Den Höhepunkt seines Ruhmes als Chirurg erlebte Johann Andreas Eisenbarth im Jahr 1716. Nachdem er in Berlin, Stargard und Stettin praktiziert hatte, war er Anfang Februar auf dem Weg nach Münster, als ihm in Magdeburg ein persönlicher Befehl des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. überbracht wurde: Er habe „sich alsofort nach Stargard zu begeben, Woselbst er sich beym Obristen Lieutenant Von Grävnitz“ melden möge, „welcher einen Schaden ans Auge bekommen“ habe, gegenüber welchem er „seinen äußersten Fleiß anwenden soll, solchem wieder zu helffen.“ Von allen Chirurgen Preußens wurde er demnach als der fähigste angesehen, dem Offizier zu Hilfe zu eilen: Eisenbarth entfernte mit Erfolg eine Kugel, die am rechten Auge in den Kopf eingedrungen war und am linken Auge herausgeschnitten werden musste. Ihm ist die Priorität der erfolgreichen Therapie der Sympathischen Ophthalmie zuzuschreiben. Zum Dank wurde Eisenbarth Anfang 1717 zum preußischen Hofrat und Hof-Augenarzt ernannt.
Der Eisenbarth-Biograf Eike Pies stellt in seinen Publikationen wiederholt heraus, dass Eisenbarth – im Unterschied zu anderen landfahrenden Ärzten – wiederholt und in kurzen Abständen die gleichen Orte aufsuchte und so lange blieb, bis auch die Phase der Rekonvaleszenz seiner Patienten abgeschlossen war. Dies sei zum einen Beleg für die Sorgfalt, mit der Eisenbarth seine Patienten auch nach einer Operation wundärztlich versorgte; zum anderen für die hohe handwerkliche Qualität seiner Eingriffe, da er so wenige Fehlschläge zu verzeichnen hatte, dass er es sich erlauben konnte, längere Zeit am gleichen Ort tätig zu sein und bald darauf erneut zu erscheinen.

Gleichwohl gab es auch Operationen mit tödlichem Ausgang.Nachdem Eisenbarth am 10. September 1714 in
Bremen bei einem 13-jährigen Knaben einen Blasenstein entfernt hatte, starb dieser zwölf Tage später. Und am 23. Oktober 1723 operierte er in Königsberg ein sechsjähriges Kind wegen eines Blasensteins, das sieben Tage später wegen einer Entzündung des Bauchfells verstarb. Beide Fälle – die einzigen dokumentierten Fehlschläge bei Blasenstein-Entfernungen – wurden amtlich untersucht und blieben den Archivalien zufolge offenbar folgenlos für Eisenbarth. Während nahezu 150 Bruchoperationen durch Quellen als belegt gelten, sind bislang keine „Kunstfehler“ bei diesen Operationen bekannt geworden; einzige Ausnahme ist der amtlich untersuchte Fall eines Kindes, das 1686 in Altenburg nach einer Bruchoperation verstarb, möglicherweise aber nicht an deren Folgen.

1721 starb in Magdeburg seine Frau Catharina Elisabeth, mit der er 35 Jahre lang verheiratet gewesen war. Ein Jahr später heiratete er zum zweiten Mal, und zwar die Witwe eines Kollegen aus Arendsee. Über sie und die offensichtlich unglückliche Ehe schrieb er in seinem Testament, dass „dieselbe bey meiner großen schwachheit, da Ich vom Schlage gerühret, mir wenig Gutheit erwiesen, Ja gar eins mahls ohne eigene Uhrsache von mir gegangen und Ich Ihr zu Ihrer Wiederüberkunfft 20 Reichsthaler schicken müßen, dannoch immer gedrohet wieder von mir zugehen, wan es nicht gleich nach Ihren Sinn und Kopffe hat gehen wollen“.Weder hat sie sich demnach um ihren im Alter kränklich gewordenen Mann gekümmert, noch hielt sie es mit der ehelichen Treue allzu genau.
Als Eisenbarth 1725 noch einmal Frankfurt am Main besuchte, plagte ihn bereits die Gicht, und er hatte offenbar bereits einen ersten Schlaganfall erlitten.Trotz Unterstützung durch seinen jüngsten Sohn Adam Gottfried, der dem Vater inzwischen bei schwierigen Operationen assistierte, häuften sich aber die handwerklichen Fehler. In Bremen wurde ihm daher 1726 erstmals eine Genehmigung zum Praktizieren verweigert. Ende August 1727 wohnte Eisenbarth auf der Durchreise in Göttingen im Gasthof ,,Zum schwarzen Bären“, wo es ihm offenbar so schlecht ging, dass er am 1. September sein Testament aufsetzte.
Von Göttingen aus begleitete ihn sein Sohn Adam Gottfried nach Münden, wo sie im Gasthof ,,Zum wilden Mann“ ein Zimmer mieteten und weiterhin Patienten empfingen. Am 6. November 1727 erlitt Johann Andreas Eisenbarth einen weiteren Schlaganfall; er starb fünf Tage später in der kleinen Stube im Gasthof. Am 13. November wurde sein Leichnam im Chor der Aegidienkirche beigesetzt. Sein Grabstein wurde rund 100 Jahre nach seinem Tod zwecks einer Wiederbelegung des Grabes aus dem Kirchenchor entfernt und an der Nordseite der Kirche abgestellt.

