In den Nachmittagsstunden erreiche ich den Forst-hausweg und damit das Ziel für die beiden kommenden Nächte. Erst am frühen Abend öffnet die Anmeldung im kleinen Holzhäuschen. Ich zahle für zwei Tage 25,60 Euro und darf mir dafür die rote, DIN-A-5 große Stand-berechtigung hinter die Scheibe klemmen. Mein Behin-dertenausweis bringt mir heute lediglich ein Ersparnis von 60 Cent pro Tag. Wo vor Jahren Dressurreiter um Siegprämien und Pokale kämpften, sind heute Reisemobile zu Gast. Umrahmt von einem Grüngürtel gibt’s 66 Plätze, die bei unserem Eintreffen allerdings bestenfalls zur Hälfte besetzt sind. Wir können uns einen aussuchen. Nehmen den, der nicht allzu weit von der Einfahrt  entfernt ist. Hat allerdings den Nachteil, dass er auch nicht weit von der Ver-/Entsorgung liegt. Egal. Für zwei Nächte in unmittelbarer Nachbarschaft zur Therme und zur nahen Bushaltestelle, um zum kleinen Preis ins rund 1,3 Kilometer entfernte Zentrum zu kommen, nehmen wir das in Kauf.

Bad Salzuflen
Der Fund des Faustkeils von Bad Salzuflen lässt darauf schließen, dass das Gebiet von und um Bad Salzuflen mindestens seit dem Mittelpaläolithikum, der mittleren Altsteinzeit, von Menschen besiedelt ist. Der Faustkeil gilt mit einem Alter von 350.000 bis 300.000 Jahren als das älteste gefundene Steinwerkzeug in Westfalen.
Mitte des 11. Jahrhunderts werden die Siedlung „Uflon“ und eine dort befindliche Salzstätte erstmals schriftlich erwähnt. „Uflon“ bedeutet in Altniederdeutsch „am Wald“ (uf oder up = auf oder an; lon oder loh = Nutzwald, lichter Wald, Gehölz). Später wurde daraus „Uflen“, auch „Mitteluflen“ oder „Dorf Uflen“.
Die Nutzung der salzhaltigen Paulinenquelle führte im Mittelalter zur Errichtung der ersten Saline. Diese Salzwerkstätten befanden sich an einem Ort, der noch heute „Salzhof“ genannt wird und dessen Brunnen im Wappen der Stadt dargestellt ist. Dank des einträglichen Salzhandels und der Förderung unter Herrschaft der Grafen von Sternberg vergrößerte sich der Ort. Um 1300 wurde eine erste Kapelle auf dem Hallenbrink errichtet. 1377 wird Salzuflen von den Sternbergern an die Grafen von Schaumburg verkauft. Im Jahre 1400 geht Salzuflen schließlich durch Verpfändung in den Besitz der Edelherren zu Lippe.
Während der Soester Fehde wurde das nur wenig befestigte Salzuflen 1447 von böhmischen Söldnern stark zerstört. Im Zuge des Wiederaufbaus erhielt der Ort um 1450 eine Ringmauer mit vier Toren — Schliepsteiner Tor nach Norden (Exter), Heßkamper Tor nach Nordosten (Vlotho/Wüsten), Ostertor nach Südosten (Schötmar), Herforder Tor nach Westen (Herford) — und drei Wehrtürmen, unter anderem der Katzenturm, der noch heute erhalten ist. 1488 erhält der so vergrößerte Ort durch den lippischen Landesherrn Graf Bernhard VII die Stadtrechte verliehen. Bis zum Dreißigjährigen Krieg florierte der Handel mit dem weißen Gold und brachte Reichtum in die Stadt. Prachtvolle Bürgerhäuser im Stil der Weserrenaissance und das alte 1545/47 erbaute Rathaus sind Zeugen dieser Blütezeit.

