Sniertjebraten (niederdeutsch Snirtjebra, kurz Snirtje) ist ein beliebtes ostfriesisches Fleischgericht. Es besteht aus großen Schweinefleisch-Stücken, traditionell meist aus dem Nacken oder der Schulter, als Festessen auch aus Filet oder Braten, die vor dem Anbraten mit Nelken, Piment, Wacholderbeeren und Lorbeerblättern vermischt werden. Die Fleischstücke werden zusammen mit vielen Zwiebeln angebraten. Bei der Verwendung von Filet muss der Braten einige Zeit durchziehen, ansonsten wird das Fleisch mindestens zwei Stunden geschmort und so besonders zart. Dazu kann etwas Mehl, Wasser zum Ablöschen sowie Salz und Pfeffer zum Würzen zugefügt werden. Wer möchte, kann zum Abbinden Tomatenmark hinzufügen oder mit Sahne abschmecken. Zum Snirtjebraten werden in Ostfriesland vor allem Rotkohl, Gewürzgurken, Rote Bete, Kürbisstückchen und Salzkartoffeln gereicht.

Ursprünglich war der Snirtjebraten das gemeinsame Essen nach dem Schlachten eines oder mehrerer Schweine. Die Schweine wurden meistens am frühen Morgen geschlachtet. Der fettreiche Nacken oder die Schulter wurden als Erstes aus dem Schwein herausgeschnitten und grob zerteilt, gewürzt, angebraten und während der restlichen Schlachtung geschmort. Ist das Schwein komplett zerlegt, werden dann gegen Mittag mitunter auch die Nachbarn (wenn man die leiden kann) zum fertigen Essen eingeladen.

Brutzelbraten Im Buch ,,Großmutters Friesische Landküche", finde ich den ostfriesischen „Brutzelbraten“. Zutaten: 500 g Schweinenacken, 500 g Schweineschulter, 1 TL Senf, Salz, Pfeffer, Paprikapulver, 1 Zwiebel, ½ l Brühe, 10 g ausgelassene Speckwürfel, 300 g Kartoffeln, Mehl, Ei, Panierbrot Zubereitung: Schweineschulter und -nacken klein schneiden, mit Senf und Gewürzen kräftig einreiben und über Nacht ziehen lassen. Am nächsten Tag von allen Seiten kräftig anbraten. Danach mit etwas Brühe im eigenen Saft rund 40 Minuten schmoren. Zwiebelringe schneiden, in Mehl, Ei und Panierbrot panieren und in Fett frittieren. Kartoffeln kochen, in Scheiben schneiden und in der Pfanne mit etwas Fett, Speck und Zwiebelringen knusprig braten.

Am nächsten Morgen schickt die Sommersonne ihre Strahlen vom Himmel. Schönwetterwolken ziehen ihre Bahn. Ein Tag, wie aus dem Bilderbuch. „Der Strom ist weg“, meldet sich meine Ingrid und reißt mich aus meinen Gedanken. Der sollte eigentlich (laut Schild am Zähler) 24 Stunden fließen. Die sind noch längst nicht um. Ich werfe einen Euro nach. Der Kühlschrank läuft wieder und das Kaffeewasser können wir auch elektrisch zum Kochen bringen. Alles wieder im grünen Bereich. Im grünen Bereich ist auch die Nacht für den am gestrigen Abend angekommenen Niederländer. Da der Kassierer den Platz bereits kurz nach Mittag ,,heimsucht“ und sich später nicht mehr blicken lässt, hat er nun eine Übernachtung zum Nulltarif. Damit’s auch so bleibt, startet er wenig später und passiert die Ausfahrt.

