Die Zierformen findet man aber auch an zahlreichen Gegenständen des Hausinventars sowie der Ausstattung von Kirchen, wie etwa Gedenktafeln, sogenannten Epitaphen, Kanzeln und Taufsteinen. Typisch sind auch zur Straße gewandte Anbauten in Form von Erkern, Utluchten und Treppentürmen. Außerdem wird die Straßenfassade im Bereich von Brüstungen und Portalen zum Schmuckträger aufwändiger Schnitzereien. Der Bautätigkeit in der zweiten Hälfte des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts liegen damit nicht nur eine prosperierende wirtschaftliche Konjunktur, sondern auch ein gewandeltes Repräsentationsbedürfnis der Erbauer zu Grunde.1946 wurde Höxter als Kreisstadt dem neu geschaffenen Bundesland Nordrhein-Westfalen angegliedert. Durch den Zuzug von Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten vergrößerte sich die Bevölkerungszahl erheblich. 1970 wurde durch den Zusammenschluss der Kernstadt mit den umliegenden Ortschaften des Amtes Höxter-Land und der Gemeinde Bruchhausen die Großgemeinde Höxter mit etwa 35.000 Einwohnern geschaffen. Heute ist Höxter als Kreisstadt des gleichnamigen Kreises und Universitätsstandort ein wichtiges Mittelzentrum der Oberweserregion.

Die Geschichte von Höxter ist untrennbar mit der ehemaligen Reichsabtei Corvey verbunden. Und so zeugen noch heute zahlreiche Bauwerke in der Stadt von der nahezu tausendjährigen Präsenz des Klosters und der heutigen Welterbestätte rund um das karolingische Westwerk. 822 wurde das Kloster Corvey gegründet. Kaiser Ludwig der Fromme erwarb die Siedlung Huxori und schenkte sie dem neugegründeten Kloster. Die Bürger der von Corvey abhängigen Siedlung profitierten sehr von der Klostergründung und der günstigen Lage an damals bedeutenden Fernhandelsrouten. Höxter stieg bald zum Marktort und zur Stadt auf. Später erhielten die Einwohner eigenes Recht und konnten eine der ersten Brücken im gesamten Weserraum und eine Stadtmauer bauen.
Mit dem wachsenden Reichtum ging aber auch ein Streben nach größerer Unabhängigkeit einher und so verschlechterte sich das Verhältnis zum Corveyer Stadtherren drastisch. Der Konflikt gipfelte 1265 in der Zerstörung der beim Kloster gegründeten Stadt Corvey durch die Höxteraner Bürger und den Paderborner Bischof. Mit Einführung der Reformation 1533 folgte eine Epoche geistiger Neuorientierung. In dieser Zeit entstanden die noch heute erhaltenen, prächtigen Fachwerkbauten der Weserrenaissance. Aufgrund der strategischen Bedeutung der Weserbrücke quartierten sich im Dreißigjährigen Krieg fortwährend fremde Kriegsparteien in der Stadt ein. Die Erstürmung durch kaiserliche Truppen im Jahre 1634 führte zum „höxterschen Blutbad“ durch das etwa ein Drittel der Bevölkerung ihr Leben verliert. Am Ende des Krieges sind Teile der Stadt verwüstet und die Einwohner völlig verarmt.

Der ,,Chirurg von der Weser“ Einer der berühmtesten deutschen Wundärzte und Spezialist für Augenoperationen im Hochmittelalter hatte seine letzte Wirkungsstätte vermutlich in Corvey, unweit von Höxter. 1988 führte Prof. Dr. Hans-Georg Stephan Ausgrabungen in der 1265 niedergebrannten Stadt Corvey im Weserbogen durch und fand in einem mit Brandschutt gefüllten Keller vier ungewöhnliche, medizinische Metallobjekte: zwei Nadeln aus Kupferlegierungen und zwei auffällige Eisengeräte. Die Nadeln dienten zum Nähen von Wunden. Die Eisenobjekte wurden als Schabeisen zum Ablösen der Kopfhaut bei Schädeloperationen und ein Brenneisen zum Behandeln von Wunden und Geschwülsten gebraucht.

