Katharina von Bora

Katharina von Bora, Tochter aus verarmtem Landadel, kam durch den frühen Tod der Mutter im Alter von sechs Jahren in eine Klosterschule, dann 1508 ins Zisterzienserinnenkloster Marienthron in Nimbschen bei Grimma, wo sie 1515 ihr Gelübde ablegte. Hier las Katharina mit ihren Ordensschwestern die ersten Schriften des Reformators Martin Luther, worauf bei ihr und anderen Nonnen der Gedanke zur Flucht reifte. In einem Versorgungswagen mit leeren Heringsfässern gelang die Flucht am Karsamstag 1523. Katharina konnte nicht nach Hause, weil dort auf die Rebellion und das Brechen des Gelübdes die Todesstrafe stand; sie zog mit neun ihrer Ordensschwestern nach Wittenberg, wo Luther sie alle aufnahm und in den Häusern seiner Freunde versorgte, Katharina etwa auch im Hause von Lukas Cranach.

Martin Luther musste nun für die Nonnen sorgen und ihnen Ernährer, d. h. Ehemänner, vermitteln. Luther war recht erfolgreich, aber Katharina blieb übrig. Sie war zwar mit einem Theologiestudenten aus begütertem Nürnberger Patriziergeschlecht verlobt, doch als dessen Vater von der anstehenden Heirat mit einer entlaufenen Nonne erfuhr, rief er seinen Sohn nach Hause zurück. Als Luther darüber klagte, erwiderte Katharina ihm, dass sie - wenn überhaupt - sich nur vorstellen könne, seine Frau zu werden. Luther nahm den Vorschlag an - verblüfft, wie er später gestand. Die beiden heirateten am 13. Juni 1525, in dem Jahr, in dem der Bauernkrieg tobte. Luthers engster Vertrauter Philipp Melanchthon war entsetzt: wegen der als unschicklich empfundenen Zeit - immerhin wurden die Bauern zu Tausenden getötet, aber auch wegen der Wahl Luthers - Katharina war ihm zu stolz und zu eigensinnig. Die katholischen Gegner Luthers verfassten zotige Flugblätter über den Mönch und die entlaufene Nonne. Erasmus von Rotterdam dagegen lobte: Luther fängt jetzt an milder zu werden und wütet nicht mehr so mit der Schreibfeder; nichts ist so wild, dass es nicht beim Weibchen zahm würde.

Katharina brachte Ordnung in Luthers Leben im ehemaligen Augustinerkloster. Luther gestand, dass er über ein Jahr lang seine Strohmatte im Schlafzimmer nicht mehr gewechselt und aufgeschüttelt hatte. Obwohl Luther ein gutes Einkommen als Theologieprofessor erhielt, hatte er nie Geld, denn täglich kamen Bettler und Hilfesuchende. Er gab mit freien Händen. Oft musste Katharina die beiden Kelche, welche sie zur Hochzeit vom Kurfürsten geschenkt bekommen hatten, im Pfandhaus einlösen, um Bargeld zu haben. Katharina übernahm das Regiment über Haus und Hof, Ställe und Zimmer, Bankkonten und Schuldentilgung. Sie ließ das Haus ausbessern und frisch anstreichen, machte aus dem Mönchsfriedhof im Kloster einen Kräutergarten, verwandelte das Erdgeschoss in einen Schweinestall, ließ das Backhaus herrichten. Sie drängte Luther dazu, den angrenzenden Garten mitsamt Bach und Fischteich zu kaufen. Der Teich wurde 1533 zum ersten Mal abgefischt, Luther konnte zwischen mehreren Fischsorten wählen und war mit dem Kauf ausgesöhnt.

Da auf dem alten Kloster ein Braurecht lag, begann Katharina Bier zu brauen. Luther liebte es als Nachttrunk so sehr, dass er - als er einmal monatelang in der Coburg weilte - schrieb, sie möge ihm doch ein Fässchen davon zukommen lassen. Luther kaufte auf ihre Veranlassung weitere Gärten und Güter, auf denen sie Viehzucht und Obstanbau betrieb. 1544 auch einen Weinberg, schließlich einen Hopfengarten. Scherzhaft nannte er seine Frau ob ihrer Begabung zur Verwalterin Herr Käthe. Ohne Katharina von Bora wäre der Reformator wohl im Chaos des Alltags versunken und die lutherische Reformation nicht vorangekommen. Für manche Zeitgenossen war Katharina die Xanthippe der Reformation, für andere die Lichtgestalt im Hause Luthers, Vorbild für Generationen von evangelischen Pfarrfrauen.

