Ostfriesische Knüppeltorte: Woher die Torte eigentlich ihren Namen hat, weiß heute keiner mehr so genau – nur dass sie auch weiterhin beim Kaffeeklatsch auf den Tisch kommt. Das Rosenöl verleiht diesem Kuchen übrigens eine besondere Note – auf  ¼ Liter Wasser kommt dabei 1 Tropfen des kostbaren Öls.
Zubereitung: Für die Füllung 500 g Mehl, 300 g Butter; 3 Eier, 20 g Zucker, 50 g Butter zum Ausbacken. Für die Masse 500 g Zucker, knapp ¼ Liter Rosenwasser, 1 g Nelken, abgeriebene Schale einer Zitrone, je 125 g gestiftelte Mandeln und gewürfeltes Zitronat, 50 g gewürfeltes Orangeat. Zunächst die Füllung vorbereiten, indem man die Zutaten miteinander vermischt und gut durchknetet. Dann kleine Kugeln aus diesem Mürbeteig formen und sie in einer Pfanne goldgelb ausbacken. Nun den Zucker mit dem Rosenwasser zum Kochen bringen und die übrigen Zutaten darin aufkochen lassen. Diese Masse mit den gebackenen Kugeln vermischen, das Ganze in eine mit gefettetem Papier ausgelegte Kastenform bringen. Mit Papier bedecken und mindestens 24 Stunden stehen lassen. Den Kuchen, der sich sehr lange hält, vor dem Verzehr in dünne Scheiben schneiden.

Miesmuscheln nach friesischer Art: Die Miesmuschel, auch Pfahlmuschel genannt, ist die wichtigste essbare Muschelart, die an den europäischen und nordamerikanischen Küsten vorkommt. Bereits im 13. Jahrhundert stellten französische Fischer fest, dass Miesmuscheln an Holzpflöcken besser gedeihen als auf dem Meeresboden. Sie legten deshalb erste Muschelkulturen an. Die ,,Auster des kleinen Mannes“ wird heute insbesondere an den Küsten Nordfrankreichs, den Niederlanden und Ostfrieslands gemästet.
Zubereitung: 3 kg Miesmuscheln, 1 Bund Suppengrün (Porree, Sellerie, Möhre, Petersilie), 40 g Butter, 2 bis 3 Zwiebeln, 10 Pfefferkörner, 1 Prise Salz, 1 großes Glas Weißwein. Die Muscheln unter kaltem, fließenden Wasser gründlich waschen und bürsten. Nun den Sud aus Suppengrün, zerlassener Butter, den zu Ringen geschälten Zwiebeln, Pfefferkörnern, Salz und dem Weißwein zirka 10 bis 15 Minuten vorkochen. Danach die Muscheln hinzufügen. Die Muscheln mit Wasser bedecken und 6 Minuten bei starker Hitze kochen. Die Muscheln mit einer Kelle herausnehmen und heiß servieren. Dazu isst man Schwarzbrot mit Butter. Ein Tipp: Sollte die eine oder andere Muschel nach dem Kochen noch geschlossen sein, bitte nicht verzehren. Sie könnte nicht in Ordnung sein.

Gebratene und eingelegte Heringe: Schon Bismarck schwärmte: ,,Wäre der Hering so selten wie der Kaviar, würde man ihn als feinsten Leckerbissen gelten lassen.“ Der ,,Eiserne Kanzler“  hatte recht. Was früher noch als ,,Arme-Leute-Essen“ galt, ist heute zur Delikatesse geworden. Und das nicht nur, weil der Hering inzwischen seltener und recht teuer geworden ist. In meiner Jugend gab’s Zuhause jeden Freitag Hering – gebraten, geräuchert, eingelegt. Damals, in den 40-er und 50-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kostete ein ,,grüner Hering“ zehn Pfennig.
Zubereitung: 1 kg Heringe, Salz, Mehl, ¾ Liter Wasser, ¼ Liter Essig 2 Zwiebeln, 1 Teelöffel Salz, Bratfett. Die Heringe schuppen, ausnehmen und waschen. Abtrocknen und je nach Geschmack mit Salz bestreuen. Durch Mehl ziehen und in das siedend heiße Fett geben. Von beiden Seiten je 5 Minuten braun und gar braten. In der Zwischenzeit die Marinade aus ¾ Liter Wasser ¼ Liter Essig und den in Scheiben geschnittenen Zwiebeln herstellen. Darunter einen Teelöffeln Salz rühren. Die abgekühlten Fische in eine Steingut- oder Porzellanschüssel geben und mit der Marinade übergießen. Mindestens einen Tag stehen lassen. Mit gut in Fett geschwenkten Bratkartoffeln servieren