Nach gemütlichem Frühstück machen wir uns auf den Weg. Verlassen das Störtebekerland und steuern die Krummhörn an. Keine zwanzig Kilometer müssen wir fahren, bis wir die Zwillingsmühlen und damit den Platz in Greetsiel erreichen. Der liegt nun nicht mehr mitten in Ostfriesland, sondern am nordwestlichen Rand. Südlich der Leybucht und östlich des Greetsieler Nackens. Im Norden grenzt das Brookmerland an die Krummhörn, im Osten das Südbrookmerland und im Süden der Dollart. Von den 55 Stellflächen sind rund zwei Drittel besetzt. Nun haben wir jede Menge Platz zum Aussuchen. Und im Gegensatz zu einem früheren Besuch der Puppenstube am Meer, klappt’s auch mit dem Stromanschluss. Drei Euro für 24 Stunden Strom, elf Euro für den Platz. Noch immer macht die Sommersonne ihrem Namen alle Ehre. Weiße Wölkchen versprechen uns einen angenehmen Tag. Es bleibt sommerlich. Beim Ausflug ins Dorf, entlang des Hafens und während der Einkehr in ein Bäckerei/Restaurant, beim Einkauf frischer Brötchen und ,,sündhaft teurem“ Nordseekrabbenfleisch. Wir gönnen uns (genau gewogen) 578 Gramm davon und ich löhne dafür 28,84 Euro. ,,Wat mutt, dat mutt“, würde nun ein Ostfriese sagen. Schließlich ist die letzte größere Investition in diese Leckerei ja schon sieben Monate her. Die ersten 135 Gramm verputze nach der Rückkehr zum Troll zwischen zwei Brötchen. Ingrid hat sich vorgenommen, ihren Anteil an der Beute noch ein wenig zu schonen.

Nicht verwunderlich ist um diese Jahreszeit, dass sich Heerscharen von Touristen im Ortskern und am malerischen Hafen tummeln. Das Gedränge erinnert mich unwillkürlich an einen Sommer- oder Winterschlussverkauf. Und wir mittendrin. Am malerischen Hafen entlang, einmal durch die Innen,,stadt“, anschließend gemütlich zum Troll zurück. Neugierig wie ich nun einmal bin, kann ich es nicht lassen, in zwei Ladengeschäften mit dem ostfriesischen Teeservice vorbeizuschauen. Im ersten kostet das komplette Geschirr – so wie wir es in Friedeburg gekauft haben – stolze 1.000 Euro, im zweiten rund 130 ,,Das ist aber nicht das echte, sondern nur eine Nachahmung“, erklärt die Verkäuferin dort. ,,Das echte ist Stück für Stück handbemalt und heute kaum noch zu kriegen.“ Meine Ingrid komplettiert auf dem Heimweg zum Troll unser neues Service mit einer Kluntjezange. Damit sind wir servicemäßig komplett. Benutzt werden soll es allerdings erst, wenn wir wieder in Steden angekommen sind.

Pünten

Eine Pünte in Ostfriesland ist eine Selbstkurbelfähre, mit der wir uns über einen Wasserlauf ziehen können. Jede Pünte hat zwei Kurbelscheiben/Handräder zum Antrieb der Fähre. ,,Benutzen Sie bitte immer nur die Kurbel, die sich an der in Fahrtrichtung liegenden Seite der Pünte befindet“, steht in der Anleitung für die „Unwissenden“. Und in der Betriebsanleitung heißt es weiter: ,,In den Anlegebuchten wird die Pünte durch einen Mechanismus verankert, den Sie bei Fahrtantritt zunächst lösen müssen. Ziehen Sie dazu an dem entsprechend gekennzeichneten Hebel und betätigen gleichzeitig die Kurbelscheibe. Liegt die Pünte am gegenüberliegenden Ufer, dann können Sie sie mit der Antriebskurbel auf Ihrer Seite herüberholen. Zum Lösen aus der Verankerung müssen Sie mit dem Handrand kräftig an der Kette ziehen. Sind andere Nutzer mit der Pünte unterwegs, benutzen Sie bitte keinesfalls die landseitigen Handräder. Sie können die Überfahrt nicht unterstützen oder beschleunigen. Die gleichzeitige Nutzung der Kurbel auf der Pünte und an der Anlegestelle verursacht Betriebsstörungen. Achten Sie darauf, dass die Pünte beim Anlegen wieder richtig in den Verankerungsmechanismus einrastet, damit es weder beim Verlassen oder Betreten der Fähre noch durch ihr Abtreiben zu Unfällen kommt. Und bitte beachten Sie die Betriebszeiten der Pünte (8 - 20 Uhr).“ Und was ist, wenn wir um 20.15 Uhr an der Pünte ankommen. Müssen wir dann im freien Feld übernachten? Auch bei Dunkelheit oder Nebel ist eine Nutzung der Pünten nicht zulässig.

