,,Der beste Freund von Tossens ist das Watt“, stellt das europaweit agierende Unternehmen CenterParcs im Internet fest. ,,Wenn sich das Meer zurückzieht, patschen sie los: kleine Grüppchen von Naturliebhabern und Entdeckungsfreudigen mit ihren Wattführern. Und was sie erleben, hält lange nach und lässt sie wiederkommen: eine atemberaubende Naturkulisse mit einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt. Und dann wissen sie, weshalb das Wattenmeer neben dem Great Barrier Reef und den Galapagos-Inseln zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt wurde.“

Auf der Fahrt nach Tossens begegnen uns nur wenige Mobile, obwohl Sonnabend und damit Wochenende ist. Ob’s am Wetter liegt? Wie auf der Straße bietet sich mir auch das Bild auf dem Stell- vor dem Campingplatz. Wo sonst dichtes Gedränge herrscht, stehen nur drei Mobile. Wir sind das vierte, das sich auf dem grünen Rasen einen Platz zum Ausruhen sucht. Wenig später haben wir uns eingecheckt und machen uns auf den Weg über den Deich ins Dorf. Der Wind nimmt mir den Atem, obwohl er von hinten kommt. Es dauert, bis wir das ausgesuchte Lokal erreicht haben. Auch dort – bis auf ein paar Gäste – gähnende Leere. Mein Jägerschnitzel samt Pommes und Ingrids Räucherlachs mit Backkartoffeln stehen nach wenigen Minuten auf dem Tisch. Wir sitzen im Trockenen und draußen klatscht wieder einmal ein Schauer an die Scheiben.  Anschließend geht’s zum kurzen Abstecher in den Butjenter Küstenmarkt. Hier wird alles feilgeboten, was das  Touristenherz begehrt. Da reicht die Palette von Leuchttürmen in Rot-Weiß über Blau-Weiß, über kleine und große Schäfchen bis hin zum Piratenschiff mit und ohne Totenkopffahne. Danach zurück zum Troll. Diesmal gegen Wind. Das fällt mir schwer. Verdammt schwer. Ich kriege kaum Luft und quäle mich die Treppe am Deich hoch. Danach geht’s zwar runter und dann geradeaus, aber das Gehen fällt mir nicht leichter. Aber irgendwann sind wir vor dem nächsten Schauer wieder am Troll. Ich schwöre mir, heute keinen Fuß mehr vor die Tür zu setzen. Inzwischen dürfte ein Lüftchen der Stärke sechs bis sieben, in Böen vielleicht auch acht oder neun übers Watt Richtung Land wehen. Stark genug, den Sand vom nahen Spielplatz in mehr oder weniger dichten ,,Wolken“ über -zig Meter zum Deich zu tragen. Wir drei beobachten dieses Treiben hinter schützenden Scheiben. Am Himmel jagen weiße und dunkle Wolken um die Wette. Die ersteren lassen immer wieder Sonnenschein durch, die zweiten schicken ihre nasse Fracht zur Erde.

Gerichte

von der Küste
Typische Gerichte der Friesen habe ich bereits bei vorherigen Fahrten an die Küste beschrieben. Hier soll also nicht mehr die Rede sein von Grünkohl, Labskaus, Buntem Huhn, Grönen Heini, Updrögt Bohnen, Mehlpütt und Insett Bohnen, von Sniertje- und Brutzelbraten. Stattdessen von weiteren Highlights aus Deutschlands Norden. (Sofern nicht anders erwähnt, sind alle Zutaten für vier Personen berechnet.)
Aal in Gelee: Leider sind die Fänge in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Daher ist Aal nicht nur vom Geschmack, sondern auch vom Preis zu einer wahren Delikatesse geworden.
Zubereitung: 1 kg Aal, ¼ Liter Weinessig, 2 Zwiebeln, Salz, 1 ½ Liter Wasser, 8 Blatt weiße Gelatine. Den Aal säubern (nicht abziehen) und in Portionsstücke von etwa zehn Zentimeter Länge schneiden. Den Weinessig mit den Zwiebeln und etwas Salz ins Wasser geben. Dann den Fisch hinzugeben und in dem siedenden Essigwasser 15 bis 20 Minuten garen lassen. Die Portionsstücke herausnehmen. Die Brühe zum Klären durch ein Sieb gießen und wieder in den Topf geben. Erneut aufkochen. Dann die aufgelöste Gelatine hinzugeben. Die Aalstücke in eine passende Steingut-, Porzellan- oder Glasschüssel geben und mit der Flüssigkeit übergießen. Zwei Tage stehen lassen. Dann mit Bratkartoffeln servieren.