Die Luthers bekamen sechs eigene Kinder, dazu kamen elf, die sie aus der verarmten oder verwitweten Verwandtschaft aufnahmen, außerdem Knechte und Mägde, Gäste und Studenten - denn von einem Professor wurde damals erwartet, dass er eine eigene Burse hatte. (Burse bezeichnet eine Gemeinschaft, die aus einer gemeinsamen Kasse lebt.) Bald war jedes Zimmer im Kloster bewohnt, viele Menschen mussten versorgt und verköstigt werden, durchschnittlich 40 Personen saßen täglich am Tisch in Luthers Haus. Katharina organisierte alles und trieb auch das Geld ein, dabei war sie unerbittlich und oft mehr als besorgt über die großzügige Freigebigkeit ihres Mannes, der nur zu leicht über die große Güte und Freigebigkeit des Himmels zu reden pflegte. Katharina stellte ihn oft zur Rede, er machte dann in seinen Tischreden deftigste Anmerkungen zum Wesen der Frau: So haben die Weiber noch eine schärfere Waffe als die Zunge, nämlich die Tränen. Was sie mit Reden nicht erreichen könnten, erlangten sie mit Weinen.

Von Katharina ist nur ein einziger persönlicher Brief erhalten geblieben. Aber Luthers Briefe an sie sind erhalten und zeigen das Bild einer treu sorgenden Mutter. Neben der Verwalterin wird eine Frau sichtbar, die sich ihrer Kinder annimmt, sich um Bildung und Ausbildung bis zum Studienplatz kümmert und mit viel Wärme die eigene Familie pflegt. Ein besonders schwer empfundener Schicksalsschlag war der Tod von Tochter Lenchen. Abends, wenn Luther am Schreibtisch seiner unaufgeräumten Studierstube arbeitete, saß sie neben ihm, ihren Spinnstock in Bewegung, berichtete aus Familie und Stadt, und besprach, was er schrieb. 1542, vier Jahre vor seinem Tod, schrieb Luther sein Testament. Eine Witwe konnte rechtlich nicht selbstständig auftreten, deshalb bestimmte er Philipp Melanchthon und andere Freunde zum Vormund für Katharina und seine Kinder. Nach Luthers Tod erbte Katharina zwar das gemeinsame Vermögen, aber die Pest und der Schmalkaldische Krieg verwüsteten Wittenberg und ihre Besitztümer. Sie musste mehrmals Wittenberg verlassen um sich zu retten, und sie musste Schulden machen, um die Landwirtschaft wieder aufzubauen.

Verwandte und Nachbarn erhoben Ansprüche - Katharina führte einige Prozesse, um ihren Besitz zu retten. Auf der Flucht vor Pest und Krieg reisten sie und ihre Kinder im Lande umher, immer weniger Freunde nahmen sie auf. Das Schwarze Kloster musste sie verkaufen, Geldgeschenke des Königs von Dänemark halfen beim Kampf ums Überleben. Die Freunde Luthers ließen sie im Stich, andere verhöhnten sie bereits zu Lebzeiten, doch sie kämpfte unverdrossen für ihr Recht und die Zukunft ihrer Kinder. 1552 musste sie Wittenberg wegen der Pest und Missernten erneut verlassen. Sie flüchtete nach Torgau, vor dessen Toren ihr Fuhrwerk verunglückte. Sie brach sich einen Beckenknochen und starb drei Wochen später, am 20. Dezember 1552, in Torgau an den Folgen. In ihrem Sterbehaus befindet sich heute ein ihr gewidmetes Museum. Die genaue Grabstelle in der Torgauer Marienkirche ist unbekannt, doch ein Grabmonument erinnert an sie