In Ostfriesland gibt’s an einem Tag alle vier Jahreszeiten, habe ich einmal gehört. Das trifft auch auf diesen Tag zu. Er verabschiedet sich nachdem der Morgen wie ein Frühling begann, mittags dann als Sommertag fortgesetzt wurde, nachmittags mit Böen in der Stärke zwischen fünf und sechs, die einem Herbsttag zur Ehre gereicht hätte. Die Temperatur macht am Abend einen Absturz auf rund zehn Grad (wie im norddeutschen Winter) und die Regenschauer treibt der kräftig aufgekommene Wind vor sich her. Noch ein paarmal klatscht während der Nacht das Nass von oben auf das Dach des Troll. Am Morgen zeigt sich der Himmel Grau in Grau mit ziemlich dunklen, vom kräftiger Brise getriebenen Wolkenfetzen. Dann klart es auf. Die Sonne steht am blauen Himmel, an dem nur noch ein paar kleine weiße Wölkchen ihre Bahn ziehen. Aber immer noch weht es stark aus Südwest. Fast unmöglich einen Schirm vorm Umklappen zu bewahren. Also machen wir ohne Schirm aber mit Regenjacke ausgerüstet unseren zweiten Ausflug ins Dorf.

Es ist später Vormittag. Zwei der drei großen Pkw-Parkplätze sind bereits voll besetzt. Ankommende Busse ,,spucken“ ihre menschliche Fracht aus. Und die wogt einer Sturmflut gleich durch Greetsiel. Durch Greetsiels Straßen und Geschäfte. Bringt Gaststätten und Einzelhandel Umsatz und Gewinn. Da können wir uns nicht ausschließen und steigern das Bruttosozialprodukt an diesem Tag nach einer Runde am Hafen und durch den Ort mit der Einkehr in den Imbiss in der Dorfmitte. Dort kostet das Jäger- bzw. Zigeunerschnitzel (für mich) einen Fünfer weniger als im Bäckerei/Restaurant nebenan. Ingrid bestellt sich Kibbelinge (das sind kleine, gebratene Fischstückchen). Dazu hat meine Copilotin Pommes geordert. Na gut, das ist zwar kein Festmenü, geschmeckt hat’s trotzdem, und satt geworden sind wir auch.

Eine gute Viertelstunde später zwingt uns ein heftiger Regenschauer zum Unterstellen. Als es wieder trocken ist, kehren wir zum Troll zurück. Für den Rest des Tages ist ,,Abhängen“ angesagt. Von oben scheint wieder die Sonne, und übers Land fegt ein kräftiger Wind. Gegen Abend – aber das kennen wir ja schon – setzen wieder die Regenschauer ein. Am morgigen Donnerstag soll es – muss es – wieder Richtung Heimat gehen. Für Freitagmorgen hat Ingrid bei ihrer Ärztin einen Termin. Und ich muss mich am kommenden Montag zur allmonatlichen Untersuchung beim Doc einfinden.

Nach dem Aufwachen stelle ich fest: Es kommt immer noch nass von oben. Gott sei Dank haben wir keine Eile. Die 160 Kilometer bis ins häusliche Steden schaffen wir in relativ kurzer Zeit. Dann hört der Himmel auf zu weinen. In aller Ruhe machen wir den Troll reisefertig. Dann wird die Fußmatte vor der Tür so gut es geht ausgeschüttelt, der Strom abgeklemmt. Langsam, ganz langsam rollen wir vom Platz an den Zwillingsmühlen. Damit wir nicht regenentwöhnt werden, gießt es unterwegs immer wieder. Mal ein bisschen, mal kommt’s wie aus Kübeln von oben.  Doch als wir in Stotel den Wesertunnel hinter uns haben, wird’s trocken. Wie im November vergangenen Jahres gönnen wir uns beim Chinesen in Hagen-Börstel ein üppiges Mittagsmenü als Abschluss dieser Tour. Kurze Zeit später laufen wir in den Heimathafen in Steden ein.