Der Wetterfrosch im Ersten verheißt uns für die kommende Nacht und den morgigen Sonntag nichts Gutes. Ein ausgewachsenes Tief  soll uns von der Britischen Insel weiter einen durchwachsenen April bescheren. Mit Sturm und Regen und mit Temperaturen, die unserem Gasvorrat alles abverlangen. Immerhin können wir bei immerhin klarer Sicht die Silhouette des Ölhafens und des Weser-Jade-Ports in Wilhelmshaven sehen. Als sich das Tageslicht verabschiedet, verabschiedet sich auch das Nass von oben. Doch der heftige Wind mit seinen Böen hält uns die Treue. Wieder schaukelt uns der Troll in den Schlaf. Stampft wie ein Dampfer bei hohem Seegang. Schüttelt sich bei jeder besonders starken Bö. Dazu klappert die Abdeckung auf meinen E-Bike, als wenn Wellenschlag beständig gegen die Bordwand klatscht. Irgendwann schlafe ich ein. Als mich Morpheus in den Morgen entlässt, steht die Sonne am Himmel. Ziehen weiße und dunkelweiße Wolken ihren Bahn. Bläst der Nordwest immer noch in voller Stärke. Gott sei Dank bleibt es trocken. Nur einmal befeuchten ganz, ganz kleine Regentröpfchen die Scheiben des Troll. Und damit’s nicht langweilig wird, leuchtet am Regelknopf der Heizung ein rotes Licht. Gasvorat ist alle.

Nix wird’s mit Anziehen im Warmen. So schnell es geht, wird der Schlafanzug gegen Hemd und Hose getauscht. Ganz oben schützt mich die Wollmütze, ein Stück tiefer der Rollkragenpulli und eine gesteppte Weste. Dann geht’s raus. Gasanschluss wechseln. Ich verrate kein Geheimnis wenn ich gestehe, dass es mir bei diesem heftigen Wind einiges abverlangt. Ohne mobilen Sauerstoffkonzentrator kann ich kaum atmen. Doch endlich ist’s geschafft. Ich japse, was das Zeug hält und trete den Rückweg an. Gefrühstückt wird anschließend bei angenehmer Temperatur. Meine Ingrid will ins ,,Dorf“, will noch einmal die heimische Wirtschaft ankurbeln. Ich halte mich zurück. Mache winke, winke und werde meine Kräfte für die Mittagszeit schonen. Gegen halb zwölf soll Hochwasser sein, steht im Tidenkalender. Dann will ich, nein, dann wollen wir die wenigen hundert Meter ans Wasser zurücklegen. Endlich die Schaumköpfe auf den Wellen aus der Nähe sehen, die wir gestern in luftiger Höhe vom Deich aus beobachten konnten.

Es dauert eine ganze Weile, bis sich meine Copilotin wieder am Troll einfindet. Neugierig – wie ich nun einmal bin (von Berufs wegen) – zerre ich Stück für Stück der Sachen, die nun in Tossens die Wirtschaft angekurbelt haben, ans Licht. Mit dabei ein paar Hüttenschuhe aus dem Butjenter Küstenmarkt, die ich gestern gesehen und bewundert habe. Nett, dass meine Angetraute daran gedacht hat. Künftig werde ich im Bett - unterwegs und auch Zuhause - keine kalten Füße mehr bekommen, wenn die Decke wieder einmal zu kurz geraten ist. Die ist leider immer zu kurz, weil ich ein gehöriges Stück von ihr benötige, um mich obenrum warm einzupacken. Nach der obligatorischen Teepause soll’s noch einmal losgehen. In Richtung Friesenstrand, Richtung Watt und Richtung Wasser.
Dick eingepackt wegen der arktischen Temperatur und des immer noch starken Windes stehe ich abmarschbereit vorm Troll. Da baut sich fast wie aus dem Nichts eine dunkle, ganz dunkle, riesige Wolke über uns auf. Sekunden später kommt’s nass von oben. Wir sind beileibe nicht wasserscheu, doch das ist zu viel. Den niedergehenden Schauer reiten wir im Troll ab. Nutzen die Zeit für ein gemütliches Mittagessen (Nudeln mit Tomatensoße und Würstchen) und starten wenig später erneut. Calle fliegen fast die Dackelohren weg, als ihn die Böen zu fassen kriegen. Glücklich sieht er bei diesem Kurzausflug nicht aus. Ingrid bringt ihn zum Troll zurück.