Johann Andreas Eisenbarth nutzte seine Privilegien nicht nur als Beweis seines Könnens gegenüber den Behörden, sondern auch als Werbung bei der Landbevölkerung. Anders als heute war es im 17. und 18. Jahrhundert – im Zeitalter des Barock – den Ärzten nicht verboten, Werbung für sich zu machen. Im Gegenteil: Während sowohl bei den in den Städten sesshaften Ärzten mit Medizinstudium als auch bei den ortsansässigen Handwerkschirurgen die Mundpropaganda genügte, um Zulauf von Patienten zu erhalten, waren die umherziehenden Landärzte darauf angewiesen, beim Publikum auf sich aufmerksam zu machen.
Zu den Werbemitteln zählten vor allem Flugblätter, die von Helfern verteilt wurden, wenn Eisenbarth sein Lager an einem neuen Ort aufschlug. In diesen Flugblättern wurden unter Verweis auf seine Privilegien die Krankheiten benannt, die er zu heilen vermochte, ferner wurden seine Heilmittel angepriesen. Hauptsächlich behandelte er Augenleiden (Staroperationen), Leisten- und Hodenbrüche, Blasensteine, Hasenscharten und Krebs. Er erfand eine Nadel zum Starstechen und einen Haken zur Polypenoperation, fertigte vielerlei Medikamente, aber auch Bruchbänder, künstliche Zähne und künstliche Augen selbst an.