Kürzer als der Hin- gestaltet sich der Rückweg zum Troll. Nach einem kurzen Regenschauer einmal quer durch den Außenbereich des Schlosses mit beeindruckender Fassade und einem sehenswerten Innenhof. Wenige Schritte weiter sind wir wieder an der Elbe und damit am Stellplatz. Und – Glück gehabt – kurze Zeit später kommt es wieder knüppeldick von oben. Noch einmal ein heftiger Gewitterschauer. Dann ist es mit Schlechtwetter für diesen Tag vorbei. Ein angenehmer Sommerabend während des ,,perfekten Dinners“ und den anschließenden Nachrichten. Wechselhaftes Wetter soll es allerdings morgen auch geben, sagt der Wetterfrosch im Ersten. Mal sehen, ob er recht hat. Hier an der Elbe kann es dann ruhig regnen. Wir sind morgen unterwegs. Nach Quedlinburg im Harz.

Schloss Hartenfels -Schauplatz

von 500 Jahren Weltgeschichte

Kaum ein Ort vereint derart viele Namen der Geschichte auf so engem Raum wie Schloss Hartenfels: Martin Luther, Lucas Cranach, Heinrich Schütz, Zar Peter I. und Napoleon. Sie alle prägen die Geschichte von Schloss Hartenfels in Torgau als bedeutendes kurfürstliches Schloss, Festungsensemble und Meilenstein der Kirchen- und Architekturgeschichte. Schloss Hartenfels gilt als das einzig erhaltene Schloss der deutschen Frührenaissance. 2012 erfolgte durch den Landkreis Nordsachsen und die Stadt Torgau beim Freistaat Sachsen die erste Stufe der Antragstellung für die Aufnahme von Schloss Hartenfels in die Liste des Unesco-Weltkultur-Erbes.

Nach dem Tod Friedrich des Weisen im Mai 1525, der bereits Schloss Hartenfels als Residenz ausgebaut hatte, machten seine Nachfolger Torgau zum politischen Zentrum. Sein Bruder Johann, der bereits seit dem Tod ihres Vaters Ernst Mitregent gewesen war, wurde Kurfürst. Johann stand der Reformation positiv gegenüber und pflegte ein freundschaftliches Verhältnis zu den Reformatoren, was ihm seinen Beinamen „der Beständige“ einbrachte. Unter ihm wurde Torgau zum politischen Zentrum der Reformation. 1526 wurde der Torgauer Bund gegründet, eine Interessenvereinigung protestantischer Landesherrn. Sein ältester Sohn Johann Friedrich folgte ihm 1532 nach. Er vollendete den Ausbau von Schloss Hartenfels. So entstand 1533 bis 1536 die „unglaubliche Treppe“, der Große Wendelstein, der Architekten noch heute Rätsel aufgibt. Baumeister Konrad Krebs entwarf sie ohne stützenden Mittelpfeiler. Wie eine Spindel schwingt sie sich ohne Stütze über zwei Stockwerke nach oben. Am oberen Portal befindet sich die erste plastische Darstellung Luthers in einem Medaillon. Im Oktober 1544 weihte Martin Luther die Torgauer Schlosskirche ein, den ersten protestantischen Kirchenneubau.

Hartenfels galt einst als modernes Wohnschloss. In einem Flügel des Schlosses befasst sich eine Dauerausstellung mit der Geschichte Torgaus als Haftort im 20. Jahrhundert. Fotos, Dokumente, Biografien und Video-Interviews beleuchten das Wehrmachtstrafsystems im Nationalsozialismus, die Geschichte der Sowjetischen Speziallager und den Strafvollzug der DDR in Torgau.

Im Bärenfreigehege leben echte Braunbären. Auch das ist eine alte Tradition. Ein erster Bärenfang wurde schon 1425 erwähnt. Als das Schloss nach der Residenzzeit anderen Zwecken diente, u.a. als Kaserne, gab es allerdings keine Bären. Anfang der 1950-er Jahre  haben Torgauer Bürger das Freigehege im Schlossgraben gebaut. Das erste Bärenpärchen kam damals als Geschenk des Leipziger Zoos.

2015 war Schloss Hartenfels Veranstaltungsort der 1. Nationalen Sonderausstellung im Rahmen der Lutherdekade. Die neue Dauerausstellung in den Kurfürstlichen Gemächern wird am 10. September 2017 unter dem Titel ,,Standfest. Bibelfest. Trinkefest. Johann Friedrich der Großmütige - Der letzte Ernestiner Kurfürst“ eröffnet.