Gemütlich geht’s am Nachmittag zu. Im Troll. Im Warmen. Für Tisch und Stühle vor unserem rollenden Ferienhaus ist es viel zu kalt und viel zu windig. Doch auch drinnen schmeckt der mittags von meiner Ingrid servierte Spinat mit Spiegelei und Salzkartoffeln köstlich. Den Tag beschließt – wie meistens – das ,,perfekte Dinner“ um 19 Uhr bei Vox und die Nachrichten um 20 Uhr im Ersten. Morgen soll’s weitergehen. Nach Fedderwardersiel, das wir heute aus der Ferne beguckten. Ich weiß nur noch nicht, ob ich den Troll auf den ,,Billigplatz“ von Henken, den neuen Stellplatz an der Marina, den Campingplatz Fischerdorf  oder den nächsten Platz von Knaus lenken werde. Dort soll der Gang zur Toilette pro Person und Tag 3,50 Euro kosten. Genauso viel wie auf dem Knausplatz in Burhave und in Tossens.

Letztendlich entscheide ich mich für die Marina. Zehn Euro will der Hafenmeister laut Internet bis zehn Meter Mobil haben. So steht’s auch im Flyer des Yacht- und Freizeithafens. Inzwischen ist das handschriftlich auf zwölf Euro geändert. Strom pauschal für 2,50 Euro/Tag, Kurtaxe wie andernorts in Butjadingen 2,30 Euro, es sei denn, man kann einen Ausweis mit 80 Prozent Schwerbehinderung vorlegen. Das kann ich. Meine Ingrid nicht, die muss 2,30 zahlen. Unser Calle schlägt mit 0,50 Euro pro Tag zu Buche. Wofür eigentlich? Was bei ihm hinten rauskommt, sammelt meine Frau ein. Aber es gibt Freifunk/WLAN kostenlos. Hab ich probiert. Es funktioniert. Lediglich die Grauwasserentsorgung bedarf der Gewöhnung. Nur mit Schlauch möglich und unter etlichen Verrenkungen. Dafür stehen wir dann in erster Reihe auf grüner Wiese, haben Yachthafen, Watt und Wesermündung samt Leuchttürmen und Containerfrachtern im Blickfeld. Links und rechts gibt’s Nachbarn, aber mit etlichen Metern Abstand. Und weil alles so schön ist, spielt auch das Wetter mit. Sonnenschein erst ohne, dann mit Wölkchen, und am Nachmittag mit endlos blauem Himmel. Wieder einmal mit einer ziemlich kalten und frischen Brise, die sofort nach dem Aufgehen des Tagesgestirns einsetzt und die weiß überfrorenen Wiesen am Morgen abtaut.

Nach dem Einparken, Strom anschließen und der obligatorischen Tasse Tee, marschieren wir drei gen Hafenmeile. Dort ist am späten Vormittag zwar noch nicht ,,die Hölle“ los wie sonst am Wochenende, aber immerhin reger Betrieb. Nach einer Runde am trockengefallenen Hafen - es ist Ebbe - , einem Besuch bei der Fischereigesellschaft und dem Edekamarkt Henken treten wir den Rückweg mit zwei Päckchen Kaffee, mit Heringssalat, mit Makrelenfilet und Matjes an. Schade nur, dass der Wind immer noch nicht begriffen hat, dass der Dezember längst vorbei ist und es langsam auf Ende April zugeht. Nur die Hartgesottenen sitzen in den Stühlen vor ihren Mobilen.
Das Erste hatte gestern Abend  Regen angekündigt. Der bleibt aus. Was nicht ausbleibt, ist der frische Wind, der die Fahnen auf den Campingplätzen bearbeitet, als wolle er sie in Fetzen von den Masten holen. Beim morgendlichen Gang an den Hafen frischt Ingrid unsere Fischbestände auf. Der Wetterfrosch hatte gestern Abend auch von steigenden Temperaturen erzählt. Wir hatten uns gefreut. Zu früh. Es ist fast genauso saukalt wie in den Tagen zuvor. Also nach kurzem Ausflug zurück ins Warme. Zurück zum Troll. Und weil Hafenmeister in der Regel alles tun, um ihre Gäste bei guter Laune zu halten, hatte sich auch der Wächter über Boote und Mobile angestrengt. Vorm Troll qualmt ein verspätetes Osterfeuer. Lässt Priel und Watt in dicken Rauchschwaden unsichtbar werden. Glück im Unglück: Der Wind steht aus der richtigen Richtung. Der Qualm belästigt uns nur optisch. Bis zum Abend. Es hat sich wohl noch nicht bis Fedderwardersiel herumgesprochen, dass solche Feuerchen außerhalb der Karwoche in Niedersachsen verboten sind und eigentlich mit einem saftigen Bußgeld belegt werden. Uns bleibt für den Rest des Tages unsere qualmfreie Landyacht und am Abend ein kurzer Gang ans Watt, als der Brand weitgehend erloschen ist. Morgen soll’s – wenn’s Wetter zulässt – nach Tossens gehen. Auf den Knaus Campingplatz mit separaten Stellflächen für Wohnmobile vor dem Platz.