Es handelte sich wahrscheinlich um die letzte Wirkungsstätte eines der bedeutendsten Chirurgen des Hochmittelalters. Der namentlich nicht bekannte und als ,,Chirurg von der Weser" überlieferte Mediziner war einer der berühmtesten deutschen Wundärzte des 13. Jahrhunderts. Obwohl sein Name nicht überliefert ist, sind doch einige Stationen des Arztes bekannt. Vermutlich zwischen 1200 und 1215 geboren studierte er um 1220/30 an der Universität von Bologna in Italien und anschließend in Montpellier. Das Studium bildete eine Ausnahme unter den Wundärzten, welche meist nur eine handwerkliche Lehre abgeschlossen hatten.

In Frankreich verfasste er medizinwissenschaftliche Abhandlungen, die weite Verbreitung fanden und seinen Ruhm begründeten. In Paris praktizierte er als Arzt und siedelte anschließend ins Weserbergland. Was den weitgereisten Spezialisten für Augenoperationen hierzu veranlasst hatte ist unbekannt. In Corvey operierte er erfolgreich den Magister Henricus an beiden Augen und soll ähnliche Eingriffe auch an anderen Personen durchgeführt haben. Bekannt war er mit Herzog Otto I. von Braunschweig und Lüneburg, dem er eine Veröffentlichung widmete. Sein medizinisches Werkzeug kann in der stadtgeschichtlichen Ausstellung in Corvey besichtigt werden.

Das Historische Rathaus ist um 1250 erbaut worden. Zwischen 1608 und 1618 erfolgte ein Umbau im Stil der Weserrenaissance bei dem das Gebäude den renaissancezeitlichen Fachwerkaufbau erhielt. Auch der reich geschmückte Erker mit der Justitia im Giebel und der Treppenturm entstammen dieser Zeit. Im hohen Mittelalter wurden hier Fernhandelswaren und lokale Erzeugnisse verkauft.

Am Gebäude finden sich zahlreiche Symbole der Corveyer Herrschaft: über dem Eingang in den Ratskeller der Kopf des hl. Vitus und auf den Dachgiebeln zwei Wetterfahnen von 1764 mit den Insignien des Stadtherrn, Krummstab, Schwert und Abtshut sowie einem Abbild des hl. Vitus.

Das Rathauses steht an einer wichtigen Fernhandelsroute zwischen dem Niederrhein, dem Harz und der Weserbrücke. Bis in das 13. Jh. war die Brücke an der Oberweser konkurrenzlos. Danach entstanden auch Brücken in Corvey, Hann. Münden und Bodenwerder. Der Corveyer Brückenbau verschärfte den ständig schwelenden Konflikt zwischen der Reichsabtei und der Stadt Höxter und führte 1265 zur Zerstörung der Stadt Corvey mit ihrer Brücke durch die Höxteraner Bürger und den Paderborner Bischof.

Aufgrund der Lage an wichtigen Wirtschaftswegen diente das Rathaus nicht nur als Versammlungs- und Gerichtsort, sondern war außerdem wirtschaftliches Zentrum der Stadt und Mittelpunkt des wesentlich älteren mittelalterlichen Marktes. Auf dem Markt im direkten Umfeld des Rathauses wurden neben auf dem Hellweg vertriebenen Fernhandelswaren auch lokale Erzeugnisse wie Lederwaren und Fleisch verkauft, aber auch Zähne gezogen.

Die romanische Kilianikirche aus dem frühen 12. Jahrhundert gehört mit ihrem zweitürmigen Westbau zweifellos zu den stadtbildprägenden Bauwerken in Höxter. Neben der gotischen Marienkirche ist sie der einzige erhaltene mittelalterliche Sakralbau in der Altstadt. Ein auffälliges Merkmal sind die unterschiedlich hohen Türme. Während der nördliche 48 m hoch ist, erreicht der südliche nur 45 Meter und diente früher als Wachtturm und städtisches Archiv.