Apfelfleisch: Das Zusammenkochen von Obst und Fleisch ist eine besondere norddeutsche Eigenart. Das ist zwar nicht jedermanns Sache, doch wenn man sich beim Obst an die angegebenen Mengen hält, bekommt das Gericht auf keinen Fall einen zu säuerlichen Geschmack.
Zubereitung: 500 g durchwachsenes Suppenfleisch, 50 g Butter, ¼ Liter Wasser oder Fleischbrühe, eine Zwiebel, 1 kg Äpfel, je 1 Prise Zucker und Salz. Das Suppenfleisch weichkochen, in kleine Würfel schneiden und in einen Schmortopf geben, in dem man bereits die Butter zerlassen hat. Dann die Fleischbrühe oder Wasser und die kleingeschnittene Zwiebel hinzugeben sowie die in Viertel oder Achtel geschnittenen Äpfel. Mit Zucker und Salz abschmecken. Das Ganze bei geringer Hitze gut durchschmoren lassen. Mit Salzkartoffeln servieren.

Biersuppe mit Brot: Die Biersuppe ist ein uraltes friesisches Gericht, dass schon vor über zweihundert Jahren gekocht wurde, als man teilweise das Bier noch selbst braute. Biersuppe wurde früher bei den Bauern schon frühmorgens gegessen. Insbesondere bei kaltem Wetter und nach getaner Arbeit war sie ein ideales Stärkungsmittel.
Zubereitung: 2 Liter Braunbier (dunkles Bier), 250 g Feinbrot oder eine andere Brotsorte bzw. –reste, 1 Ei, Zucker nach Geschmack, 1 Prise Salz. Das Bier in eine Schüssel geben, dazu das Brot und alles einweichen lassen. Das Ganze durch ein Sieb geben und aufkochen. Vom Feuer nehmen, das Ei aufschlagen, mit dem Zucker verrühren und in die Biersuppe geben. Mit Salz und wenn nötig noch mit Zucker abschmecken.

Buchweizengrütze mit Milch: In manchen Gegenden war Buchweizen das Hauptnahrungsmittel. Mit Wasser oder Saft, manchmal auch mit Milch, wurde der Weizen gekocht. An Sonn- oder Feiertagen kam auch mal ein Schuss Rahm drüber. Kenner der friesischen Küche halten die dünne oder dicke Buchweizengrütze für die beste von allen. Und das will in den Land, in dem es ein ,,Heer von Grützen“ gab, schon etwas heißen.
Zubereitung: 1 Liter Vollmilch, 150 g Buchweizengrütze, etwas Salz. Die Milch zum Kochen bringen, die Buchweizengrütze hinzugeben und etwa eine Stunde auf kleinster Flamme und unter mehrmaligem Umrühren quellen lassen. Mit Salz abschmecken und mit kalter Milch servieren.

Granat mit Ei: An der Küste - und nicht nur dort -  wird Granat mit ,,Krabbe“ übersetzt – das ist aber, genau genommen, falsch. Denn eigentlich ist die Garnele gemeint, der kleine, zierliche Meereskrebs mit dem langem, wohlschmeckenden Schwanz. Nach dem Fang wird er noch an Bord der Kutter in Salzwasser gekocht, da sonst das eiweißreiche Fleisch verderben würde. Für dieses Gericht sind allerdings die ,,normalen“ kurzschwänzigen Krabben genauso geeignet. Zubereitung: 4 Eier, 1 Esslöffel Milch, 1 Prise Salz und 125 g Granat. Aus den Zutaten Rührei anrichten und neben dem Granat auf einen Teller legen. Schwarzbrot mit Butter wird meist dazu gegessen (andere Brotsorten gehen natürlich auch).