Danach erneuter Start. Diesmal klappt’s. Zumindest bis zum Strand mit der kleinen Imbissbude. Dort erwischt uns der nächste Schauer. Doch auch hier ist Unterstellmöglichkeit. Hinter dem Tresen des Standes für Gebackenes, Gebratenes und Trinkbares wartet eine gelangweilte Verkäuferin. Bei gutem Wetter stehen die Kunden Schlange. Doch heute ist kein Geschäft zu machen. Auch nicht mit uns. Unser reichliches Mittagessen hat ihr den Umsatz verdorben. Bevor uns der nächste Schauer die Sicht nimmt, gelingt uns der Blick über die engste Stelle des Jadebusens hinüber nach Wilhelmshaven. Zum Ölhafen und zum Weser-Jade-Port. Dann geht’s zurück zu unserer Landyacht. Für den Rest des Tages ist ,,Abhängen“ angesagt. Draußen weht’s weiter, über uns sind mal ein Stückchen blauer Himmel, mal schwarze Wolkenbänke zu sehen, die ihre Fracht zu Erde schicken. Ein paar Stunden später läuten die Lindenstraße und die Nachrichten im Ersten den Abend ein. Morgen, Montag, soll’s weitergehen. Eckwarderhörne ist die letzte Station unserer Rundreise durch Butjadingen. Wenn’s glückt, beehren wir dort den im bunten Flyer beschriebenen Naturcampingplatz von Knaus.

Eckwarden und Eckwarderhörne Geschichtliche Besonderheit: Das ,,Preußeneck“ hat mal Kaiser Wilhelm gekauft. Hans-Rudolf Mengers schreibt im Rüstringer Heimatbund: „Preußen erwirbt 1853 von Oldenburg Land an der Jade zur Anlage eines Kriegshafens; dazu gehört auch der äußerste Zipfel von Eckwarderhörne (Preußeneck).“ In Wikipedia lese ich: Der Wohnplatz Eckwarderhörn im Amt Burhave (ab 1858 Amt Stollhamm) östlich des Jadebusens hatte am 20. Juli 1853 noch keine Einwohner. An diesem Tag schloss Preußen mit dem Großherzog Nikolaus Friedrich Peter von Oldenburg den Jade-Vertrag, mit dem die Übernahme des Schutzes für die Seeschiffe des Großherzogtums Oldenburg durch Preußen geregelt werden sollte. Gleichzeitig trat Oldenburg zwei Gebietsteile zur Bildung des Jadegebietes an Preußen ab. Einer dieser Gebietsteile war der Wohnplatz Eckwarderhörn. Die Verwaltung des Jadegebiets wurde 1854 auf die preußische Admiralität übertragen. Am 5. November 1854 wurde eine provisorische Verwaltung eingerichtet. Zur zuständigen Oberbehörde wurde das Königlich Preußische Admiralitäts-Kommissariat in Oldenburg bestimmt. Am 14. Mai 1855 folgte die Einführung der preußischen Gesetze. Aus dem Jadegebiet wurde am 1. April 1873 die Stadt Wilhelmshaven. Im Rahmen der Regelungen des Groß-Hamburg-Gesetzes trat die Stadt Wilhelmshaven 1937 den Wohnplatz Eckwarderhörn an die damalige Gemeinde Butjadingen im oldenburgischen Amt Wesermarsch ab.