Der Neubau der Nicolaikirche war ein damals Kraftakt für die katholische Gemeinde in Höxter. Wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 12. Jahrhundert entstand ein Vorgängerbau der Nicolaikirche direkt an der Stadtmauer am Nicolaitor. Das Stadttor selbst diente der einschiffigen Saalkirche als Glockenturm. Nach dem Siebenjährigen Krieg war die alte Kirche jedoch baufällig, drohte einzustürzen und wurde abgerissen. Für den notwendigen Neubau wünschten sich die Katholiken einen zentralen Ort in der Stadt. 1766 wurde die heutige Nicolaikirche im Stil des Spätbarock erbaut und 1770 durch den Corveyer Fürstabt geweiht. Die Finanzierung machte der kleinen Gemeinde große Schwierigkeiten. Dazu blieb die erhoffte finanzielle Unterstützung aus Corvey aus. Der ideenreiche Kaplan Loges machte eine Kollektenreise durch die süddeutschen Bistümer sowie eine Lotterie. Obwohl unansehnlich und stark durch Wurmbefall beschädigt, wurden daher anfangs die Altäre aus dem Vorgängerbau übernommen. Der heutige Altar wurde erst 1782 von dem Höxteraner Schreinermeister Schwarze angefertigt und aus dem Nachlass des damaligen Dechanten finanziert.

Die Dechanei in der Marktstraße 19 ist das wohl meist fotografierte Haus in Höxter. Im 14. Jahrhundert als Corveyer Lehnshof gebaut, 1564 bis 1571 als Adelshof des Rittmeisters Christoph von Amelunxen umgebaut gehört sie mit über 60 unterschiedlichen Fächerrosetten zu den sehenswertesten Gebäuden der Weserrenaissance.

Ein wenig abseits befindet sich das Adam-und Eva-Haus. 1571 wurde es von dem wohlhabenden Kornhändler Mollner errichtet. Seinen Namen verdankt es der Darstellung des Sündenfalls auf dem rechten Eckständer. Sehr ungewöhnlich und von herausragender Bedeutung sind die Darstellungen der Kreuzigungsgruppe, der Verkündigungsszene sowie die Christusfigur.

Am zweiten Morgen am höxterschen Weserufer lacht uns die Sonne ins Gesicht. Keine Spur von den gestern Abend angekündigten Regenwolken. Keine Spur von Sturm und Gewitter. So gegen halb zehn machen wir uns noch einmal auf die Socken in Richtung Innen-/Altstadt. Schwimmen mit im Getümmel von Sehleuten und echten Käufern. Bummeln noch einmal durch die Fußgängerzone. Einmal rauf und einmal runter. Kehren beim Italiener von gestern ein. Ich lobe den Servierer aus dem Süden Europas in höchsten Tönen. Für seine Freundlichkeit, für seine Professionalität und für sein ausgezeichnetes Eis, das er uns gestern auf den Tisch stellte. Eis soll es heute allerdings nicht sein. Statt dessen gibt’s Cappucino. Der steht wenige Minuten später vor uns. Ein Viertelstunde später verabschieden wir uns. Mit Handschlag. Noch einmal an den Schaufenstern entlang, Rossmann einen Besuch abgestattet, dann geht’s gemächlichen Schrittes zurück zum Troll. Auf dem Weg zum Platz wollen wir das Ticket verlängern. Um einen Tag für sieben Euro. Geht allerdings nicht. Der eiserne Kassierer ist defekt. ,,Legen Sie Ihre Parkkarte aus“ steht auf dem Display. Das ist natürlich Quatsch. Auf einer Parkkarte lässt sich bestenfalls die Zahl der Stunden errechnen, die wir parken. Für einen Tag. Mehr nicht. Und wir wollen über Nacht bleiben. Aber in Höxter gibt’s nichts zum Nulltarif. Von gestern wissen wir, dass der Platzwart am Abend zur Kontrolle kommt und zum Kassieren für diejenigen, die den Automaten nicht beachtet haben.