Spuren finden, die die frühere Anwesenheit von Menschen belegen. Erst ab 1780 wurden Teile des heutigen Stadtgebietes dauerhaft besiedelt. Die Entwicklung erfolgte dabei von außen nach innen, das heißt, dass die am Stadtrand liegenden Ortschaften deutlich älter sind als der heutige Stadtkern selbst.

Wiesmoor ist die jüngste Stadt Ostfrieslands und eine der jüngsten Städte Niedersachsens. Als einzige der ostfriesischen Städte verdankt Wiesmoor seine Entstehung der Industrialisierung, konkret der ab 1906 einsetzenden industriellen Abtorfung des Moores. In der Stadt wurden nacheinander die drei wesentlichen Phasen der Moorkolonisierung in Ostfriesland durchlaufen: zuerst die ungeplante Moorkolonisierung in Streusiedlungen, die Kolonisierung durch Fehnkanäle und schließlich die industrielle Moorkolonisierung. Die Stadtrechte erhielt die Kommune am 16. März 2006. Die Stadt ist seit 1977 als Luftkurort anerkannt; der Tourismus ist neben dem Gartenbau und der Milchwirtschaft ein maßgeblicher Wirtschaftsfaktor.“

Mir kommt Wiesmoor wie eine ziemlich hektische Stadt vor. Eine Stadt mit vielen Autos, vielen zugeparkten Parkplätzen und wenig bis gar kein Raum, um ein Gefährt wie unseren Troll abzustellen. Mit vielen hastenden, quirlig durcheinanderwuselnden Männern und Frauen. Ich spare mir also den Halt. Mitmischen im Menschengewühl können wir Zuhause im benachbarten Bremen oder Bremen-Nord ausleben. Das müssen wir nicht auf einer Tour durch Ostfriesland. Ab geht’s zu Blumenreich mit Blumenhalle und Gartenpark.