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) beendet die fast 200 Jahre andauernde Blütezeit der Stadt. Bei zahlreichen Truppen-durchzügen wird die Stadt schwer beschädigt. Die Anzahl der Stadtbewohner geht bis 1645 um mehr als die Hälfte auf 900 zurück. Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) wird die Stadt erneut schwer geschädigt. Im Jahre 1762 zerstört ein durch Blitzschlag verursachter Brand weite Teile. 1766 wurde die Saline an den Landesherrn Graf Simon August zu Lippe verkauft. Dieser ließ das Salzwerk grundlegend modernisieren und Gradierwerke errichten. Da alle Gewinne aus der Saline nun aber an den Landesherrn fielen, konnte Salzuflen hiervon nicht mehr profitieren. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt in Folge dessen nur langsam. Erst durch eine von Medizinalrat Dr. Heinrich Hasse gegründete Badeanstalt im Jahre 1818 begann allmählich der erneute Aufschwung Salzuflens zum Kurort. Bekannt geworden ist Bad Salzuflen durch den Kurbetrieb. Mit seinen drei Trink-, drei Thermal- und drei Solequellen hatte es den Status eines lippischen Staatsbades. Obwohl die Gründung des fürstlichen Solebads annähernd 100 Jahre zuvor erfolgt war, erhielt Salzuflen den Namenszusatz „Bad“ erst am 14. April 1914.
Die Heilkraft des Wassers führte dazu, dass neue Badehäuser entstanden und weitere Quellen erbohrt wurden, so zum Beispiel der Leopoldsprudel, dessen Brunnentempel sich mitten im heutigen Kurpark befindet. Die Entwicklung zum Kurort führte zu bedeutenden Veränderungen im Stadtbild. Die Saline auf dem Salzhof stellte die Salzproduktion ein und bildet heute den „Stadtplatz“, auf dem Wochenmarkt und Stadtfeste stattfinden. Die Gradierwerke entwickelten sich zu einem Ort, an den sich Menschen mit Atemwegserkrankungen zurückzogen. Im Laufe der Zeit verschwanden die alteingesessenen Industriesparten und wurden durch den Handel und das Kurwesen ersetzt, von dem auch die zahlreichen Pensionen der Stadt profitieren.
Der wirtschaftliche Aufschwung im 19. Jahrhundert hing auch eng mit den 1850 gegründeten Hoffmann’s Stärkefabriken zusammen, die später zum größten europäischen Stärkeproduzenten aufstieg. Mit Eröffnung der Bahnlinie Herford-Detmold erhält Salzuflen 1880 einen Anschluss an das Schienennetz; der Salzufler Bahnhof geht 1881 in Betrieb.

Die strategisch eher unbedeutende Lage bewahrte Bad Salzuflen während des Zweiten Weltkrieges weitgehend vor Bombenangriffen der Alliierten, so dass die Stadt den Krieg relativ unbeschadet überstand und nach Kriegsende zum Sitz mehrerer Militärmissionen wurde.
Im August 2015 wurde Bad Salzuflen als erste Kommune in Ostwestfalen-Lippe mit dem ECARF-Qualitätssiegel von der Europäischen Stiftung für Allergieforschung als „Allergikerfreundliche Kommune“ ausgezeichnet. Eine Vielzahl von Betrieben, unter anderem Friseure, Hotels und Lebensmittelgeschäfte, beteiligen sich an diesem Projekt, sodass einem Allergiker ein beschwerdefreier Aufenthalt ermöglicht wird.

Die Innenstadt weist noch immer eine größere Anzahl zumeist giebelständiger und reich beschnitzter Fachwerk-Dielenhäuser des 16. und 17. Jahrhunderts auf. So findet sich in der Fußgängerzone neben den Fachwerkhäusern Salzsiederstraße 2 (1551), Lange Straße 3 (1590) und Lange Straße 5 (1650) bis 9 eines der bedeutendsten noch erhaltenen Weserrenaissance-Ensembles in Ostwestfalen. Hierzu gehören die Häuser: Lange Straße 33 (1612), ein Fachwerkgiebelhaus mit reichem Schnitzwerk und Utlucht, Lange Straße 37 (1623), ein Fachwerkgiebelhaus mit Utlucht, sowie Lange Straße 41, Haus Obermeier, erbaut 1618 dessen reich geschnitzte Fassade im 19. Jahrhundert verändert wurde. In der ehemaligen Diele befindet sich ein fragmentarisch erhaltener Renaissance-Kamin. Im Haus war von 1982 bis 2010 das Stadt- und Bädermuseum untergebracht. Die Häuser in der Fußgängerzone sind alle gut erhalten, im Erdgeschoss aber meist durch Umbau zu Ladengeschäften mit Schaufenstern verändert.

Weitere nennenswerte Fachwerkhäuser befinden sich im Bereich um den Markt, so z. B. Am Markt 17 (1658), Steege 2 (1572) und Lange Straße 1 (1659), die teilweise über der Salze erbaut wurde. Die schönsten und in den vergangenen Jahren teilweise aufwändig restaurierten Häuser findet man aber in der Altstadt von Bad Salzuflen. Beispiele sind hier: Obere Mühlenstraße 1, das ehemalige Haus Backs ist wohl das prächtigste Fachwerkhaus der Stadt, Wenkenstraße 8 (1631), ein dreigeschossiges Giebelhaus über spitzwinkeligem Grundriss, Wenkenstraße 10a (1520), ein dreigeschossiges Giebelhaus mit massivem Untergeschoss sowie mit Backstein ausgefüllten Gefachen im Zierverband ist das älteste durch eine Inschrift datierte Gebäude, Schennershagen 9 (1550), dessen Erbauerin Anna Wange 1556 als Hexe verbrannt wurde, sowie das Ensemble, bestehend aus den Häusern Ritterstraße 2, 6, 8 sowie Schennershagen 2, 3, 4, die ab 1990 saniert, verbunden und zum Hotel Arminius (ab 1889 in der Ritterstraße 2) ausgebaut wurden. Eine Reihe weiterer restaurierter Fachwerkhäuser der Altstadt stehen in der Wenkenstraße, Dammstraße, Obere Mühlenstraße, Ritterstraße, Brunnengasse, Schennershagen sowie gegenüber der Stadtmauer in der Turmstraße.