Wie unser Troll zu seinem Namen kam

Unsere beiden Trolle. Beide haben eine "Kartoffelnase".
Unsere beiden Trolle. Beide haben eine "Kartoffelnase".

"Unser Wagen muss einen Namen haben", sagt meine Ingrid. Und was meine Ingrid sagt, muss gemacht werden. Zumal unser mobiles Zuhause, unsere Ferienwohnung auf vier Rädern sich neben anderen Kleinigkeiten auch in der Namensgebung von anderen Mobilen unterscheiden soll. Nichts da mit "Zum Arbeiten zu alt, zum Sterben zu jung, zum Reisen topfit" oder "Hier fährt das Erbe unserer Kinder!" Alles zu platt, zu oft zu sehen. Außerdem zu unpersönlich. Individuell geht anders.

Ich überlege, denke nach. Einen Tag, zwei Tage, drei Tage. Dann kommen die Ideen, erst eine, dann zwei, drei, vier, fünf. Vielleicht sogar noch ein paar mehr. Das kann ich jetzt nicht mehr sagen. Die reichen von "Drei auf vier Rädern" über "Heute hier und morgen da" bis hin zu "Klabautermann" (weil ich früher mit dem Boot unterwegs war) und "Hein Mück" (der bekannte Hein Mück aus Bremerhaven). Meine Angetraute schüttelt bei so viel Kleinkariertem den Kopf. "Alles nix. Muss besser werden." Dann hat sie eine Idee. Eine einzige nur: "Unser Womo heißt Troll". Punkt. Ich stemme mich dagegen. "Troll? Wieso Troll?" "Weil ein Troll nicht nur symphatisch ist, sondern zwei der kleinen Gesellen seit einiger Zeit in unserem Wagen auf dem Armaturenbrett mitfahren. Oder schon vergessen?"

Geheimnisvoll grinsend
Geheimnisvoll grinsend

Nee, vergessen hab' ich das nicht. Schließlich habe ich die zwei Trolls - erst den einen und auf der nächsten Fahrt den zweiten - in einem Souvenierladen im Norden Europas zwar nicht ausgesucht (das hat mein Ehegespons) aber bezahlt. Wie könnte ich das vergessen. Seitdem fahren sie mit uns mit. Über Zehntausende von Kilometern. Ab und zu müssen sie geputzt werden. Aber ganz vorsichtig, weil sie so klein sind. Vor allem das strubbelige Haar fängt den Staub. Das ist dann nicht mein Job, das macht meine Ingrid. Dabei spricht sie mit unseren Trolls. Um sie zu beruhigen. Nicht auszudenken, wenn sie vom Armaturenbrett mir unters Gas- oder Bremspedal flüchteten. Dann bliebe außer einer flachen Masse nicht viel von ihnen übrig.

Warnung vorm Troll
Warnung vorm Troll

Wikipedia erläutert dazu: Ein Troll - auch Trold, Tröll (nordgermanisch Unhold, Riese, Naturwesen) - war ursprünglich Oberbegriff für alle plumpen, unheimlichen, übernatürlichen Wesen. Häufig verbarg sich dahinter ein schadbringender Riese der nordischen Mythologie. Besonders in Schweden und Dänemark vermischte sich diese Vorstellung in den Märchen mit denen von Zwergen und anderen Berggeistern. Teilweise auch mit menschenfreundlichen Feen und Elfen. So wurde Troll zum allgemeinen Ausdruck für jede Art von mehr oder weniger menschengestaltigen Fabelwesen. Als holzgeschnitzte Puppen gehören Trolle heute zum Kunsthandwerk Norwegens und Dänemarks und sind nicht nur bei Touristen beliebt. Meist sind diese Figuren bucklig, vierschrötig, mit einer langen Nase.

Norwegischer oder dänischer Troll.
Norwegischer oder dänischer Troll.

Auch in der schwedischen Folkore spielen Trolle - beiderlei Geschlechts - eine große Rolle. Hergestellt aus allen möglichen Materialien: Tannenzapfen, Holz, Steine, Zweige, Wolle und vielem mehr. Meist haben sie eine große Nase, die an eine Kartoffel erinnert. (Siehe unsere beiden Trolle, Bild oben, Mitte, unten.) Wichtig: Die schwedischen Trolle sind nicht unbedingt Schaden bringend. (Dann sind unsere beiden Trolle aus Schweden. Sie sind  geheimnisvoll, wenn sie sich so angrinsen. Und seit Jahren haben sie sich nicht vom Platz gerührt.)