Ab 1705 sind Inserate in Zeitungen vorhanden, in denen gelegentlich auch erfolgreich operierte Patienten als Referenz benannt wurden. Aus einem Flugblatt von 1698 geht hervor, dass seine Helfer an scharlachroten Uniformen mit silbernem Besatzstreifen zu erkennen und so von Betrügern zu unterscheiden waren, die sich seines Namens bedienten. Eisenbarth selbst war ebenfalls in einen scharlachroten Herrenrock gekleidet, trug eine Allongeperücke und darüber einen Dreispitz, wenn er öffentlich auftrat.
Um auf den Wochenmärkten, zu denen ihm seine Privilegien Zutritt verschafften, Publikum anzulocken, scharte Eisenbarth auch eine Komödiantentruppe um sich: auf der Höhe seines Erfolgs an die 120 Personen. Darunter waren neben den Schauspielern auch Trompeter und Trommler, Pferdeknechte und Köche, Zahnärzte und andere medizinische Helfer nebst einem großen Tross von Pferden und Wagen. Dass Eisenbarth – wie viele Landärzte seiner Epoche – von Gauklern begleitet wurde und seinen Aufenthalt durch Ausrufer ankündigen ließ, gab später Anlass zum Trink- und Spottlied, das ihn zwar zu Unrecht als Kurpfuscher darstellt, zugleich aber die Erinnerung an ihn bis heute wachgehalten hat.
Im Unterschied zu anderen Landärzten nahm Eisenbarth auf Marktplätzen – auf offener Bühne oder im Zelt hinter der Bühne – nur leichte Eingriffe vor. Er verzichtete auf solche Schaueffekte, sondern operierte seine Patienten in deren Wohnungen bzw. brachte Auswärtige in den Gasthäusern unter, wo er selbst logierte.
In seinem Sterbeort wurden seit 1950 im Sommer die Doktor-Eisenbarth-Spiele aufgeführt. Als Freilichtstück auf der Bühne vor dem Rathaus. Das „Dr. Eisenbarth-Spiel“ stellte das Wirken des Wanderarztes in gereimten Versen auf humorvolle Art dar. Am 4. September 2011 gründeten Mündener Bürger zusammen mit ehemaligen Mitspielern und Theaterbegeisterten den Verein „Doktor-Eisenbarth-Spiele Hann. Münden“, der sich zum Ziel setzt, Leben und Wirken des Wanderarztes darzustellen. Seit 2014 wird das Stück an einem neuen Spielort, dem Packhof, einem Lagergebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert, aufgeführt.
Von Mai bis Oktober finden in Hann. Münden außerdem an jedem Samstagmittag um 13.30 Uhr in der unteren Rathaushalle kostenfreie Sprechstunden mit seinen beiden Gehilfen Pickelhering und
Feuerspucker statt. Dabei zeigt er sein Können und befreit ,,Leidende“ von kleinen Wehwehchen. Am liebsten behandelt er Zahnschmerzen oder Nierensteine. Mit Narkosehammer und Schießeisen. Außerdem können beim Touristikverein Hann. Münden Erlebnisführungen und Hausbesuche mit „Doktor Eisenbart“ gebucht werden. Das täglich dreimal erklingende Glockenspiel im Giebel des Rathaus Münden mit dem Doktor-Eisenbart-Lied und einem Figurenumlauf zeigt den Chirurgen unter anderem beim Extrahieren eines Zahns (was der historische Chirurg nie getan hat).
Doch nicht nur in den Sommermonaten ist Doktor Eisenbarth in Hann. Münden tätig. Er kann auch zu anderen Zeiten von Gruppen für 99,- Euro gebucht werden. Dazu gibt’s Führungen für Gruppen bis zu 25 Personen (87,- Euro). Doktor Eisenbarth oder seine Frau Anna Rosina begleiten die Gäste in historischen Kostümen durch die Altstadt Hann. Mündens. Am Rathaus, dem Sterbehaus oder auch demGrabstein vor der Aegidienkirche erleben die Teilnehmer spannende Geschichte und hören Anekdoten aus dem Leben und den Behandlungsmethoden des fahrenden Medicus.
An einem Gebäude in der Langen Straße befindet sich eine farbige Holzstatue, die ihn mit Klistierspritze in den Händen und Arzneiflasche an seinen Füßen darstellt. An den berühmten Handwerkschirurgen, Wundarzt und Starstecher erinnern auch die Eisenbarthbrunnen in der Magdeburger Altstadt sowie in Oberviechtach und die Eisenbachfestspiele in Oberviechtach.

Die Pfingstfeiertage und das lange Wochenende sind just vorbei und es ist damit (hoffentlich) etwas entspannter auf Bundesstraßen, Autobahnen und  Stellplätzen. Wir starten am Pfingstdienstag gegen neun in der Früh bei wolkenlosen Himmel und strahlender Junisonne. Und weil ich (wieder einmal) von kilometerlangen Staus rund um Hannover im Radio gehört habe, lösche ich die Autobahn im Navi. Dass das ein Fehler war merke ich bereits nach knapp vierzig Kilometern. Die Tante im kleinen, schwarzen Kästchen lotst mich durch Bremen. Quer durch die Stadt. Das dauert eine geschlagene Stunde. Die Straßen sind voll, die Ampeln (und derer gibt es in der Hansestadt viele) scheinen alle auf Rot zu schalten, sobald sich unser Troll ihnen nähert. Vor den zahlreichen Kreuzungen stauen sich Fahrzeugschlangen. Wir mittendrin. Der Zeiger meiner Uhr hat die zehn bereits überschritten, als wir endlich das Häusermeer hinter uns gelassen haben. Ab nun geht es zügig voran. Erst an der Weser entlang. Wir passieren Hameln. Vorbei an Bodenwerder. Danach ist’s dann mit zügig vorbei. Unsere Navitante verlässt die Bundesstraße an der Weser und will uns Landschaft zeigen. Genauer: den Naturpark Solling-Vogler. Es geht ,,querfeldein“ über Straßen und Sträßchen. Bergrauf und bergrunter. Mit Steigungen bis zehn Prozent und jede Menge Haarnadelkurven.
Über uns ist aus dem blauen ein dunkelblauer Himmel geworden. Dann dauert’s nicht lange und es beginnt zu regnen. Ach was sage ich: Es beginnt zu schütten. Die Scheibenwischer schaffen es nur im Schnellgang, den Segen von oben von der Glasfront zu schaufeln. Und so schnell wie es begonnen hat, hört es nach einigen Kilometern auch wieder auf. Nun ist’s nicht nur heiß, sondern auch ziemlich schwül im und außerhalb unseres rollenden Ferienhauses.