Trolle leben der Sage nach im Wald. Und - wir haben es selbst gesehen - in den skandinavischen Vorgärten. Dort hausen sie in ihren Miniaturhäuschen, die den Wohnhäusern in Dänemark, Norwegen oder Schweden verblüffend ähnlich sind.

Isländische Trolle auf Büffeljagd.
Isländische Trolle auf Büffeljagd.

Island wurde von Norwegen aus besiedelt. Kein Wunder, dass es auch in Island Trolle gibt (Bild rechts). Viele Geschichten und Mythen  ranken sich um die Trolle. Und nicht selten sind markante Landschaftsteile nach Trollen benannt (die Felsbastion Skessuhorn am Berg Skaroesheioel zum Beispiel).

Und - hier sei es verraten - Trolle reisten zusammen mit den Wikingern in den Drachenschiffen bis hin zum fernen Nordamerika. Weit vor den Süd-Europäern. Schlichen sich, weil lange Fahrten auf hoher See nicht unbedingt ihr Ding waren, zu den Stämmen der Rothäute, nisteten sich dort ein und führten ein abwechslungsreiches Leben. Zwar nicht in Saus und Braus, aber immerhin nahe dran.

Und weil die Trolle im Laufe der Jahrhunderte über ganz Nordamerika ausschwärmten, sind sie in unserem Troll auf vier Rädern zusammen mit Abbildern der Ureinwohner der Neuen Welt gut aufgehoben.

Deutscher Brückentroll.
Deutscher Brückentroll.

Doch wir brauchen gar nicht nach Dänemark, Norwegen, Schweden oder Island zu fahren, um die Verwandtschaft unserer beiden Womo-Trolle zu besuchen. Sie sind auch bei uns Zuhause, kommen in deutschen Sagen und Märchen vor. Haben ihren Namen durch die Bewachung von Brücken oder Furten erhalten. Wer über den Fluss will, muss an den Troll Zoll entrichten oder ihm mit einer Gefälligkeit dienen (Bild links). Sie leben in den Texten von Terry Prachett. Christoph Hardebusch schreibt in seinen Romanen "Die Trolle", "Schlacht der Trolle" und "Zorn der Trolle""  eine komplette Geschichte über die kleinen Kerle. Henrik Ibsen erwähnt den Troll in seinem Drama "Peer Gynt", John Bauer illustriert in Schweden die Märchen "Bland tomtar och troll" mit ihnen. In Deutschland ist eine Auswahl der Märchen unter dem Titel "Trolle, Wichtel, Königskinder" erschienen.

Unser Troll mit Kartoffelnase.
Unser Troll mit Kartoffelnase.

Trolle lieben Fleischspeisen. Katzen, Hunde, rosa Kleinkinder und Priester am Spieß am liebsten. Hauptnahrungsmittel ist jedoch das Bier und der Met. Massenhaft und zu jeder Zeit. Der Met nimmt dabei Sonderstatus ein, da er - und das ist wörtlich zu nehmen - nur aus dem Trinkhorn getrunken wird. Nicht aus dem Becher, nicht aus dem Glas oder Krug. Nur aus dem Trinkhorn. Man nennt den Met auch das flüssige Gold. Geübte Trolle erlegen den Büffel selbst und schneiden ihm die Hörner ab, um sich ein Trinkhorn anzufertigen. Die werden dann zu Hornlosen. Der Büffel hat zwar nichts davon, aber der Troll. Dann gibt es Trolle - Nachahmung unter echten Trollen nicht empfohlen - die ihr Billig-Trinkhorn bei Aldi oder Lidl kaufen.

Echte Trolle klauen anderen Trollen die krausen Nackenhaare und verstopfen damit einen möglichst großen Durchfluss - auch Ressource genannt - um nach dessen Trocknung ein großes, imposantes Trinkhorn herauszuklopfen. Je länger das Horn ist, desto mehr wird der Troll geachtet. Da Met oder Bier leider nicht ständig in der geforderten Menge verfügbar ist um diese Hörner zu füllen, wird von den Providern bislang vergeblich nach dem Füllhorn gesucht.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse haben übrigens ergeben, dass sich Trolle auch schon in Gestalt von Menschen in unserer Umgebung aufhalten.